Waffentest

Nordkorea schießt sein altes Raketen-Arsenal leer

Pjöngjang setzt den Kurs der Provokation gegen die USA und Südkorea fort. Erneut feuerte das Militär Kurzstreckenraketen ins Meer. Offenbar verschießt das Regime dabei alte bestände aus dem Arsenal.

Foto: epa/Kcna Yonhap/Kcna / dpa

Trotz eindringlicher Mahnungen aus Südkorea und den USA hat Nordkorea seine Raketentests am Wochenende fortgesetzt. Von der nordkoreanischen Ostküste seien am frühen Sonntagmorgen (Ortszeit) 16 Kurzstreckenraketen ins Japanische Meer geschossen worden, teilte das südkoreanische Militär mit. Schon am Sonnabend hatte der Norden offenbar als Reaktion auf ein Militärmanöver der USA und Südkoreas 30 Raketen abgefeuert.

Die Raketen vom Sonntag seien sowjetischer Bauart und hätten eine Reichweite von 60 Kilometern, sagte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums. Der Süden hatte den Norden erst am vergangenem Montag eindringlich aufgefordert, die „provokanten“ und potenziell gefährlichen Raketentests zu stoppen. Auch die US-Regierung verlangte, Pjöngjang müsse von weiteren Provokationen absehen, die die Spannungen in der Region verstärken könnten. Doch blieben die Aufrufe ohne Folgen.

Yang Moo Jin von der Universität für Nordkoreanische Studien in Seoul sagte, der Abschuss der Raketen sei ein „Ausdruck des Ärgers angesichts der gemeinsamen Militärübungen“ von Südkorea und den USA. Der Experte sprach aber von einer „Provokation auf niedrigem Niveau“. Offenbar habe Pjöngjang sich dazu entschlossen, sein Arsenal von rund hundert FROG-Raketen loszuwerden. Es sei daher wahrscheinlich, dass der Norden den Rest der alten Raketen „in naher Zukunft“ ebenfalls noch verschießen werde.

Mit Atom-Angriff gedroht

Seit Beginn des jährlichen Militärmanövers Südkoreas und der USA im Februar testete Pjöngjang bis zum Sonntag rund 70 Kurzstreckenraketen. Die groß angelegte Militärübung soll noch bis Mitte April dauern, Tausende Soldaten beider Länder sind daran beteiligt. Seoul und Washington betonten, die größtenteils am Computer simulierten Manöver hätten reinen Verteidigungscharakter. Im vergangenen Jahr hatte die nordkoreanische Führung aus Ärger über das Manöver mit einem Atomangriff gedroht.

Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye und ihr chinesischer Kollege Xi Jinping wollen nach Angaben aus Seoul am Rande des anstehenden internationalen Gipfels zur Atomsicherheit in Den Haag miteinander sprechen. Dabei soll es auch um die nordkoreanische Atompolitik gehen. Der Gipfel in Den Haag beginnt offiziell am Montag, Park und Xi wollten bereits am Sonntagabend zusammentreffen.

Das international isolierte Nordkorea und Südkorea befinden sich offiziell im Kriegszustand. Der Koreakrieg der Jahre 1950 bis 1953 wurde durch einen Waffenstillstand beendet, einen Friedensvertrag gab es nie.