Diskussion

Wie es der Justizminister Maas mit dem Nationalstolz hält

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Florentine Anders

Foto: Reto Klar

Minister Heiko Maas (SPD) war am Kreuzberger Oberstufenzentrum Handel Gast einer Diskussion im Rahmen von „Gesicht zeigen!“: Er sprach mit Schülern über Rassismus und den Stolz auf die eigene Nation.

Nein, diesmal standen nicht die Fragen nach dem gepanzerten Dienstwagen im Vordergrund, wie sie von Schülern so gern an den Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) gestellt werden. „Wir müssen reden. Über Nazis!“, hieß das Thema im Rahmen der Aktion „Gesicht zeigen!“ am Dienstag am Oberstufenzentrum Handel in Kreuzberg. In offener Art diskutierten die Auszubildenden zum Veranstaltungskaufmann mit dem Minister über Ausländer und Nationalstolz.

Mit Ja-Nein-Karten mussten die Schüler und der Politiker Position beziehen. „Bist du stolz auf Deutschland?“, hieß eine der Fragen. Die Schüler zögerten, viele legten eine Nein-Karte, einige schließlich doch ein „Ja“, so wie auch Justizminister Heiko Maas. „Ich finde es gut, hier zu leben, weil die Menschen unterschiedlicher Herkunft gut miteinander auskommen“, sagte Momo. Er fühle sich wohl hier. Das sei ein Grund, stolz zu sein. Der 23-jährige Berufsschüler ist in Berlin aufgewachsen, hat aber persische Wurzeln. „Ich finde das Wort ‚stolz‘ nicht schön,“, sagte seine 21-jährige Mitschülerin Cagla. Stolz könne man vielleicht auf ein Kind oder auf seine Mutter sein, aber doch nicht auf ein Land.

Maas’ Großmutter besaß fünf verschiedene Pässe

Heiko Maas sagte, er sei stolz darauf, dass Deutschland aus seiner Geschichte gelernt habe. Wenn ihn aber jemand gefragt hätte, ob er stolz sei, Deutscher zu sein, hätte er mit einem klaren Nein geantwortet. Schließlich sei es eher ein Zufall, dass er im Saarland als Deutscher geboren sei. Seine Großmutter habe von 1904 bis zu ihrem Tod 1985 in demselben Haus nahe der französischen Grenze gelebt. Im Laufe ihres Lebens habe sie fünf verschiedene Pässe besessen.

Auch die Schüler hatten Gelegenheit, Fragen zu stellen, ohne Vorgaben. Jonas (25) wollte wissen, was der Bundesjustizminister von der Straffreiheit für Steuersünder hält. Er fände es richtig, die straffreie Selbstanzeige für Steuerhinterzieher zu erschweren, sagte der Minister. Ab einer bestimmten Höhe der Hinterziehung sollte es nicht mehr möglich sein, sich durch eine Selbstanzeige frei zu kaufen, so Maas. Angelina ist zufrieden. „Ich habe viele Anstöße bekommen, über die ich weiter mit meinen Freunden reden werde“, sagte die 23-Jährige nach der Diskussion.