Edeka-Werbung

„Supergeil“-Sänger ist ein Berliner Gesamtkunstwerk

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Ein schräger Song macht gerade die Runde: Eine Supermarktkette gibt sich jugendlich, und ein Mittfünfziger verkauft sich geschickt als Kultstar: Der „Supergeil“-Song ist ein gelungenes Stück Marketing.

Und nun zur Werbung. Es konnte passieren, dass man jüngst gefragt wurde: Kennst du eigentlich den „Supergeil“-Song? Man sagte zunächst: Häh? Man googelte „Supergeil Song“ und dachte: Was ist das für ein Kerl? Was ist das für ein bizarrer Spot? Warum singt dieser Mittfünfziger mit dem gepflegten grauen Bart „Super-Uschi, Super-Muschi, Super-Sushi, supergeil“? Was ist „supersüß, supersexy, supereasy, supergeil“?

Dann hatte man einen Geistesblitz: Aha, Werbung! Für einen Supermarkt! Man verstand plötzlich: Der Mann mit dem sympathischen Schmerbauch schüttet deshalb Milch aus H-Milch-Tüten in sein Badewasser, weil er dafür wirbt. Die Würstchen, die er im Spot „raucht“, will er verkaufen. Man googelt noch mal: Wer ist dieser Typ? Warum macht er das?

Man erfährt, dass Friedrich Liechtenstein, 58, ein Berliner Gesamtkunstwerk ist. Man hat ihn schon in einem House-Video namens „Kackvogel“ gesehen, ein Hit auf Youtube. Mit bürgerlichem Namen heißt er Hans-Holger Friedrich, er studierte an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, ist Puppenspieler, Theaterregisseur, klassischer Schauspieler und Musiker. In diesem Frühjahr soll sein neues Album auf den Markt kommen

Werbung, die man auf den ersten Blick nicht als solche erkennt

Friedrich Liechtenstein hat den Song schon im Jahr 2013 aufgenommen, und nun hat ihn eine Werbeagentur engagiert, um diesem Supermarkt ein junges Image zu verpassen. In Mitte, da, wo die besagte Werbeagentur ansässig ist, findet man Typen wie ihn, nun ja, eben „supergeil“.

Die zuständige Eventagentur sitzt in Prenzlauer Berg, in einem aus grünen Containern gebauten, temporären Haus auf einer Baubrache. „Kunsthalle“ steht drauf, und es mag Leute geben, die glauben, dass auch drin ist, was da draufsteht. Die Agentur hat sich auf Werbung spezialisiert, die man auf den ersten Blick nicht als Werbung erkennt. In dem Café, das im Erdgeschoss residiert, ist auch Friedrich Liechtenstein öfters zu Gast. Superpraktisch, all das. Und nun schalten wir zurück ins echte Leben.

( bs/krott )