Schulen

Mehr Bio und mehr Kontrolle sollen Schulessen verbessern

Seit Montag bekommen die Schüler nun ein neues Schulessen. Eltern müssen dafür deutlich mehr bezahlen, dafür sind die Zutaten alle Bio und werden verstärkt kontrolliert. Aber ist es auch besser?

Foto: Sergej Glanze / Glanze

An der Joan-Miró-Europaschule in Charlottenburg gibt es wahlweise Brandenburger Kartoffelsuppe mit Wurzelgemüse aus der Region oder Ratatouille aus Zucchini, Auberginen, Paprika und Zwiebeln (alles Bio). Dazu Pennenudeln. Am Dienstag stehen Quark mit frischen Kräutern nach Spreewälder Art auf dem Speiseplan, mit Butterkartoffeln und Bio-Leinöl oder geschnetzeltes Hähnchen in Zitronensoße. Das Schulessen der Miró-Schule wird seit dem 1. Februar von der „Z-Catering Berlin GmbH“ geliefert. Bislang hat „Sodexo“ für die Schule gekocht.

Essen ist deutlich teurer geworden

„Z-Catering“ ist ein neuer Anbieter auf dem Markt für Schulessen. Bisher gehörten Betriebskantinen und große Veranstalter zu den Kunden dieses Unternehmens. Ob das Essen nun auch den Schülern schmeckt, wird sich zeigen. Das letzte Wort hat diesbezüglich der Essensausschuss der Schule, dem Eltern, Schüler und Lehrer angehören. Sie werden das Angebot regelmäßig testen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) hat dafür gesorgt, dass es in Sachen Schulessen jetzt einen Neuanfang gibt. Statt über den Preis soll der Wettbewerb der Caterer künftig über die Qualität des Essens entschieden werden. Außerdem sind die Portionen teurer geworden. Statt bisher rund zwei Euro kostet eine Portion nun 3,25 Euro. Eltern müssen 14 Euro mehr bezahlen, insgesamt 37 Euro. Zudem sollen an jeder Grundschule Essensausschüsse die Qualität des Mittagessens im Auge behalten.

Der Start sei reibungslos verlaufen, heißt es in der Bildungsverwaltung. Es lägen keine Beschwerden oder Problemanzeigen von Schulen vor. Die Vernetzungsstelle Schulverpflegung erarbeite zurzeit Fortbildungsangebote für die Mittagessensausschüsse der Schulen.

Täglich 8000 Portionen

Der Schulleiter der Joan-Miró-Schule, Wolf-Dieter Wagner, sagt, dass sie mit „Sodexo“ nicht unzufrieden waren. „Unser Essensausschuss hat aber mit vielen Caterern gesprochen, sich deren Programme angeschaut und einige zum Probeessen eingeladen.“ Am Ende hat sich „Z-Catering“ durchgesetzt. Deren Essen schmeckte, war frisch und mit regionalen Zutaten zubereitet. 600 Portionen wird der neue Caterer nun täglich für die Charlottenburger Europaschule kochen. Insgesamt sind es 8000 Portionen, die Z-Catering pro Tag an rund 20 Schulen in Pankow, Reinickendorf und Charlottenburg ausliefern wird.

Die Geschäftsführer Karsten und Jörg Streeck sind froh darüber, dass sich ihr Kundenkreis erweitert hat. „Wir haben beide selbst kleine Kinder und wissen genau, worauf es ankommt“, sagt Karsten Streeck. Zur Philosophie seines Unternehmens gehöre, gesundes, leckeres Essen zu kochen. Die Zutaten kämen aus der Region, das Fleisch von einem Neubrandenburger Schlachter.

Auch Bryan, Karsten Streecks Sohn, wird nun das Essen der Firma seines Vaters testen können. Er besucht die Jeanne-Barez-Grundschule in Pankow, die jetzt ebenfalls von „Z-Catering“ beliefert wird. „Mein Sohn hat mich schon gefragt, ob es auch mal Fischstäbchen mit Kartoffelbrei und Gurkensalat geben wird, das isst er zu Hause am liebsten“, sagt Streeck. Er habe zugesagt. Den Kartoffelstampf machen seine Köche selbst, „aus regionalen Kartoffeln, mit etwas Butter, Milch und Muskatnuss.“ So schmeckt es Bryan zu Hause immer am besten.

Schulen können dem Caterer wieder kündigen

Während Z-Catering bei dem neuen Auswahlverfahren erfolgreich war, hat das Unternehmen „Drei Köche“ 20 von 70 Schulen verloren, die bislang seine Kunden waren. Statt 15.000 Portionen wird „Drei Köche“ jetzt täglich nur noch 11.000 ausliefern. Geschäftsführer Klaus Kühn sagt, dass sie drei ihrer 17 Köche und zwei Kraftfahrer entlassen mussten. Auch Personal von der Essensausgabe. Das werde aber von nächsten Caterer bestimmt übernommen.

„Wir waren zunächst traurig darüber, doch jetzt wollen wir unser Bestes geben und versuchen, einige Schulen wieder zurückzugewinnen.“ Kühn sagt, dass er bei den Ausschreibungen ehrlich gewesen sei. Mit den vorhandenen Mitteln seien weder 100 Prozent Bio noch Standzeiten von nur einer Stunde zu leisten. Wer das behaupte, der sei nicht ehrlich.

Die kommenden Wochen dürften für alle Caterer nicht einfach sein. Die Erwartungen von Schülern, Eltern und Lehrern sind groß, etliche müssen sich zudem an neuen Standorten zurecht finden. Sollten die Essensausschüsse nicht zufrieden sein, können die Schulen ihrem Caterer wieder kündigen. Das ist frühestens in einem Jahr möglich. Danach beträgt die Kündigungsfrist ein halbes Jahr.

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