Maischberger

“Den Islam darf man genauso wenig kritisieren wie die Mafia”

Wird der Hass gegen Moslems hierzulande bewusst geschürt? Oder ist es der Islam, der die Abneigungen anstachelt? In Sandra Maischbergers Runde schrie man zum Thema oft wild durcheinander.

Foto: Martin U. K. Lengemann

Hamed Abdel-Samad hat sich eine Menge Ärger eingehandelt. Der Politologe, Historiker und Buchautor hat im Sommer vergangenen Jahres in Kairo einen Vortrag gehalten und dabei der Muslimbruderschaft vorgeworfen, einem “islamischen Faschismus” zu huldigen, der seinerseits im islamischen Glauben wurzele. Schon am nächsten Tag tauchten, anonym zunächst, im Internet die ersten Morddrohungen auf, die der Hassprediger Assem Abdel-Maged dann auch im Fernsehen wiederholte. Weitere schlossen sich an.

Abdel-Samad hat sich davon nicht einschüchtern lassen, im Gegenteil: Er hat seine Vorwürfe immer wieder bekräftigt, auch wenn er ihretwegen öfter untertauchen musste. Gerade ist ein Buch mit dem Titel “Der islamische Faschismus” erschienen. Bei Maischberger gab er seine Analyse in Kurzform wieder Dass der Islamismus im Bewusstsein der eigenen Überlegenheit existiere, Hass und Ressentiments unter seinen Anhängern schüre, in Allah einen charismatischen Führer gefunden habe, zudem antisemtisch sei und Weltmachtgelüste empfinde: All dies sei, so Abdel-Samad, strukturell dem Faschismus wesensverwandt.

Freund-Feind-Schema

Zur Provokation gerät die These nun dadurch, dass Abdel-Samad all diese Auswüchse in der Religion selbst angelegt sieht. Der Islam wende sich aggressiv gegen Kritik, sagte er, man dürfte ihn genauso wenig kritisieren wie die Mafia. Das apodiktische Freund-Feind-Schema des Islams (“Gläubige” gegen “Ungläubige”) verrate seine totalitären Züge. Kein Zufall, dass der Islamismus als seine radikale Spielart nicht nur etwa zeitgleich mit dem europäischen Faschismus entstanden sei, sondern auch innige Sympathien zu ihm entwickelt habe.

Dagegen lässt sich vieles einwenden, und man muss kein Islamist dazu sein. Antonia Rados etwa, langjährige Auslandskorrespondentin und intime Kennerin des Nahen Ostens, verwies auf den imperialen Gehalt des Begriffs Faschismus: “Sie suggerieren im Gedächtnis der Europäer die Übernahme eines Staates durch eine starke Minderheit.” Omid Nouripour, sicherheitspolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion und Moslem, fragte berechtigterweise nach den Folgen der Analyse: “Was machen wir mit den anderthalb Miliarden Muslimen in der Welt? Was machen wir mit der Integration in Deutschland?”

In der Tat läuft Abdel-Samads Analyse darauf hinaus, das Projekt der Integration für gescheitert zu erklären. Ob dies stimmt, blieb die große, im Hintergrund dräuende Frage. Sie entzündete sich besonders an der Anwesenheit Hassan Dabbaghs, eines Imams aus Leipzig. Erst im letzten Drittel der Sendung klärte die Redaktion darüber auf, dass die von ihm frequentierte Moschee vom Verfassungsschutz beobachtet wird.

Eine aufgeregte Runde

Dabbagh jedenfalls brachte die anderen, darunter auch Unionsmann Wolfgang Bosbach, gleich mehrfach gegen sich auf. Es wurde derart laut und unverständlich, dass man sich eine härtere Hand der Moderatorin gewünscht hätte. Das Bekenntnis zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung jedenfalls, das verschiedene Vertreter aus der Runde von ihm verlangten, lieferte er, soweit in der Aufregung verständlich, nur indirekt und zögerlich - teils, weil er sich zunächst gegen eine Reihe von Vorwürfen zur Wehr setzen wollte, teils aber auch, weil ihm der bedingungslose Gesetzesglaube der säkularen Gesellschaft offenbar wesensfremd ist.

Dass er die Frage, ob für ihn der “Koran über dem Gesetz” stehe, zur “Fangfrage” erklärte, zeigte gleich mehrere Dinge: dass er sich tatsächlich in die Enge getrieben und inquisitorisch vernommen fühlte; dass er aber auch in einem Glaubenssystem lebt und predigt, dass den Rechtsstaat nicht als die zentrale Instanz von Gerechtigkeit anerkennen kann - einfach, weil es sich selbst schon als solche begreift. Dass darin ein Problem für die Integration liegt, das ließ sich am Ende der Diskussion nicht leugnen. Und Probleme der Kommunikation ebenso wenig.