Schauspielerin

Fritzi Haberlandt „will jetzt Kartoffeln anbauen“

Privat und im neuen „Polizeiruf 110“: Schauspielerin Fritzi Haberlandt ist eine echte Berlinerin. Doch jetzt hat sie das Umland als Lebensmittelpunkt für sich entdeckt.

Foto: Reto Klar

Fritzi Haberlandt ist eine echte Berlinerin. Geboren im Ostteil der Stadt, studierte sie an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ und ist ihrer Heimat bis heute treu geblieben – zumindest ein bisschen. Neben ihrer Stadtwohnung hat sich die 38-Jährige mittlerweise ein Haus in der Schorfheide zugelegt.

Die Berliner Morgenpost hat mit ihr über die Vorzüge des Landlebens gesprochen, die ihrer Episodenrolle im neuen „Polizeiruf 110“ („Käfer und Prinzsessin“ an diesem Sonntag, 6. April 2014, um 20.15 Uhr in der ARD) zum Verhängnis werden.

Berliner Morgenpost: Ist das Café ein zufälliger Treffpunkt, oder haben Sie einen besonderen Bezug zu Kreuzberg?

Fritzi Haberlandt: Ich wohne derzeit noch hier im Kiez, also war ich froh, dass ich für ein Interview einmal nicht eine Stunde fahren musste. Aber ich ziehe demnächst um – nach Mitte. Und ansonsten bin ich auf dem Land. Eigentlich bin ich sogar sehr viel auf dem Land.

Was heißt ansonsten? Wochenendhaus?

Es war ein Wochenendhaus und ist jetzt mein Lebensmittelpunkt. Ich werde die Stadtwohnung aber behalten, weil ich zum Arbeiten doch viel hier bin.

In Brandenburg?

Ja, in der Nähe von unserem „Polizeiruf“-Drehort in der Schorfheide. Das war ganz toll, weil ich so nach Feierabend immer nach Hause fahren konnte. Meistens, wenn man arbeitet, ist man woanders und schon gar nicht auf dem Land. Da bin ich schon froh, wenn ich in Zuhause in mein eigenes Bett fallen kann.

Manchmal hat man das Gefühl, es gebe in Brandenburg schon eine Wochenendhaus-Enklave von Berliner Künstlern.

Ja, aber eher in der Uckermark. Die Schorfheide ist natürlich näher zu Berlin. Dadurch sind schon viele Berliner dort, aber es verteilt sich und es gibt zum Glück auch viele „echte“ Leute dort. Nicht nur Künstler, sonst wäre es ja gleich wie Prenzlauer Berg.

Ist das für Sie eine Stadtflucht?

Naja, es hat sich eher so ergeben. Wir wollten an den Wochenenden aufs Land und es war einfach schön. Dann habe ich gemerkt, wie ich mich dort immer mehr wohl gefühlt habe und immer mehr da sein wollte. Und dass ich unglücklich war, wenn ich nach zwei Wochen Ferien dort wieder wegfahren musste. Also habe ich gedacht: Verleg doch alles dort hin, sei mehr dort und nutze die Stadt eher beruflich oder um Freunde zu treffen. Das ist ja auch wichtig.

Bauen Sie selbst Obst und Gemüse an?

Ich mache den Garten. Ich habe letztes Jahr angefangen, anzubauen. Alles noch im kleinen Rahmen. Aber wenn man einen Garten hat, muss man das auch tun, finde ich. Es ist einfach so toll Obst, Gemüse und Kräuter aus dem Garten zu haben. Ich würde gern noch viel mehr machen, wenn ich die Zeit hätte, mich darum zu kümmern. Mein Bruder ist jetzt auch dort hingezogen. Jetzt will ich bei ihm einen Kartoffelacker anlegen. Der hat nämlich mehr Platz. Deshalb kriegt er auch den hässlichen Kartoffelacker.

Wie halten Sie es sonst mit Öko?

Natürlich ist mir das wichtig. Wir sind schließlich die erste Generation, die ein ökologisches Bewußtsein so unmittelbar miterlebt hat. Ich versuche so viel wie möglich Bio einzukaufen. Auf dem Land ist das natürlich nicht so einfach, obwohl die Leute alle ihre Bioprodukte im Garten haben.

Ist man dort nicht direkt an der Quelle?

Ja, aber die Leute nutzen das hauptsächlich für sich selbst. Dort gibt es keine großen Biomärkte. Im nächsten größeren Ort gibt es einen ganz kleinen Bioladen. Da versuche ich immer gezielt hinzufahren, auch wenn man nicht alles kriegt.

Könnten Sie sich vorstellen, in einer Kommune wie im „Polizeiruf“ zu leben?

Also das kommunenhafte finde ich schwierig. So viele Menschen auf so engem Raum. Sich da zu einigen bei allen Sachen, das würde mir schon schwer fallen. Ich brauche mein eigenes Leben. Das ist ja schon in einer Partnerschaft schwierig. Ich brauche meinen Freiraum, einfach mal Leere, nichts. Wenn man dann so viele Leute um sich herum hat, das würde mich auf Dauer abschrecken.

Maria Simon lebt ja auch etwas alternativer. Haben Sie sie mal besucht?

Ich bin nur einmal vorbeigefahren. Sie hat wirklich ein ganz besonderes Häuschen. Maria war während der Dreharbeiten auf dem Ökohof im siebten Himmel, glaube ich. Wir haben uns beide sehr wohlgefühlt. Ich wollte immer Fachsimpeln über Holzstapeln und Kräuter. Für sie war es wohl eher das Spirituelle, das fand sie ganz toll, diesen Gedanken dahinter.
Maria Simon hat einmal gesagt, dass die „Polizeiruf“-Rolle ihre Rettung vor Harz IV war. Steht es wirklich so schlimm um die Schauspielerei?

Es gab schon mal goldenere Zeiten. Es gibt einen kleinen Prozentsatz an Schauspielern, die viel arbeiten und relativ viel Geld verdienen und die Gagen bekommen, die einem eigentlich zustehen. Es gibt aber auch sehr viele Projekte, auch Kinofilme, die Low-Budget-Produktionen sind, da kriegt man einfach nur sehr, sehr wenig Geld, weil einfach keins da ist. Und selbst im Fernsehen heißt es immer: Wir haben nicht so viel Geld. Und wenn man dann nicht immer dreht – das machen ja die wenigsten –, ist es sicher nicht so einfach. Es muss auch einmal mit dem Bild aufgeräumt werden, Schauspieler bekämen alles geschenkt, hätten viel Geld und müssten nichts dafür tun. Die Zeiten sind wirklich hart und ich kann froh sein, dass ich das Theater noch habe und nicht so auf das Drehen angewiesen bin. Ansonsten müsste ich sicher auch ab und an ganz schön scharren.

Ist eine feste Rolle wie im „Polizeiruf“ dann das erstrebenswerte Ziel, weil man Sicherheit hat?

Das muss jeder für sich entscheiden. Wenn man eine Familie zu ernähren hat, ist das sicher angenehm, wenn man weiß, dass alles geregelt ist. Ich persönlich habe mich dagegen entschieden, weil ich diese Verpflichtung nicht wollte. Ich möchte bei jedem Projekt neu entscheiden, ob ich das machen will oder nicht. Und das finde ich gut. Solange Projekte kommen und ich mich entscheiden kann, ist doch alles in Ordnung.

„Polizeiruf 110 – Käfer und Prinzessin“, Sonntag 20.15 Uhr, ARD