Soziales

Erzwungener Abschied vom Gründer des Kinderhospiz’ Sonnenhof

Der Vorstand der Jürgen Schulz Stiftung gibt sein Amt aus Altersgründen ab. Einvernehmlich war der Schritt nach eigener Aussage aber nicht. Die Stiftung gründete Einrichtungen wie Kinderhospize.

Foto: Reto Klar

Die renommierte Björn Schulz Stiftung hat neue Vorstände berufen, Stiftungsgründer Jürgen Schulz ist aus dem Vorstand ausgeschieden, offenbar nicht freiwillig. Wie es in einer Mitteilung der Stiftung heißt, wurden Bärbel Mangels-Keil und Götz Lebuhn auf der turnusmäßigen Stiftungsratssitzung am Mittwoch als neue Vorstände berufen. Gemäß der Stiftungssatzung sei Jürgen Schulz aus Altersgründen aus dem Amt geschieden. Jürgen Schulz, der seit der Gründung vor 18 Jahren als alleiniger Vorstand die Geschäfte der Stiftung führte, wird in diesem Jahr 75 Jahre alt.

Die beiden neuen Vorstände sprachen Schulz ihren Dank und ihre Anerkennung für sein jahrelanges Engagement für die Stiftung und ihre Einrichtungen aus. „Das Engagement von Jürgen Schulz hat Maßstäbe gesetzt“, betonte Bärbel Mangels-Keil. „Mit der Björn Schulz Stiftung und ihren Einrichtungen, allen voran dem Kinderhospiz Sonnenhof, hat Jürgen Schulz unzähligen Familien in schwierigsten Lebensphasen Unterstützung und Perspektive gegeben. Dafür gebührt ihm großer Dank“, heißt es in der Mitteilung.

„Ich hatte andere Pläne“

Doch so einvernehmlich, wie sich der Wechsel anhört, ging er wohl nicht von statten. Jürgen Schulz sagte der Berliner Morgenpost, alle fünf Jahre werde der Vorstand neu bestimmt. Er sei von der Berufung der neuen Vorstände überrascht worden. „Ich habe andere Pläne gehabt, aber der Stiftungsrat hat sich darüber hinweggesetzt“, kritisierte er. Er habe lange gesucht, um eine Persönlichkeit zu finden, die er in die Verantwortung für die Stiftung einbinden könne. Dies sei ihm gelungen, er habe den Mitstreiter zunächst als Bereichsleiter für Fundraising und Controlling eingesetzt. Später sollte er in den Vorstand aufrücken. Der Bereichsleiter habe dann aber zum 31. Januar 2014 gekündigt. Die Stiftung sei „ein kompliziertes Gebilde“.

Jürgen Schulz wehrte sich gegen die Begründung, er müsse aus Altersgründen laut Satzung ausscheiden. Das sei eine „vorgeschobene Argumentation“. Die Satzung sehe ausdrücklich vor, dass in begründeten Ausnahmefällen von der Altersgrenze abgesehen werden könne. Ob er den Beschluss der Stiftung anfechte, habe er noch nicht entschieden. Schulz sagte auch, ihm sei Hausverbot für die Räume der Stiftung an der Wilhelm-Wolff-Straße in Pankow erteilt worden. Der neue Vorstand unterstelle ihm, er wolle Belege fortschaffen. Dies sei aber nicht der Fall, er habe lediglich persönliche Gegenstände mit seinem Auto abtransportiert.

Aus dem Vorstand hieß es dagegen, es handele sich nicht um ein generelles Hausverbot. Richtig sei, dass Schulz nur noch die Räume betreten dürfe, wenn ein Vorstandsmitglied dabei ist. Dies sei allein zum Schutz der Stiftung ausgesprochen worden, um eine ordnungsgemäße Geschäftsübergabe zu gewährleisten. Mit Jürgen Schulz sei auf seinen Vorschlag hin eine Übergabe für Donnerstagmittag vereinbart worden. Er sei dann aber schon vorher in seinem Büro gewesen. Er habe mehrere Kartons in sein Fahrzeug geladen, es sei nicht auszuschließen gewesen, dass sich darin auch Akten befinden.

„Ausnahmeklausel greift nicht“

Aus dem Vorstand wurde weiter erklärt, dass die Ausnahmeklausel in der Satzung nicht greife. Sie sei für den Fall aufgenommen worden, dass es keine weiteren Bewerber gibt. Das sei nun aber nicht der Fall gewesen, es hätten sich zwei weitere Bewerber zur Wahl gestellt. Zudem habe die Stiftungsaufsicht schon vor längerer Zeit die Auflage erteilt, dass der Vorstand der Stiftung erweitert werden müsse. Wegen des „Vier-Augen-Prinzips“ bei Zahlungen seien mindestens zwei Vorstände nötig, Jürgen Schulz habe die Stiftung immer allein geführt. Das Deutsche Zentralinstitut DZI, dass das wichtige Spendensiegel vergibt, habe ebenfalls eine Erweiterung des Vorstandes gefordert, damit die Stiftung das Siegel behalten könne. Und schließlich, so verlautete aus dem Vorstand, wäre Jürgen Schulz am Ende einer weiteren Amtszeit fast 80 Jahre alt gewesen.

Der neu berufene Vorstand will die erfolgreiche Arbeit der Stiftung fortführen und einen Beauftragten für das Ehrenamt berufen. Damit soll künftig die Arbeit der 300 ehrenamtlichen Mitarbeiter noch stärker gewürdigt werden. Der Wechsel im Stiftungsvorstand bedeute für die betreuten Familien und die Mitarbeiter eine große Kontinuität, da die beiden neuen Vorstände die Stiftungsarbeit seit langer Zeit begleiten würden. Bärbel Mangels-Keil ist seit fünf Jahren Vorsitzende des Kuratoriums, Götz Lebuhn langjähriger Förderer der Stiftung.

Jürgen Schulz musste selbst erfahren, was es für eine Familie bedeutet, ein Kind zu verlieren. Sein Sohn Björn starb im Alter von nur sieben Jahren an Leukämie. 1983 gründete er gemeinsam mit anderen Betroffenen den Verein „Kinderhilfe – Hilfe für Leukämie und tumorkranke Kinder e.V. Berlin“, der den Aufbau einer Tagesklinik für krebskranke Kinder ermöglichte. Aufgrund der großen Resonanz folgte 1996 die Gründung der Björn Schulz Stiftung. Mittlerweile hat die Stiftung Stützpunkte in Berlin, Brandenburg, Bayern und Sachsen-Anhalt. Sie hilft bundesweit Familien mit krebskranken und chronisch kranken Kindern, sowie Familien mit schwerst- und unheilbar kranken Kindern, zudem auch Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Die Stiftung betreibt neben dem Kinderhospiz „Sonnenhof“ in Pankow ein Nachsorgehaus auf Sylt, einen ambulanten Kinderhospizdienst mit 200 ehrenamtlichen Familienbegleitern sowie verschiedene Projekte für Beratung, Selbsthilfe, Rehabilitation und Nachsorge und eine Akademie. 2009 bekam Jürgen Schulz für sein soziales Engagement den Bambi verliehen, zuvor schon das Bundesverdienstkreuz. Der „Sonnenhof“ in Pankow wurde vor zwei Jahren um einen Neubau erweitert und bietet nun zwölf schwerkranken Kindern und deren Angehörigen Platz. Seit 2006 wird der Irmgardhof in Bayern, ein Bauernhof am Chiemsee, aufwendig restauriert und zu einem Erholungsort für schwerkranke Kinder und ihre Familien ausgebaut. 2011 feierte die Stiftung ihr 15-jähriges Jubiläum im Opernpalais Unter den Linden.