Konzert im Astra

Wie 2Raumwohnung aus ihren Songs öden Einheitsbrei machen

Das Berliner Duo Inga Humpe und Tommi Eckart haben wunderschöne Lieder komponiert, doch an diesem Abend im Astra töten sie ihre Songs mit der Drum Machine. Eine Enttäuschung, findet unser Kritiker.

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Drei Wochen seien sie unterwegs gewesen, sagt Inga Humpe, und nun seien sie froh, "endlich wieder hier zu sein". Mit "hier" ist das so was von restlos ausverkaufte Astra gemeint. Die Besucher, die sich für den Vorraum entscheiden und aus weiter Entfernung das Treiben von 2Raumwohnung beobachten, haben den Hallenbesuchern einen Rest Bewegungsfreiheit geschenkt. Wer unter Platzangst leidet, wird wohl trotzdem keinen schönen Abend gehabt haben.

Sieben Alben hat das Berliner Duo Inga Humpe und Tommi Eckart, an dem Abend um Gitarre und Synthesizer verstärkt, bislang seit 2000 auf den Markt gebracht. Im vergangenen Sommer erschien das letzte Album. Das war flauschig und fröhlich und beschwingt und lebens- und liebesbejahend wie alle anderen Platten auch.

In der Konstanz hat der deutsche Pop nichts Besseres zu bieten. Das Duo hat kommerziellen Erfolg und ist Liebling der Kritiker. Eine rare Verbindung. "Humpe und Eckart sind die Einzigen, denen es gelungen ist, das Lebensgefühl des hauptstädtischen Milieus in eine Musiksprache zu übersetzen", hat der "Spiegel" einmal geschrieben. Auf 2Raumwohnung können sich alle einigen, die sich zum kreativen, urbanen Personal der Stadt zählen.

Eine milde Enttäuschung

Dieses alle sollte vorangestellt werden, weil der Abend dann doch eine milde Enttäuschung ist. 2Raumwohnung, mit ihrem betörend ewig-sommerlichen Elektro-Chanson, hat den Chanson gekillt. Sie hat sich für die Humpta-Humpta-Variante entschieden. Kaum ein Lied erklingt, das nicht durch die Drum Machine gleichgeschaltet wird. Zumindest die Mallorca-Fraktion, die es gewohnt ist, dass jedes Lied zu einem einzigen tanzbaren Brei wird, hat die 90 Minuten genießen dürfen.

Und so ist es dann ein ewiges Stampfen: Mit "Sexy girl" beginnt es, das noch stimmig "I feel love", dem Donna-Summer-Klassiker, gemixt wird. "Bei Dir bin ich schön", "Ich und Elaine" und "Wirklich sein" werden zu einem stumpfen Rave minimalisiert. Geradezu zurückgenommen ist da schon "Wir trafen uns in einem Garten", das vergleichsweise melodisch gespielt wird. Aber selbst hier kommt in der Mitte noch "Der Mussolini"-Beat von DAF reingeschossen. Um einen monotonen, verwechselbaren Tanzabend darzubieten, hätte sich das Paar allerdings nicht die Mühe machen müssen, so schöne Lieder zu komponieren.

Inga Humpe macht kurze Ansagen, begrüßt Freunde im Publikum, wiegt Lied für Lied ihre Hüften. Eine Frau, Jahrgang 1956, deren Gesicht sich interessanterweise Mitte Dreißig entschlossen hat, aufzuhören zu altern. Irgendwann hört man auf, sich auf die Musik zu konzentrieren und das Wunderwerk Inga Humpe zu bestaunen. Ganz schön radikal. Bis zum nächsten Mal.

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