Renoviert

Liebevoll modernisiertes Ballhaus Berlin bittet zum Tanz

Neue Tapeten, Böden, Technik: Nach drei Monaten ist die Sanierung des Ballhauses Berlin abgeschlossen. Swing-Fans sollten sich die Dienstage freihalten, wenn Musiker Andrej Hermlin zum Tanz einlädt.

Foto: KRAUTHOEFER

Golden patinierter Stuck, tiefrot gestrichene Wände, Tischtelefone, prunkvolle Leuchten und ein bunt gemisches Publikum, das zu Swing-Klängen über das Fischgrät-Parkett fliegt: Damals, vor seinen Anfängen als Musiker, hatte Andrej Hermlin sich nicht träumen lassen, dass er jemals in einem solchen Ambiente auftreten würde. Genau genommen dachte er nicht, dass er überhaupt einmal irgendwo auftreten würde, denn mit seiner Liebe zur Musik der 30er-Jahre stand der junge Hermlin früher alleine da: „Damit war ich ziemlich isoliert. Die anderen hörten ja eher Tina Turner zum Beispiel. Als wir dann vor 25 Jahren im Palast der Republik das erste Mal vor rund 400 Leuten gespielt haben – das werde ich niemals vergessen.“

Dass Swing-Musik ein Revival erleben wird, daran glaubte Christof Blaesius schon lange. Bereits im Jahre 2000 spielte der Unternehmer mit dem Gedanken, einem Ballhaus in Berlin mit Tanzveranstaltungen neues Leben einzuhauchen und setzte sich mit Hermlin in Verbindung. „Die Chemie zwischen uns beiden hat gestimmt“, sagt Blaesius über seine Verbindung zu dem Musiker. Die Chance, den Traum vom Ballhaus, in dem sich Vergangenheit und Moderne zum gemeinsamen Tanz treffen, Wirklichkeit werden zu lassen, ergab sich jedoch erst einige Jahre später.

Nach dreimonatiger Sanierung eröffnete das Ballhaus Berlin an der Chausseestraße unter der Führung von Christof Blaesius nun wieder seine Pforten, nachdem der alte Betreiber Herbert Gottschlich im vergangenen Dezember nach 30 Jahren die Segel strich.

Charme des Ballhaus-Saales sollte erhalten bleiben

Wichtig war Blaesius und seinem Partner Karl-Heinz Heymann, der auch das Cafe Burger an der Torstraße betreibt, bei der Sanierung des Ballhauses den alten Charme des prächtigen Saales mit der Wendeltreppe und der Empore aufrechtzuerhalten. Neu sind die Tapeten, der Boden, die Technik, die sanitären Anlagen, der Schallschutz und die Bars.

Ein Teil des alteingesessenen Personals wurde übernommen: „Die Klofrau und der Garderobier zum Beispiel arbeiten hier schon seit Ewigkeiten“, so Blaesius. Auch die Tischtelefone aus dem Jahr 1936 sind geblieben. „Wir haben die einzige abhörsichere Telefonanlage in der Nähe des BND“, scherzt Blaesius über die 44 funktionsfähigen Geräte, die auf Tischen um die Tanzfläche herum drappiert sind. Der Bundesnachrichtendienst hat seine neue Zentrale in direkter Nachbarschaft des Ballhauses.

„Ich finde die Sanierung ist wunderbar gelungen“, lobt Hermlin den wiederbelebten Ballsaal, „es wurde nicht totrestauriert. Es wurde alles sehr behutsam erneuert. Der Raum atmet Geschichte, das gefällt mir sehr.“ Jeden Dienstag spielt Hermlin mit seinem drei- bis siebenköpfigen Swing Dance Orchestra hier nun zum Tanz auf, lässt Paare zu einer Mischung aus Klassikern wie „Bei mir bist du schoen“ oder „Chicago“ und weniger bekannten Swing-Nummern über das Parkett fliegen. Dabei wird er von Elektro-Swing DJ Louie Prima unterstützt.

„Hier geht es um gute Unterhaltung, Spaß haben, trinken, tanzen“, sagt der 52-jährige Blaesius, der sich eine ausgewogene Mischung aus alteingesessenem Stammpublikum und Szene-Leuten für sein Haus wünscht. „Die Menschen wollen das“, bestätigt Hermlin das neue Konzept, „die sind gelangweilt von einfacher Musikberieselung, da ist eine Sehnsucht nach guter Abendunterhaltung da, der man hier entgegenkommt.“

Ballhaus momentan drei Mal pro Woche geöffnet

Das einzigartige Ambiente des historischen Gemäuers, dessen Sanierungskosten im sechsstelligen Bereich liegen sollen, lockt nicht nur Nachtschwärmer an: Erst kürzlich zeichnete Oliver Kalkhofe hier seine Jubiläums-Sendung zu 20 Jahren „Kalkofes Mattscheibe“ auf, die am Karfreitag ausgestrahlt werden soll.

Drei Mal pro Woche ist das Ballhaus momentan geöffnet, hier und da wird noch ein Gestaltungselement ergänzt, dem neuen Gewand des Ortes der letzte Schliff verliehen. Neben dem dienstäglichen Swing-Vergnügen steht freitags die „StattKapelle“ auf der Bühne, deren Leiter Robert Matt schon mit Stars wie Nina Hagen oder Schiller musizierte, samstags wechselt das Programm.

Im Mai will Blaesius die Außenterrasse eröffnen, auf der sich das Publikum, von grünem Hopfen umrankt, auch bei einem Imbiss stärken kann, wenn das Tanzbein schwächelt. Dann soll auch der Ballsaal an sieben Tagen in der Woche geöffnet sein. Dem arbeitenden Teil der Bevölkerung kommt Blaesius mit den Öffnungszeiten dabei sehr entgegen: Während in den üblichen Clubs vor Mitternacht meist gähnende Leere herrscht, öffnet das Ballhaus schon gegen 20 Uhr seine Pforten. Ein gepflegtes Tänzchen zum Feierabend und morgens trotzdem wieder frisch im Büro erscheinen ist hier also durchaus drin.

Es sei denn, man schaut zu tief ins mit dem hier sehr beliebten Gin Tonic oder Martini gefüllte Glas. Letzteren, lacht Blaesius und spielt damit auf die Agenten in der Nachbarschaft an, „gibt es hier übrigens auch geschüttelt“.