Bürgeramt

In den Wilmersdorfer Arcaden gibt es künftig auch Ausweise

Die Mitarbeiter des Bezirksamts Charlottenburg-Wilmersdorf müssen Flächen in den Rathäusern räumen. Nun muss das Bürgeramt mit 15 Arbeitsplätzen ins Einkaufszentrum Wilmersdorfer Arcaden ausweichen.

Foto: Christian Hahn

Das Umzugskarussell in Charlottenburg-Wilmersdorf kommt Anfang Mai 2014 so richtig in Schwung. Dann zieht das Bürgeramt aus dem Rathaus Charlottenburg ins Einkaufscenter Wilmersdorfer Arcaden. Auch das Rathaus Wilmersdorf soll bis zum Ende des Jahres leer sein. Das bedeutet, dass die rund 2000 Mitarbeiter des Bezirksamtes zusammenrücken müssen. Ein Großteil muss auch umziehen.

Gab es im Rathaus Wilmersdorf rund 20 Quadratmeter Platz pro Mitarbeiter, ist die angestrebte Zielgröße künftig elf Quadratmeter. So viel stehen einem Beschäftigten zu. Das Puzzle aus Umzügen, Zwischenlösungen und Umbauten plant Stadträtin Dagmar König (CDU). Sie ist die Herrin über mehr als 40.000 Quadratmeter Bürofläche, die sich allein in den drei Rathäusern Wilmersdorf (14.800), Charlottenburg (14.100) und Schmargendorf (1400) sowie im Dienstgebäude am Hohenzollerndamm (11.800) befinden.

Kein Wartebereich fürs Bürgeramt

Dagmar König zeigt Verständnis dafür, dass die Verdichtung nicht auf große Gegenliebe bei den Mitarbeitern stößt. Auch bei Mitarbeitern im Bürgeramt sorgt der geplante Umzug in die Wilmersdorfer Arcaden für Aufregung. Im Rathaus Charlottenburg stehen den 20 Beschäftigten jetzt noch fast das Doppelte an Platz zur Verfügung. Im neuen Bürgeramt wird es im Bedienbereich im vierten Obergeschoss künftig zwölf Serviceplätze geben sowie drei im ersten Obergeschoss für den Empfangsbereich.

Jeder muss nicht nur beim Platz Abstriche hinnehmen, auch feste, persönliche Arbeitsplätze wird es dort nicht mehr geben. „Das können wir uns nicht mehr leisten. Aber jeder hat seinen eigenen Spind und Rollcontainer für die persönlichen Dinge“, sagt die Stadträtin. Saßen bisher vier Mitarbeiter in einem Raum, wird es künftig eine Reihe mit acht Plätzen geben. Rund 300 Quadratmeter stehen für 15 Arbeitsplätze zur Verfügung.

Einen extra Wartebereich fürs Bürgeramt wird es in den Arcaden nicht geben. Das haben die Grünen in der Bezirksverordnetenversammlung bereits kritisiert. Die Bürger würden zum Konsum gezwungen, um die Wartezeit zu überbrücken. Ohne Termin kann es schon mal eine Stunde dauern, bis man dran ist, zu Stoßzeiten wie vor den Ferien oder bei einer Grippewelle auch mehrere.

Vermessungsamt zieht ins Rathaus Schmargendorf

„Die Sitzzonen in den Arcaden kann man auch ohne zu konsumieren nutzen“, erwidert Dagmar König. Gerade Berufstätige nutzten die Wartezeit vielleicht auch gern zum Einkaufen. Und wem das nicht gefalle, der erreiche ja in vier U-Bahn-Stationen das nächste Bürgeramt am Hohenzollerndamm, wo es auch zukünftig einen klassischen Wartebereich geben werde.

Damit das Rathaus Wilmersdorf Ende des Jahres endgültig an die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH abgegeben werden kann, soll bis Ende des Monats das fünfte Obergeschoss leer gezogen sein. Große Teile der Abteilung Soziales sowie des Jugendbereichs ziehen ins Rathaus Charlottenburg. Die Stadtplanung wird ins Bürogebäude Hohenzollerndamm ziehen, wo sich bereits das Ordnungsamt und die Wirtschaftsabteilung befinden.

Das Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamt soll Platz in der Gartenarbeitsschule an der Dillenburger Straße finden, wo aber auch künftig den Kindern die Natur nähergebracht werden soll. Und das Vermessungsamt wird vom Fehrbelliner Platz ins Rathaus Schmargendorf ziehen. Weil das Rathaus Schmargendorf nicht behindertengerecht sei, sei Voraussetzung gewesen, dass das Amt keinen Publikumsverkehr haben dürfe. Weil es keinen Aufzug gebe, werde auch für die Bibliothek im Rathaus Schmargendorf nach einer anderen räumlichen Lösung gesucht.

Trausaal und Warteräume bleiben

„Wir wollen Miete sparen, deshalb räumen wir dort Flächen so schnell wie möglich“, so König. Das seit 1954 als Rathaus genutzte Gebäude wird künftig den Landesrechnungshof und später auch das Landesarbeitsgericht beherbergen.

Auch im Rathaus Schmargendorf gibt es Veränderungen. Die Verwaltung des Standesamtes zieht ins Rathaus Charlottenburg. „Der Trausaal und die Warteräume bleiben natürlich“, versichert Dagmar König. Was die Umzugskosten in Summe ausmachen werden, hat sie noch nicht ausgerechnet. Für die Umbauten hat das Bezirksamt ein Darlehen beim Finanzsenator in Höhe von drei Millionen Euro aufgenommen, das aber auch zurückgezahlt werden muss. Geld aus der Bezirkskasse für bauliche Unterhaltungen soll hinzukommen.

Dass sie selbst, so wie die meisten anderen Stadträte und der Bezirksbürgermeister, einen 65-Quadratmeter-Raum nutzt, wird übrigens nicht verändert. „Wir haben überlegt, den Raum zu teilen, aber dann gäbe es für den abgetrennten Bereich kein Tageslicht. Das ist niemandem zuzumuten“, sagt Dagmar König. Ihr Arbeitszimmer diene deshalb auch als ständiger Sitzungsraum.