Prozess um Polizist

40 Schrauben stützen das Gesicht des Opfers

Ein Polizist steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Er hatte nach einem außerdienstlichen Streit einen 46-Jährigen verprügelt. Das Opfer erlitt zahlreiche Knochenbrüche und leidet noch heute.

Einen Grund für seinen Ausbruch kann der 41-jährige Andreas R. auch vor Gericht nicht nennen. Der Polizeiobermeister ist angeklagt wegen versuchten Totschlags. Er ist in Haft, und er wird nie wieder als Polizist arbeiten dürfen.

Die Tat geschah am 27. Oktober 2013 vor einer Rock-Kneipe in Spandau. Andreas R. war nicht im Dienst und in Begleitung von drei jungen Frauen. Er sei nicht gut drauf gewesen an diesem Abend, heißt es in einer Erklärung: Es gab ein Zerwürfnis mit seiner Lebensgefährtin. Er habe sich gerade das Rauchen abzugewöhnen versucht. Und seine drei Begleiterinnen hätten ihn in der Kneipe auch kaum beachtet und stattdessen mit Leuten am Nebentisch geplaudert.

"Alle Sicherungen brannten durch"

Einer von ihnen war ein 46-jähriger Heizungsmonteur. Er soll Andreas R. bei dessen Bemühungen um eine der Frauen körperlich sehr nahegekommen sein. Was dieser als unangenehm empfunden und dem Mann so auch gesagt habe.

Später, als Andreas R. das Lokal verlassen hatte, sei der Heizungsmonteur angeblich auf ihn zugekommen und habe provokant gefragt, ob er schwul sei. "Als ich das hörte, brannten bei mir alle Sicherungen durch", so Andreas R. "Ich war wie von Sinnen. Alles lief automatisch ab. Ich konnte gar nicht aufhören. Ich habe ihn aber keinesfalls töten wollen." Andreas R. war mal Kickboxer. Sein erster Tritt zertrümmerte die Nase des überraschten Widersachers.

Anschließend soll er immer wieder mit den Fäusten auf das Gesicht des auf dem Boden liegenden Mannes eingeprügelt und den Kopf seines Opfers angehoben und auf das Straßenpflaster geschlagen haben. Er hörte erst auf, als ihn zwei Polizisten, die zufällig in der Nähe waren, von seinem Opfer wegrissen.

Opfer hat weitere Operationen vor sich

Der als Zeuge geladene Heizungsmonteur kann sich an die Begegnung mit Andreas R. erinnern: Wie er ihn in der Kneipe versehentlich berührte und dass ihn Andreas R. anschließend immer wieder "von der Seite angesehen" habe. Er wisse dann nur noch, so der Zeuge, dass er rausgehen wollte und die Tür öffnete.

Der Heizungsmonteur erlitt mehrere Brüche am Schädel. Sein Gesicht, sagt er vor Gericht, habe erst wieder rekonstruiert werden müssen. Die Schädelknochen würden jetzt von 40 Schrauben zusammengehalten. Der 46-Jährige war selbstständig, heute kann er wegen der Verletzungen nicht mehr arbeiten und musste sich für Hartz IV anmelden. Es geht ihm bis heute nicht gut, und er hat noch mehrere Operationen vor sich.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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