Ausstellung

Umstrittene Bilder im Rathaus Lichtenberg bleiben hängen

Das Bezirksamt Lichtenberg will umstrittene Bilder mit Nacktdarstellungen von Kindern weiterhin zeigen: Die „Zwischenraum“-Ausstellung ist in der Galerie des Rathauskellers bis Mitte März geöffnet.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Ungewöhnlich viele Besucher haben am Montag die Galerie für zeitgenössische Kunst im Keller des Rathauses Lichtenberg besucht. Der Grund für den Ansturm sind Medienberichte über die Bilder von unbekleideten Kindern, die in der aktuellen Ausstellung zu sehen sind. „Zwischenraum“ ist der Name der Schau. Vier Künstler aus Lichtenberg zeigen ihre neuesten Werke.

Um „Gender Gap“, den Geschlechter-Zwischenraum, und um die sexuelle Identität von Menschen geht es der Künstlerin Claudia Clemens. Ihre Bilder zeigen ein Mädchen, einen Jungen und ein Kind, dessen Geschlecht nicht erkennbar ist. „Weiblich-männlich-anders“ nennt die Malerin ihre Kunstwerke.

Dürfen solche Gemälde überhaupt noch gezeigt werden, während aktuell die Debatte um Kinderpornografie und den SPD-Abgeordneten Edathy hohe Wellen schlägt? Um diese Frage dreht sich die Mediendebatte.

Dazu kann sich jeder Berliner eine eigene Meinung bilden. Die Ausstellung ist noch bis zum Ende der kommenden Woche zu sehen. Das Bezirksamt Lichtenberg wird die umstrittenen Bilder auch weiterhin zeigen. „Ein Zusammenhang mit der Debatte um Kinderfotografien oder -bilder, die auf Basis sexueller Ausbeutung von Kindern entstanden sind und die der missbräuchlichen sexuellen Bedürfnisbefriedigung von Erwachsenen dienen, ist nicht herstellbar“, teilte die Behörde am Montag mit. „Höchst verwundert“ sei sie über diese Lesart der Ausstellung, sagte Kulturstadträtin Kerstin Beurich (SPD).

Positive Resonanz zur Ausstellung der Bilder

Nicht ein bestimmtes Kind sei in den Bildern dargestellt, so die Stadträtin. Das sei daran erkennbar, dass die drei Gesichter Ebenbilder seien. „Zu schützende Persönlichkeitsrechte eines Kindes sind damit nicht verletzt.“ Die Künstlerin Claudia Clemens greife mit ihren Werken auch das Thema Inter- und Transsexualität auf. Sie setze sich damit auseinander, wie sich bei Kindern die geschlechtliche Identität bilde. Es gebe Begleittexte zu den Bildern und weiterführende Literatur.

Lichtenbergs Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) hat sich am Montag die Ausstellung angesehen. „Damit ich mir eine Meinung bilden konnte“, so der Rathauschef. „Ich finde die Gemälde harmlos, ohne jeden kinderpornografischen oder sexuellen Hintergrund.“ Der Kontext der Ausstellung sei ein völlig anderer. „Ich halte die Diskussion im Zusammenhang mit der Ausstellung im Rathaus Lichtenberg für gänzlich abwegig“, so Andreas Geisel. „Dann dürften sämtliche klassischen Werke von Caravaggio, Michelangelo und Raffael nicht mehr gezeigt werden. Von der klassischen Moderne der Brücke-Künstler, von Degas oder den Gauguin-Bildern aus der Südsee ganz zu schweigen… absurd.“

Die Resonanz auf die Ausstellung „Zwischenraum“ sei positiv, sagte eine Mitarbeiterin aus der Rathaus-Galerie. „Mehr als 100 Menschen waren bei der Eröffnung der Ausstellung am 29. Januar. Niemand hat sich negativ über die Bilder geäußert, auch nicht während der Ausstellungszeit im Februar.“ Die Schau im Rathaus Lichtenberg zeigt mehr als 30 Kunstwerke.

Neben den Bildern von Claudia Clemens sind auch Fotos, Installationen und Videos von Christa Fülbier, Johnny Kortlever und Maria Fernandez Verdeja zu sehen. Die vier Künstler arbeiten in Ateliers auf einem stillgelegten Bahnbetriebsgelände an der Kaskelstraße. Die Schau im Keller des Rathauses Lichtenberg ist noch bis zum 14. März 2014 zu sehen. Sie öffnet von Montag bis Freitag, jeweils 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei. Für den 6. März, 18 Uhr, ist eine Führung mit den Künstlern durch die Ausstellung angekündigt.