Cyber-Crime

Verfassungsschutz warnt Start-Ups vor Wirtschaftsspionage

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Foto: Andreas Franke / picture alliance / Andreas Frank

Dutzende Hightech-Firmen gibt es in Berlin und Brandenburg. Dafür interessieren sich Geheimdienste, vor allem aus Russland und China, warnt der Verfassungsschutz. Kleinere unterschätzen die Gefahr.

Unternehmen in der Hauptstadtregion müssen sich aus Sicht des Verfassungsschutzes besser gegen Spionageattacken rüsten. Vor allem kleine und mittlere Firmen seien der Auffassung, dass nur die Großen auf dem Radar von Nachrichtendiensten oder Konkurrenten seien, sagte der Chef des brandenburgischen Verfassungsschutzes Carlo Weber. Zusatzkosten zur Datensicherung würden oftmals gescheut. „Bruder Leichtfuß“ sei unnötig am Werk, erklärte Weber.

Dies könne fatale Folgen haben, denn Wirtschaftsspionage nehme seit Jahren aufgrund globalisierter Märkte zu, sagte Weber. Im Blick vor allem russischer und chinesischer Nachrichtendienste stünden Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die sich der Hoch- und Spitzentechnologie widmen. Hinweise auf Aktivitäten westlicher Geheimdienste in Brandenburg liegen dem Verfassungsschutz nicht vor.

Etwa 1500 Betriebe mit hoher technologischer Kompetenz gibt es sich zwischen Elbe und Oder. Um schwerwiegenden Know-how-Verlust im Unternehmen wirkungsvoll zu verhindern, müssten bereits erste Verdachtsmomente ernst genommen werden, rät der Verfassungsschutz.

Unternehmen verzichten auf Anzeigen

Aus Scham oder Furcht vor Rufschädigung würden jedoch viele Unternehmen bei Verdachtsfällen auf Anzeigen verzichten. Daher dürfte das Dunkelfeld sehr hoch sein und eine konkrete Schadenssumme könne so kaum berechnet werden. Experten gehen aber davon aus, dass die deutsche Wirtschaft durch Know-how-Diebstahl jährlich einen Schaden in zweistelliger Milliardenhöhe zu verkraften hat.

Im Kriminalitätsbarometer des IHK-Arbeitskreises für Unternehmenssicherheit gaben vor drei Jahren 2,5 Prozent der Betriebe an, Opfer von Spionageattacken gewesen zu sein. Allerdings haben nur gut 1500 von 4000 angeschriebenen Unternehmen an der anonymen Befragung des IHK-Arbeitskreises überhaupt teilgenommen.

Spionageattacken laufen oft über das Internet. „Diese sind oft nicht von Hacker-Angriffen zu unterscheiden“, berichtet IHK-Arbeitskreissprecher Knuth Vieth. „Daher können wir unseren Mitgliedern nur raten, sich Hilfe beim Landeskriminalamt oder beim Verfassungsschutz zu holen.“

Soziale Netzwerke zur „Abschöpfung“

Die Brandenburger Polizei hat unterdessen mit Fachdienststellen auf die stark steigende Zahl der Cyber-Crime-Delikte reagiert. Beim LKA wurde 2012 außerdem die Zentrale Ansprechstelle Cyber-Crime gegründet. Unternehmen und Behörden finden dort Hilfe, wenn ihre Server und Datenbanken von Hackern angegriffen worden oder sie Opfer von Computersabotage geworden sind.

Verfassungsschutzchef Weber wies auch auf die konventionellen Praktiken von Wirtschaftsspionen hin. Ein sehr effektives Mittel sei die „Gesprächsabschöpfung“. Dabei werden ahnungslosen Opfern in angenehmer Atmosphäre Betriebsgeheimnisse entlockt. Auch soziale Netzwerke böten gute Voraussetzungen, um Opfer zu manipulieren.

Außerden setzen Nachrichtendienste immer noch klassische Spione ein. So werbe China laut Verfassungsschutz in Deutschland lebende Landsleute an. Als Studenten, Gastwissenschaftler oder Praktikanten getarnt haben sie einen einfachen Zugang zu den Firmen.

( dpa/ap )