Statistik

Mehr als 45.000 Waffen in Berlin - Eine relativ niedrige Zahl

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Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

In der Hauptstadt sind offiziell vergleichsweise wenige Waffen im Umlauf. Das hat damit zu tun, dass kaum jemand in Berlin jagen geht. Wie hoch die Dunkelziffer ist, mag die Polizei nicht schätzen.

In Berlin sind 45.505 registrierte Schusswaffen im Umlauf. Das ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Wie die Waffenbehörde der Berliner Polizei mitteilte, handelt es sich bei 19.500 der erlaubnispflichtigen Schießeisen um Kurzwaffen, also Pistolen und Revolver. Die übrigen 26.000 seien Langwaffen wie Gewehre und Flinten. Wie viele nicht registrierte Waffen es in Berlin gibt, darüber gab die Polizei keine Schätzung ab.

Als legale Waffenbesitzer seien in der Hauptstadt 9403 Personen erfasst, die über 15.667 Waffenbesitzkarten verfügen. Mit einer Karte kann ein Besitzer mehrere Waffen haben, darf sie aber nur zu Hause oder in festgelegten Gebieten nutzen. Darüber hinaus gebe es 386 Waffenscheine, die nicht nur den Besitz, sondern auch überall das Führen von erlaubnispflichtigen Waffen gestatten.

Seit Januar 2013 gibt es beim Bundesverwaltungsamt ein Nationales Waffenregister (NWR), in dem die Daten der rund 550 Waffenbehörden Deutschlands gesammelt sind. Auf dpa-Anfrage hieß es, dass in ganz Deutschland 5,5 Millionen legale Waffen im Privatbesitz und bei Vereinen gespeichert seien. Es gebe 1,45 Millionen Waffenbesitzer und 2,4 Millionen waffenrechtliche Erlaubnisse.

Zehn Schießständer der Polizei geschlossen

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezweifelt diese Zahlen. Die Übertragung der Daten aus den Kommunen in das Register sei fehlerhaft gewesen, kritisiert GdP-Sprecher, Rüdiger Holecek. Immerhin habe man das Projekt überhaupt in Angriff genommen. Für Polizisten sei es bisweilen überlebenswichtig, zu wissen, ob unter einer Adresse, an der ein Einsatz stattfindet, ein privater Waffenbesitz gemeldet ist.

Außerdem wichtig für die Beamten sei die regelmäßige Schussübung, sagte Silvia Brinkhus, Sprecherin der GdP Berlin. In der Hauptstadt seien aber zehn von 19 Schießständen der Polizei seit vergangenem Herbst für Training mit scharfer Munition geschlossen. Sie werden saniert. Beim Training hätten Querschläger Löcher in den Wänden hinterlassen, die mit gesundheitsschädlichem Material gedämmt seien. Nun müssten die Polizisten einen „riesigen Aufwand“ auf sich nehmen, um zu entlegenen Schießständen zu fahren. Die Zeit fehle dann für andere Arbeit.

176 unangekündigte Kontrollen gab es zur Waffenlagerung bei privaten Besitzern im vergangenen Jahr. Dabei wurden nach Angaben der Berliner Waffenbehörde 27 Verstöße gegen die waffenrechtlichen Vorschriften festgestellt. Die Kontrollen seien zwar nicht flächendeckend, konstatierte Holecek. Da Waffenbesitzer aber jederzeit mit Kontrollen rechnen müssten, seien sie alle gezwungen, sich Gedanken über die Aufbewahrung ihrer Waffen zu machen.

Berlin hat die niedrigste Waffendichte der Republik

Berlin hat mit 13 Schusswaffen je 1000 Einwohner die niedrigste Waffendichte der Republik, ergab eine zweimonatige Recherche der Wochenzeitung „Die Zeit“ aus Statistiken der Waffenbehörden aller Landkreise und Städte in Deutschland. Die höheren Zahlen in ländlichen Gegenden erklärten sich dadurch, dass es dort vergleichsweise viele Jäger und Sportschützen gibt.

In Berlin gebe es 2635 Jagdschein-Inhaber, allerdings sind nach Angaben des Landesjagdverbandes (LJV) Berlin nur 770 davon Mitglieder dort. Das bedeute einen Organisationsgrad von 29 Prozent, kein anderes Bundesland verzeichnet nach dem Handbuch des Deutschen Jagdverbandes einen Wert unter 60 Prozent. Berlins Jagdscheininhaber jagen anderswo: Viele gingen seit der Wiedervereinigung zum Jagen nach Brandenburg, sagte Ulrich Grasser, der Präsident des LJV Berlin.

( dpa/jkw )