Fit in den Frühling

Mit Lifestyle-Guru Attila Hildmann wird Vegan zur Trend-Diät

Seine „Vegan for …“-Reihe wurde bisher mehr als 750.000 Mal verkauft. Das Konzept: Leckeres Essen ohne Fleisch und etwas für die Fitness tun. Ein Gespräch mit dem Bestseller-Autor Attila Hildmann.

Foto: Jakob Hoff

Genussvoll essen ohne Fleisch und Fett, und dabei etwas für die Fitness tun: Das ist das Konzept von Attila Hildmann. Der 32-Jährige hat mit seinen Kochbüchern und Fitnessprogrammen das Thema vegane Ernährung ins Bewusstsein gerückt. Seine „Vegan for …“-Reihe wurde bisher mehr als 750.000 Mal verkauft, Hildmann ist damit einer der erfolgreichsten Kochbuchautoren Deutschlands. Seine Inszenierung als durchtrainierter Lifestyle-Guru jedoch stößt auch auf Kritik. Nora Schmidt traf den gebürtigen Tempelhofer in seiner Wohnung in Charlottenburg.

Berliner Morgenpost: Wie viel Menschen sind durch Sie zum Veganer geworden?

Attila Hildmann: Ich bin wahrscheinlich der König der Flexitarier-Bewegung. Es gibt viele Leute, die machen die Challenges für 30 oder 60 Tage. Danach essen sie wieder normal oder lassen bestimmte Kochtipps in ihren Alltag einfließen. Geht man von einer Dreiviertel Million verkaufter Bücherr aus, dann haben es vielleicht die Hälfte der Leute probiert.

Was spricht dagegen, sich einmal in der Woche ein Schnitzel zu braten?

Nichts. Wir haben zwei Extreme: Das eine ist die Forderung, komplett vegan zu werden, weil tierische Produkte ganz böse sind. Das halte ich für ein Hippietum 2.0. Das zweite Extrem ist, dass wir in einer Welt leben, in der wir täglich und nicht nur einmal in der Woche Fleisch essen. Und eben nicht beim lokalen Bauern einkaufen. Man kann einen Mittelweg finden. Ich begrüße jeden, der sagt: Ich esse einmal in der Woche vegan. Ich persönlich lebe vegan, weil es für mich Sinn macht und es mir gesundheitlich besser geht, ich habe dadurch 35 Kilo abgenommen.

Im Alltag kann es schwer sein, sich gesund zu ernähren.

Als ich damals mein erstes Buch geschrieben habe, da haben die Verlage es abgewiesen, weil es angeblich ein Nischenthema war. Und plötzlich ernährt sich jeder vegan, der Banker, der Schickimicki, das Mädchen, das in den knappen Bikini passen will. Diäten sind ein Milliardenmarkt.

Sie erhalten Kritik von „Müsli-Jochen“, wie Sie militante Veganer nennen. Woher kommt der Unmut aus der Szene?

Sich aus gesundheitlichen Gründen vegan zu ernähren, ist für viele nicht der „richtige“ Grund. Ich fahre einen Porsche mit Lederausstattung, mache Fitness, verkaufe vegane Ernährung als Diät – das passt denen nicht. Dabei hat man doch eigentlich ein sehr positives gemeinsames Ziel: Tiere zu verschonen. Den Tieren ist es doch egal, aus welchen Gründen sie nicht gegessen werden. Hätte ich nicht Hunderttausende für das Thema begeistert, dann würden die jetzt immer noch im Kreis sitzen und sich die Hände halten und denken, wie geil sie sind und wie böse alle anderen. Ich hab das Gefühl, Veganer wollen gar nicht, dass vegane Ernährung zum Mainstream wird. Die wollen unter sich bleiben. Damit stoßen sie doch andere Menschen ab vom Thema, das ist kurzsichtig gedacht.

Sie planen langfristig eine Kochsendung?

Wir haben einen Piloten gedreht, es soll eine urbane, coole, witzige Sendung werden, informativ und ehrlich. Wir haben sie ZDF neo angeboten, aber die sagten, sie hätten keinen Sendeplatz mehr. Pech gehabt. Die sollen noch mal ankommen. Mein Terminkalender ist auch so voll: Jetzt schreibe ich meine Diplomarbeit, dann geht es auf Promotour. Ich will nach Hollywood, möchte da eine richtige Marke werden. Ich will die Karriere von Arnold Schwarzenegger auf der Kochebene, coole Actionfilme machen, das ist ein Traum von mir. Aber erst mal geht es jetzt darum, dort eine kulinarische Größe zu werden. Und dann: Wenn du es in Hollywood geschafft hast, liegt dir die ganze Welt zu Füßen.

Ihre letzte Sünde?

Kartoffelchips. Ich bin da nicht dogmatisch. Wenn ich Bock auf Schokoladentorte habe, dann esse ich Schokoladentorte. Alles in Maßen halt.

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