Pro & Contra

„Wetten, dass..?“ und Lanz müssen weg - oder doch nicht?

Für „Wetten, dass..?“ kommt nach 33 Jahren das Aus. Das ZDF setzt die Familiensendung mit Markus Lanz nach immer härterer Kritik ab. Ist das die richtige Entscheidung? Ein Pro und Contra.

Schade um die Familiensendung

Christine Richter hätte der TV-Show noch eine Chance gegeben – auch mit Markus Lanz.

Rund 6,84 Millionen Menschen haben am Samstagabend das ZDF eingeschaltet und „Wetten, dass..?“ geschaut – ich auch. Weil ich neugierig war, wie sich Markus Lanz angesichts des drohenden Aus schlägt. Nun, die große Überraschung kam zum Schluss, als Lanz selbst ankündigte, dass die Sendung zum Jahresende eingestellt wird.

Schade, dachte ich, denn am Sonnabend war „Wetten, dass..?“ richtig unterhaltsam, für Markus Lanz geschämt habe ich mich auch nicht. Er übertrieb nicht – bis auf einen Lachanfall –, er moderierte souverän und stilsicher, die Gäste waren – wenn auch unisono in Trauerkleidung erschienen – interessant und ließen sich auf die Wetten, Künstler und das Publikum ein. So sollte es sein, so könnte es weitergehen.

Seit Herbst 2012, als Lanz – gemeinsam mit Cindy aus Marzahn – übernahm, da habe ich immer schnell aus- oder umgeschaltet. Was habe ich mich geschämt, als Cindy aus Marzahn mit dem US-Rapper 50 Cent durchs Studio fuhr, als der arme Tom Hanks diese schreckliche Mütze aufziehen musste. Peinlich, bloß abschaffen, dachte ich. Auch Lanz wollte ich bei „Wetten, dass..?“ nicht mehr sehen. Obwohl er doch in seiner ZDF-Talkshow meist einen guten Job macht. Als Moderator einer Familienshow erschien er mir am falschen Platz – bis zum Sonnabend, wo ich das Gefühl hatte, nun hat er seinen Stil gefunden.

Ich bin mit „Wetten, dass..?“ groß geworden – habe die Sendung mit den Großeltern und Geschwistern geschaut. Später hatte ich häufig etwas anderes am Samstagabend vor, dafür schauten dann meine Nichten und Neffen die Sendung. Schade, dass dem ZDF nichts eingefallen ist, um die Familiensendung aufzufrischen, die Zuschauer mit intelligenten Wetten zu unterhalten. Und mit Markus Lanz so zu arbeiten, dass er sich nicht lächerlich machen muss. Er hätte mehr Unterstützung – und Fairness – verdient.

Viel zu große Erwartungen

Felix Müller meint, dass die Sendung unter der Last ihres Ruhms zerbrechen musste.

Ich hatte das mit „Wetten, dass..?“ eigentlich ganz anders geplant. Also: Mit dem Text, den ich am Samstagabend darüber schreiben sollte. Mir war aufgefallen, wie sehr meine eigene Kindheit mit dieser Sendung nostalgisch verknüpft ist. All die unzähligen Male fielen mir ein, die ich als Junge vor dem Fernseher gesessen hatte und mitgefiebert hatte mit Menschen aus Schweinfurt oder Rheda-Wiedenbrück, die Telefonbücher zerreißen oder mit Hubschrauberkufen auf einer Schreibmaschine Gedichte tippen wollten. Also heizte ich meinen eigenen Sohn an, er ist knapp sechs: Hier stehe Ungeheures bevor, sagte ich ihm, und er dürfe so lange aufbleiben, wie er wolle. Die Begeisterung war groß, die Müdigkeit stärker: Es war noch nicht mal 21 Uhr, als auf dem Bildschirm eine fliegende Toastbrotscheibe von einem Pfeil durchbohrt wurde. Mein Sohn lag im Tiefschlaf.

Das sagte noch nicht viel über die Sendung, aber es schien mir doch wie ein Zeichen. Das Familienfernsehen, wie es jahrzehntelang von „Wetten, dass..?“ verkörpert wurde, hat aufgehört zu existieren. Der Druck, der davon ausgeht, etwas nicht verpassen zu dürfen: Dieses Format vermag ihn nicht mehr zu erzeugen, schon lange nicht mehr. Und damit könnte man sogar seinen Frieden schließen. Man könnte sagen, dass mehr als sechs Millionen Zuschauer ein guter Wert ist, besser immer noch als die erfolgreichsten Formate des Privatfernsehens. Aber so viel Realismus ist offenbar bei „Wetten, dass..?“ nicht zu haben. Das hat etwas mit Erwartungen zu tun und mit dem Stolz, einmal die erfolgreichste Show Europas ausgestrahlt zu haben. Weder Madonna noch Michael Jackson konnten sie ignorieren. Die Tragik liegt nun darin, dass diese Erwartungen keinen Rückzug dulden, keine Neuerfindung mit weniger Zuschauern, einem anderen Konzept, einer offenen Zukunft.

Alle wollen, dass „Wetten, dass..?“ das Flaggschiff bleibt, das es schon lange nicht mehr ist. So hat die Sendung keine Zukunft.

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