Einwohnerentwicklung

Berlin boomt – Neukölln ist so beliebt wie Prenzlauer Berg

Berlin wächst laut Statistischem Landesamt schneller als prognostiziert. Besonders viele Menschen ziehen in die Szenekieze in der Mitte der Stadt. Aber Ortsteile am Stadtrand schrumpfen.

Berlin wächst schneller als erwartet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ist die Zahl der Einwohner in der Hauptstadt zum 31. Dezember 2013 um 47.800 gestiegen. Das meldete am Dienstag das Statistische Landesamt. Bereits im Vorjahr stieg die Zahl der hier lebenden Personen um 49.000. Damit wächst die Stadt rasanter, als es die Prognosen bisher vorhergesehen haben. Laut der letzten Schätzung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung von 2011 wird ein Zuwachs von 250.000 Personen bis zum Jahr 2030 erwartet. Sollte der jetzige Trend anhalten, wäre diese Zahl schon in wenigen Jahren erreicht.

Fast alle 96 Ortsteile sind laut Amt für Statistik in unterschiedlichem Ausmaß von dieser positiven Entwicklung betroffen. Die Neuberliner drängen vor allem in die Innenstadt. Am meisten legt der Bezirk Mitte mit mehr als 8000 zusätzlichen Bewohnern zu. Es folgen die Bezirke Pankow mit einem Zuzug von 6600 Einwohnern und Friedrichshain-Kreuzberg mit einem Plus von rund 4000 Einwohnern.

Betrachtet man die Ortsteile innerhalb der Bezirke, so ist Prenzlauer Berg am stärksten gewachsen. Vor allem Menschen im Alter von 45 bis 55 Jahren ziehen in dieses Gebiet, in dem die Mietpreise inzwischen eher gehoben sind. Offenbar ist Prenzlauer Berg immer noch attraktiv für Familien. Die Neuzugänge bringen laut Statistik offenbar häufig Kinder zwischen sechs und 15 Jahren mit, denn auch in dieser Altersgruppe steigt die Zahl der Einwohner.

Friedrichshain-Kreuzberg ist beliebt bei jungen Familien

Fast im gleichen Ausmaß wie Prenzlauer Berg ist der Ortsteil Neukölln gewachsen. Innerhalb eines Jahres sind dort 2809 Menschen zugezogen. Mit insgesamt 165.086 Einwohnern ist Neukölln der größte Ortsteil von Berlin. Hier ist der höchste Anstieg in der Altersgruppe der 27- bis 45-Jährigen zu verzeichnen. Der Trend hält in Neukölln schon seit Jahren an. In den vergangenen fünf Jahren gab es dort laut Statistikamt ein Plus von mehr als 13.000 Einwohnern. Zu dieser enormen Steigerung hätten nur zu etwa zehn Prozent zuziehende Ausländer beigetragen. Der Ausländeranteil im Ortsteil Neukölln beträgt aktuell 33 Prozent.

Gewinner in der Einwohnerentwicklung ist auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg mit rund 4000 Zuzügen. Beide Ortsteile sind fast im selben Umfang gewachsen, wobei Friedrichshain mit 2182 neuen Einwohnern gegenüber Kreuzberg leicht vorn liegt. Auch hier ist vor allem die Altersgruppe der 27- bis 45-Jährigen am stärksten gewachsen. Attraktiv ist der Bezirk offenbar bei jungen Familien, denn auch die Zahl der Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren wächst.

Zuwächse von mehr als 1000 Einwohnern gibt es beispielsweise in den Ortsteilen Lichtenberg, Charlottenburg, Tempelhof und Moabit.

Wohnungsnot in Boombezirken nimmt zu

Den größten Rückgang an gemeldeten Einwohnern gibt es in Kaulsdorf, einem Ortsteil mit Einfamilienhäusern am Rande der Stadt. Auch die anderen schrumpfenden Ortsteile liegen vor allem am Stadtrand. Betroffen sind Malchow, der ohnehin schon kleinste Ortsteil, Lübars und Müggelheim.

„Berlin boomt“, kommentiert die Vorsitzende des Verbandes der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen, Maren Kern, die neuen Zahlen des Statistischen Landesamts. In den vergangenen zwei Jahren sei Berlin um die Größe einer kompletten Stadt wie Cottbus gewachsen. Im gleichen Zeitraum seien aber nur etwa 10.000 neue Wohnungen entstanden. „Berlin braucht dringend mehr Wohnungen. Das geht nur durch Neubau“, so Kern weiter. Vor allem in den nachgefragten Lagen innerhalb des S-Bahn-Rings müssten neue Wohnungen entstehen.

„Wir sehen uns durch die Zahlen bestätigt, vor allem im Wohnungsbau und bei der Entwicklung der Infrastruktur weiter voranzugehen“, sagt Richard Meng, Sprecher der Senatskanzlei. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sehe keinen Anlass, die mittelfristigen Prognosezahlen jetzt übereilt zu ändern. Es gebe verschiedene Szenarien, sagt Daniela Augenstein, Sprecherin der Verwaltung. Der Zuwachs um eine Viertelmillion Menschen sei die mittlere Entwicklung.

Im oberen Bereich dagegen rechne die Verwaltung mit 400.000 zusätzlichen Einwohnern bis 2030. Das würde den jetzt veröffentlichten Zahlen etwa entsprechen. Allerdings müsse man bei längeren Zeiträumen auch mit Schwankungen rechnen. Zudem seien unter den Neuberlinern viele Ausländer aus Krisengebieten wie Süd- und Osteuropa, die möglicherweise wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren, wenn sich dort die Situation entspannt hat. Die nächste Bevölkerungsprognose wird 2015 veröffentlicht.

42 Prozent der Neuköllner haben Migrationshintergrund

Tatsächlich ist die Zahl der gemeldeten Ausländer im vergangenen Jahr laut Statistik um insgesamt 34.784 gestiegen. Man müsse aber davon ausgehen, dass einige Ausländer, die noch hier gemeldet sind, nicht mehr in Berlin wohnen, sagt Brunhilde Klein vom Statistischen Landesamt.

Es sei keine Pflicht, dass sie sich abmelden, wenn sie wegziehen. Die Quote der sogenannten Übererfassung betrage etwa drei Prozent. Den höchsten Anteil an ausländischen Bewohnern hat der Bezirk Mitte mit 29 Prozent. Zählt man hier auch die Einwohner mit Migrationshintergrund hinzu, liegt der Anteil bei 47,7 Prozent.

Im Bezirk Neukölln, zu dem auch der gleichnamige Ortsteil gehört, beträgt die Quote der Bewohner mit Migrationshintergrund 42 Prozent. Am niedrigsten ist ihr Anteil mit neun Prozent im Bezirk Treptow-Köpenick.