Interview

Steffi Graf - „Der eigene Körper macht nicht mehr so viel mit“

Steffi Graf spielt kaum noch Tennis. Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost spricht die 44-Jährige über Fitness, das Familienleben in Las Vegas mit Ehemann André Agassi und Heimweh nach Deutschland.

Foto: © JÖRG KRAUTHÖFER

17 Uhr in Berlin, 10 Uhr in Las Vegas. Zunächst ist es nicht ganz einfach, eine Telefonverbindung quer über den Atlantik herzustellen. Doch dann knackt es in der Leitung, eine Stimme erklingt am anderen Ende des Telefons. Das Gespräch kann beginnen. Es ist eines der wenigen Interviews, die Stefanie „Steffi“ Maria Graf derzeit gibt.

1988 ist die damals 19-jährige Mannheimerin durch siegreiche Grand-Slam Turniere in Wimbledon, Melbourne, Paris und New York und mit dem Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen in Seoul weltbekannt geworden. 22 Grand-Slam-Turniere hat die heute 44-Jährige insgesamt gewonnen und mit 377 Wochen an der Spitze der Weltrangliste hält sie noch immer einen Rekord. Am 13. August 1999 hatte Steffi Graf ihren Rücktritt vom Profisport bekannt gegeben, seitdem lebt sie zurückgezogen.

Auf dem Tennisplatz steht die Frau von André Agassi, die mit ihm und ihren beiden Kindern Jaden Gil und Jaz Elle in den USA lebt, kaum noch. Sie ist zu einem Familienmenschen geworden, im Hintergrund sind während des Gesprächs immer wieder Kinderstimmen zu hören. Um ihre Familie, um ihre Stiftung „Children for Tomorrow“ und um Fitness, speziell für Frauen, dreht sich das Leben des ehemaligen Tennisprofis mittlerweile.

Im Gespräch mit der Berliner Morgenpost erzählt sie von ihrer eigenen Fitness, dem Inhalt ihres Kühlschranks in Las Vegas, ihrem Familienleben und Besuchen in der alten Heimat.

Berliner Morgenpost: Als Profisportlerin haben Sie jahrelang sportlich alles aus sich heraus geholt. Wie steht es heute um Ihre Fitness?

Stefanie Graf: Ich bin immer noch gerne aktiv. Nach 17 Jahren Profisport steckt das einfach in mir. Aber natürlich trainiere ich nicht mehr in der gleichen Intensität wie früher. Mein Körper hat sich die Belastungen während meiner Profikarriere ganz gut gemerkt.

Wie oft in der Woche machen Sie Sport?

Vier bis fünf Mal in der Woche ist mein Ziel, auch, wenn es nicht immer klappt. Ich trainiere mit Gewichten, tue etwas für meine Ausdauer, mache Pilates. Und dann halten mich auch meine Kinder in ständiger Bewegung.

Und wie oft stehen Sie auf dem Tennisplatz?

Ich spiele nur noch sehr selten Tennis, nehme manchmal monatelang keinen Schläger in die Hand. Ab und zu spiele ich im Rahmen einer Charity-Veranstaltung zum Beispiel für meine Stiftung „Children for Tomorrow“. Man merkt, dass der eigene Körper einfach nicht mehr so viel mitmacht.

Die USA haben den Ruf, das Land der ungesunden Ernährung zu sein. Stimmt das?

Die USA haben als erste auf das Thema hingewiesen und die ersten kritischen Zahlen zum Thema „ungesunde Ernährung“ veröffentlicht. Deshalb gibt es dieses Klischee. Leider wird in Deutschland und in vielen anderen Ländern genauso ungesund gegessen.

Wie sieht es in Ihrem Kühlschrank zu Hause in Las Vegas aus?

Unsere Familie lebt ziemlich gesundheitsbewusst, da gehört die richtige Ernährung dazu. Aber man darf es auch nicht übertreiben. Es ist uns immer wichtig, eine natürliche Balance zu finden – deshalb darf auch mal etwas weniger Gesundes bei uns im Kühlschrank sein.

Und wie finden Ihre Kinder das?

Unsere Kinder haben Spaß an Bewegung und nehmen auch an unserer Küche teil. Meistens wird gemeinsam gekocht. Und zum Sport muss man sie wirklich nicht überreden, das machen sie aus eigener Begeisterung. Wir sind sehr froh darüber, denn es ist nachweisbar, dass Kinder in schulischen Dingen leistungsfähiger sind, wenn sie schon in Bewegung waren.

Wie sieht das konkret aus?

Manchmal ist es gar nicht so einfach, Hausaufgaben und Sport am Nachmittag unter einen Hut zu bekommen. Wahrscheinlich ist es wie bei jeder normalen Familie: Wir haben unsere Fahrräder in der Garage stehen, im Wohnzimmer liegt der Basketball, und in den Ferien fahren wir gerne Snowboard. Außerdem sind wir alle gerne in der Natur.

Ihre Idee war es, Fitnessstudios auf die Bedürfnisse von Frauen zuzuschneiden. Warum brauchen wir so etwas in der Gesellschaft?

Ich bin davon überzeugt, dass Frauen sich in einem anderen Umfeld – nur unter Frauen – einfach wohler fühlen, deswegen haben wir die „Mrs. Sporty“-Clubs nur für die Frauenbedürfnisse entwickelt. Es geht ja nicht nur um die Fitness, sondern hauptsächlich um die Gesundheit. Frauen haben oft ganz andere Ziele als Männer, wenn sie Sport machen.

Sich wohl zu fühlen, ist das Eine. Aber wie schafft man es, sich aufzuraffen, wenn man eigentlich keine Lust hat, sich zu bewegen?

Wichtig ist es, sich kleine Ziele zu setzen, so arbeiten wir mit unseren Mitgliedern in „Mrs. Sporty“-Studios. Wenn man dann Erfolge sieht, kann man daraus die Motivation ziehen, weiter zu machen. Immer ein paar Minuten mehr. Das geht ganz schnell. Dann hast du etwas für dich selbst getan. Wenn ich morgens Sport mache, kann ich da sehr viel Energie für den Tag daraus ziehen.

Und wenn man wenig Zeit hat?

Mittlerweile gibt es viele Methoden, schnell und effektiv Sport zu treiben, zum Beispiel das Muskel-Ausdauer Training in unseren Clubs dauert nur 30 Minuten. Seit einem Jahr haben wir neue elektronische Sportgeräte – „Pixformance“ – eingeführt, die das Training unterstützen.

Sind Sie denn ab und zu mal in Deutschland, um in Ihren Studios nach dem Rechten zu schauen?

Ich bin schon relativ häufig im Lande, fünf bis sechs Mal im Jahr steige ich in den Flieger und besuche die Heimat. Dann gilt es meistens, alle Termine für „Mrs. Sporty“, mit anderen Geschäftspartnern, Freunden und Familie unter einen Hut zu bekommen. Besonderen Wert lege ich darauf, während meiner Aufenthalte bei meiner Stiftung „Children for Tomorrow“ in Hamburg vorbeizuschauen, die sich für gewalttraumatisierte Kinder engagiert.