Sanierung

Berlins marodeste Polizeiwache steht in Schöneberg

Das Dach ist undicht, im Keller steht Wasser, die Decken sind einsturzgefährdet - in Schöneberg bröckelt eine Polizeiwache. Jetzt prangert die Gewerkschaft den Zustand der Villa in Schöneberg an.

Foto: Steffen Pletl

Kinder spielen an einem Bauzaun. Über ihren Köpfen spannt sich Stacheldraht – ein nicht ungefährlicher Spielplatz. Auf etwa 20 Meter Länge und 1,80 Meter Höhe stand hier einst eine Mauer. Doch die drohte einzustürzen. Sie wurde abgetragen, seither steht dort der Zaun. Durch den blicken die Kinder neugierig auf das Gelände der Wache an der Hauptstraße in Schöneberg. Denn auf dem Hof des Nachbargrundstücks stehen Polizeifahrzeuge. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) macht sich Sorgen wegen der Kinder und des Zauns. „Es ist ein Gitterbauzaun, der durchaus auch von kleinen Kindern erklommen werden kann. Eine Gefahr“, heißt es in einem Schreiben der Gewerkschaft an den innenpolitischen Sprecher der Grünenfraktion im Abgeordnetenhaus, Benedikt Lux.

Die GdP hat sich Hilfe suchend an ihn gewandt und prangert nicht nur den Stacheldraht, sondern vor allem den baulichen Zustand des Dienstgebäudes des Polizeiabschnitts 42 an. Unter dem leiden 167 Polizeibeamte, die dort ihren Dienst ableisten – in Berlins sanierungsbedürftigster Polizeiwache.

Feuchte Wände, bröckelnder Putz

In der Tat ist das Haus in keinem guten Zustand. In den Umkleidekabinen der Polizeibeamten beispielsweise drohen die Zimmerdecken einzustürzen. Provisorisch sind dort Holzbalken aufgestellt worden, die das Gemäuer stützen. An der Außenfassade der Stadtvilla, die seit mehr als 50 Jahren von der Polizei genutzt wird, hat sich bereits Schimmel gebildet. Auf dem Dach fehlen zahlreiche Schiefer. Die Durchlüftung im Dach, könnte man sagen, ist außerordentlich gut.

Und im Winter wird so auch die Umgebung des 1865 gebauten Hauses mit Wärme versorgt. Die Polizisten jedenfalls rechnen damit, dass beim nächsten Starkregen und Unwetter Wasser in das Haus eindringt. Fenster schließen nicht richtig. Zahlreiche Räume, die dringend benötigt werden, können derzeit nicht genutzt werden. Der Putz bröckelt ab, die Wände sind feucht.

Hauptwasserleitung bei Frost leckgeschlagen

Und im Keller, wo erst vor Kurzem nach einem Rohrbruch das Wasser einen Meter hoch stand, riecht es immer noch muffig. Zuständig für das Gebäude ist die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM). „Offenbar fehlt es dem landeseigenen Betrieb für die einzelnen Objekte im Havariefall an Notfallplänen“, sagt Benedikt Lux nach einem Besuch der Polizeiwache.

Am Morgen des 1. Februar war bei strengem Frost die Hauptwasserleitung in der Wache leckgeschlagen. Dabei ist ein Kellerraum, in dem sich auch die Stromverteilerkästen befinden, unter Wasser geraten. Die Stromversorgung musste daraufhin abgeschaltet werden, die Heizung des Hauses fiel dadurch ebenfalls aus. Feuerwehr und THW stellten alles ab.

„Die für die Liegenschaften zuständige BIM wurde am Tag der Havarie sofort von dem Zwischenfall informiert. Sie sah keinen sofortigen Handlungsbedarf und hat die Polizei auf den nächsten Werktag, 48 Stunden später, verwiesen“, sagt Michael Purper von der GdP. Die Konsequenz: Die Mitarbeiter der Wache mussten auf andere Objekte ausquartiert werden.

BIM weist Vorwürfe zurück

Seit die BIM die zentrale Verwaltung der Liegenschaften des Landes organisiert, häuften sich nach seiner Erkenntnis aus vielen Behörden und Ämtern die Klagen über die Intransparenz der Gesellschaft sowie die Umständlichkeit und Langwierigkeit der Beantragung und Bewilligung baulicher Maßnahmen.

Diese Vorwürfe weist die BIM zurück. „Unsere Mitarbeiter reagieren stets äußerst kurzfristig auf eventuelle Mängel und sind in der Lage, umgehend die geeigneten Fachfirmen mit deren Beseitigung zu beauftragen. So wurde auch der Wasserschaden, der durch ein vor dem Haus liegendes Rohr entstand und die gesamte Elektroverteilung in Mitleidenschaft zog, in kürzester Zeit behoben“, sagt Katja Cwejn von der Pressestelle der BIM.

Eigentlich sollte der Abschnitt 42 im Zuge der Zusammenlegung mehrerer Polizeiabschnitte schon nicht mehr an der Hauptstraße sitzen und das Grundstück bereits verkauft sein. Doch das hat bislang nicht funktioniert, und es scheint auch, dass es in absehbarer Zeit nicht realisiert werde, vermuten die Gewerkschafter. „Eventuell sind die Verkaufsabsichten des Landes Berlin ein Grund dafür, dass für die notwendige Instandsetzung der Stadtvilla kein Geld mehr ausgegeben wird.“

Haus hat lange Geschichte

Nach dem heutigen Besuch werde ich die Arbeitsweise der Berliner Immobilienmanagement GmbH etwas genauer untersuchen“, sagt Bendikt Lux. Seiner Meinung nach könne es nicht angehen, dass, weil Wochenende ist, die Behörde im Fall einer Havarie nicht mehr arbeitsfähig ist“, sagt der Politiker. Für derartige Fälle müsse es Pläne geben, die eine sofortige Instandsetzung und damit Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit gewährleisten. „Die meisten Mitarbeiter auf diesem Revier arbeiten gerne hier und fühlen sich wohl“, sagt Steve Feldmann von der Gewerkschaft. Sie wollen Gewissheit über die Zukunft des Hauses.

Die Villa hat eine lange Geschichte. Vom Turmzimmer aus hat man einen weiten Blick über die Nachbarschaft. Das wusste auch schon der Erbauer und Großbauer Willmann 1865 zu schätzen. Denn von dort aus konnte er ganz wunderbar seine Ländereien überblicken. Zur gleichen Zeit wurden dort auch andere Gutsherrenhäuser gebaut, in dem daneben ist heute ein städtischer Kindergarten untergebracht. Und dessen Kinder finden Polizeiautos spannend – trotz des Stacheldrahts, der sich über ihre Köpfe spannt.