Friedrichshain

Parkzonen sollen zugeparkten Berliner Szenekiez entlasten

Viele Anwohner begrüßen die Einführung der neuen Parkzonen: Autofahrer müssen vom 1. Juni an östlich und westlich der Warschauer Straße Gebühren zahlen. Etwa 9000 Stellplätze sind davon betroffen.

Foto: Infografik Berliner Morgenpost

Die Straßen rund um den Boxhagener Platz sind zugeparkt. Autos, deren Fahrer nach einer Lücke am Bordsteinrand spähen, rollen langsam umher. Das beliebte Kneipenviertel hat ein Verkehrsproblem, weil viele Beschäftigte und Gäste mit dem Pkw kommen. Auch Berufspendler aus dem Brandenburger Umland stellen ihr Auto ab und fahren mit U- oder S-Bahn in die Berliner Innenstadt. Das Nachsehen haben die Anwohner. Sie finden kaum noch einen Platz für ihr Fahrzeug. Eine Lösung soll es zum 1. Juni geben. Dann muss man zahlen, wenn man das Auto parkt.

"Die Parkraumbewirtschaftung ist auf jeden Fall notwendig", sagt Anwohnerin Ellen Konzack. "Vor allem Rollstuhlfahrer und Leute mit Kinderwagen sehen sich oft damit konfrontiert, dass Straßenübergänge zugeparkt sind." Die 37-Jährige wohnt nahe dem Frankfurter Tor. Sie bringt ihr Kind morgens in die Kita am Boxhagener Platz. "Dann muss ich lavieren und mir eine Lücke suchen, um die Fahrbahn zu überqueren." Ellen Konzack hofft darauf, dass die Situation ab Juni besser wird. "Die Erfahrungen aus den Parkzonen von Pankow sprechen dafür."

Ein Euro pro Stunde beträgt die Gebühr in den zwei neuen Parkzonen, die in Friedrichshain eingeführt werden. Diese Gebühr gilt in einem Gebiet, das im Norden durch die Frankfurter Allee und Karl-Marx-Allee und im Süden durch die S-Bahn begrenzt wird. Etwa 9000 Stellplätze sind betroffen. In der westlichen Parkzone (Parkzone 49), kosten das Parken von 9 bis 22 Uhr, in der Parkzone 50 zwischen Warschauer Straße und Gürtelstraße sogar bis 24 Uhr.

Anwohner setzten längere Gebührenzeiten durch

Ursprünglich hatte das Bezirksamt das Gebiet in drei Parkzonen aufgeteilt und eine kürzere Gebührenzeit vorgesehen. Nach Kritik von Anwohnern seien die Pläne geändert worden, sagt Finanzstadträtin Jana Borkamp (Grüne), die derzeit den Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne) vertritt. "Das ist das Ergebnis von drei Diskussionsveranstaltungen und den Meinungen, die im Internetportal geäußert wurden." Das Kneipenviertel an der Simon-Dach-Straße sollte ursprünglich eine eigenständige Bewirtschaftungszone sein, und der Bereich zwischen Modersohnstraße und Gürtelstraße eine weitere Zone.

Jetzt sind beide Flächen zur Zone 50 zusammengefasst. "Die ursprüngliche Variante empfanden die Bewohner als zu eng gesteckt", sagt Ellen Konzack, die auch im Stadtteilbüro Friedrichshain mitarbeitet. "Jetzt sind die Gebiete gut abgegrenzt." Auch die Zeit, in der Gebühren zu zahlen sind, ist bis Mitternacht ausgedehnt worden. "Weil um diese Zeit noch viel Verkehr in den Straßen ist", so Stadträtin Borkamp. In der Zone 49 wollte das Amt nur bis 20 Uhr Gebühren erheben. Auf Wunsch der Anwohner wird die Zeit auf 22 Uhr ausgedehnt.

"In zwei Jahren findet eine Evaluation statt", kündigte Borkamp an. "Ob alles sinnvoll ist und sich trägt, und ob die Ergebnisse im Straßenverkehr erreicht wurden, die man gern hätte." Wenn dies nicht der Fall sei, könne man nachsteuern. "In den ersten zwei bis drei Wochen nach dem 1. Juni wird es eine Einführungsphase geben", sagte Stadträtin Borkamp. "Dann werden Anwohner noch einmal auf die Parkzonen hingewiesen und darauf, dass sie Vignetten brauchen."

Radstreifen in beiden Richtungen an der Warschauer Straße geplant

Das Bezirksamt hofft, dass Berufspendler und Restaurantbesucher durch die Gebühr abgeschreckt werden und künftig mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren. Die Parkzonen sind außerdem Voraussetzung für ein weiteres, lange geplantes Vorhaben: die Umgestaltung der Warschauer Straße. Sie soll Radstreifen in beiden Fahrtrichtungen bekommen.

Etwa 100 Stellplätze am Fahrbahnrand fallen weg. Anzunehmen ist, dass Händler und Kunden dann zum Parken in die Nebenstraßen fahren. Deshalb sollte die Parkgebühr eingeführt werden, bevor die Umgestaltung der Warschauer Straße beginnt. "Die Ausschreibung der Arbeiten ist im Gange", sagte Stadträtin Borkamp. "Wenn alles planmäßig läuft, dann kann man im Spätsommer oder zu Beginn des Herbstes anfangen."

Foto: Amin Akhtar

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