Neuer Ort

Bundespresseball tanzt 2014 erstmals im Flughafen Tempelhof

Seit dem Umzug der Bundesregierung von Bonn nach Berlin im Jahr 1999 fand der Bundespresseball im Hotel Intercontinental in der Nähe des Kudamms statt. Doch jetzt sprach viel für einen Ortswechsel.

Mit der Modemesse „Bread & Butter“ hat es begonnen, ein „Herz für Kinder“ und die Goldene Kamera sind gefolgt. Viele der größten Veranstaltungen Berlins finden mittlerweile in den Hallen des ehemaligen Flughafens Tempelhof statt. Nun zieht es auch den Bundespresseball auf das Gelände. Am 21. November 2014 soll das Gala-Ereignis des Jahres für Journalisten und Politiker der Hauptstadt erstmals in den ehemaligen Hangars stattfinden. „Nach 15 erfolgreichen Jahren im Hotel ,Intercontinental Berlin’ bekommt der Bundespresseball ein neues Gesicht“, hat Gregor Mayntz, Vorsitzender der Bundespressekonferenz, am Dienstag mitgeteilt.

Der Ball des Zusammenschlusses der Hauptstadtjournalisten gilt seit 1951 als wichtiges gesellschaftliches Ereignis – erst in Bonn und dann in Berlin. 15 Jahre ist er in dem Hotel nahe dem Kurfürstendamm veranstaltet worden, nun soll dieses dem Event nicht mehr ausreichen. Der Ort sei dem Ball schon lange nicht mehr angemessen, heißt es in Mitgliederkreisen. „Überlegt, das Ereignis an einem anderen Ort Berlins stattfinden zu lassen, haben wir immer wieder mal – und schon länger“, sagt Gregor Mayntz. Ihm gefalle besonders der Gedanke, dass die Gäste künftig über einen roten Teppich auf dem Rollfeld laufen werden, bevor sie in den Hallen des ehemaligen Flughafens mit „einzigartiger Atmosphäre“ tanzen und feiern.

„In der Eingangshalle des Flughafengebäudes haben wir wegen der Höhe der Decke und der Architektur ein ganz anderes Flair als im Hotel“, sagt auch Organisator Alfred Gertler. Außerdem gebe es mehr Platz etwa für die Tanzfläche, auf der stets großes Gedränge herrsche.

Erster Presseball im Februar 1951

Im Februar 1951 hatte die Bundespressekonferenz zum ersten Mal zum Presse- und Funkfest in das Restaurant des Deutschen Bundestags nach Bonn geladen, im November 1951 trafen sich die Vertreter aus Parlament, Regierung und Parteien im Kurhaus von Bad Neuenahr. Von 1959 bis 1988 fand der Ball in der Bonner Beethovenhalle statt, anschließend wurde im „Maritim“ Bonn gefeiert.

Seit 1999 findet die Gala in Berlin statt. Traditionell eröffnet sie der Bundespräsident mit seiner Frau, bevor 2500 exklusiv geladene Menschen auf die Tanzfläche dürfen. Zu den Gästen gehören neben dem Bundespräsidenten mit seiner Begleitung, den Bundesministern und Abgeordneten, den Partei- und Fraktionsvorsitzenden der im Bundestag vertretenen Parteien, den Mitgliedern der Bundespressekonferenz mit den Chefredakteuren, Herausgebern, Intendanten oder Geschäftsführern auch zahlreiche Vorstände der wichtigsten Unternehmen des Landes. Im vergangenen Jahr tanzten zusätzlich unter anderem Ornella Muti und Natalia Wörner über das Parkett, Gianna Nannini bespielte die Bühne.

Auf ähnlich prominente Namen darf sich nun Gerhard Steindorf freuen. Er ist der Gewinner der Neuausrichtung des Balls und Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH. „Der Flughafen ist ein Kommunikationsraum im besten Sinne. Wir begrüßen es sehr, dass die Bundespressekonferenz mit dem Bundespresseball, einem der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse der Stadt, nach Tempelhof kommt“, sagt er. Der Flughafen habe in seiner Geschichte immer Menschen und Orte miteinander verbunden und sei damit ein idealer Veranstaltungsort für den Bundespresseball und seine Gäste.

„Bundespresseball immer bei uns willkommen“

Den Robert Herr nun missen dürfte. Der Direktor des Intercontinental hat nach dem Verlust seines prominentesten Gastes – US-Präsident Barack Obama entschied sich bei seinem Besuch im vergangenen Sommer entgegen der Tradition seiner Vorgänger für eine Übernachtung im Ritz-Carlton am Potsdamer Platz – auch eins der wichtigsten Großereignisse der Stadt abgeben müssen. „Neben dem Ball der Wirtschaft war dies unser größter im Haus“, sagt er. Natürlich hätte er ihn gern bei sich behalten, müsse und könne die Entscheidung der Bundespressekonferenz jedoch nur respektieren. „Dass die Veranstalter etwas Neues ausprobieren wollten, war uns nicht neu“, sagt er, „dennoch ist der Bundespresseball immer bei uns willkommen, sollten die Planer überlegen, ihn wieder hier stattfinden zu lassen.“

„Sonst sind wir nach all unseren Überlegungen auch immer zu Bewährtem, ins Interconti, zurückgekehrt“, sagt Gregor Mayntz. Die Station am Gleisdreieck als Veranstaltungsort habe man sich zum Beispiel auch schon angesehen, habe sich dann jedoch immer wieder an die Planung an der Budapester Straße gemacht. Dieses Mal sei es jedoch zu „Terminkollisionen“ gekommen. „Der Tag im November, an dem der Bundespräsident seinen Besuch dieses Jahr einrichten konnte, war im Intercontinental nicht möglich – das hat unsere Überlegung zu einem Neuanfang an einem anderen attraktiven Ort natürlich befördert“, sagt Gregor Mayntz.

Eine Rückkehr ins Intercontinental wolle er zwar nicht ausschließen, sagt Mayntz, jetzt wolle man jedoch erst einmal den 21. November erleben und sehen, wie gut der Ball in Tempelhof funktioniere. Bei Robert Herr findet nun zunächst der VBKI-Ball der Wirtschaft statt. An diesem Sonnabend, mit rund 3000 geladenen Gästen. Die Trauerzeit nach dem Verlust des Bundespresseballs hält sich entsprechend in Grenzen.

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