Eigener Stand

Berliner feiern auf Comicfestival in Angoulême Premiere

Das „Festival International de la Bande Dessinée“ ist das größte und älteste seiner Art in Europa. Zum ersten Mal waren Berliner Zeichner mit einem Stand in der Stadt der Comics vertreten.

Foto: Ulrich Schreiber

Es sind immer vier intensive Tage im französischen Städtchen Angoulême: 1600 Zeichner sind vor Ort und elf Ausstellungen zu sehen. Den rund 200.000 Besuchern werden unzählige Buchvorstellungen und Signierstunden geboten. Das dichte Programm ergänzt die Stände der 260 Aussteller in den riesigen, weißen Messezelten, in denen die Besucher Comics und Graphic Novels vom Stand weg erwerben können.

Unübersehbar sind die Spuren der Comics in der gesamten Stadt, die nur 41.000 Einwohner hat. Am Fluss Charente steht seit 1990 eines der wichtigsten Comicmuseen Europas. Zahlreiche Straßen sind nach den Meistern der „Neunten Kunst“ benannt: wie die Rue Hergé oder der Place Franquin nach den Schöpfern von „Tim und Struppi“ und „Gaston Lagaffe“. Ja, sogar die Straßenschilder Angoulêmes sind als Sprechblasen gestaltet.

Aus Berliner Sicht gab es in diesem Jahr eine Premiere: Zum ersten Mal in der 41-jährigen Geschichte des Festivals wurden Comics aus Berlin an einem eigenen Stand vorgestellt und verkauft. Neben international erfolgreichen Künstlern wie Atak oder Ulli Lust waren auch Paula Bulling, Tim Dinter, Aisha Franz, Sophia Martineck, Mawil, Felix Pestemer, Kai Pfeiffer sowie Susanne Buddenberg und Thomas Henseler mit Werken vertreten.

Sie alle leben und arbeiten in der deutschen Hauptstadt. Lust und Pfeiffer waren sogar eigens nach Angoulême gereist, um am Stand mitzuarbeiten, zusammen mit drei Vertretern der Deutschen Comicstiftung.

Schlange stehen für Jens Harder

Das Interesse der Standbesucher war groß: Eine Schülerin will ihr Deutsch mit Comics verbessern, eine Familie fährt demnächst nach Berlin, ein dritter Festivalgast hat gar noch nie deutsche Comics gelesen.

Dabei kennen französische Experten ihre deutschen Stars. Man denke an Ulli Lust. Ihr im Berliner „Avant-Verlag“ erschienenes Buch „Heute ist der letzte Tag vom Rest meines Lebens“ hat im Jahr 2011 in Angoulême den Prix Révélation des Comicfestivals erhalten. Der Preis gilt als Ritterschlag der Szene. Und für eine persönliche Widmung des in Berlin lebenden Jens Harder, dessen neuer Band „Beta“ soeben in Frankreich erschienen ist, standen die Fans sogar brav eine halbe Stunde lang Schlange.

Neue Stiftung will Comic in Deutschland fördern

Vorgestellt wurde am Berliner Stand auch das Comicmanifest und die Deutsche Comicstiftung e.V. Ziel des Vereins ist, den Comic in Deutschland langfristig zu fördern und ein Comicinstitut mit europäischer Ausrichtung zu gründen. Vorstandsmitglied Jens Meinrenken sagte zur Teilnahme in Angoulême: „Wir wollten die Vielfalt und Kreativität der Berliner Comicszene präsentieren. Die äußerst positiven Reaktionen und zahlreichen internationalen Kontakte freuen uns sehr.“

Ulrich Schreiber, Direktor des internationalen Literaturfestivals in Berlin, vermittelte die Teilnahme mit Unterstützung des Berliner Senats, er zieht ein positives Fazit: „Der Berliner Stand beim bedeutendsten Comicfestival der Welt war überfällig, die Sichtbarkeit der Comicszene Berlins konnte im internationalen Maßstab erheblich verbessert werden.“

In Frankreich sind Comic-Zeichner Popstars

In Angoulême werden Comic-Künstler wie Popstars von Kamerateams umworben, Tageszeitungen wie „Libération“ drucken sogar Comic-Sonderausgaben zum Festival. Das Ansehen der „Bandes dessinées“ (franz. für Comics) in Frankreich ist im Vergleich zum Stellenwert des Comics in Deutschland ungleich größer.

Umso wichtiger war daher die Präsentation deutscher Comics an einem separaten Stand. Comic-Stiftungs-Vorstand Stefan Neuhaus zeigt sich beeindruckt, wie groß das Interesse an Comics in Deutscher Sprache ist: „Der Berliner Initiative ist ein guter Aufschlag gelungen.“ Der nächste deutsche Comictermin führt übrigens nach Erlangen: Vom 19. bis 22. Juni findet dort der Internationale Comicsalon statt. Im Jahr 2012 kamen dorthin 25.000 Besucher.

Der Katalog „Comics aus Berlin“ zur gleichnamigen Ausstellung des Literaturfestivals 2013 von Mona Koch und Jens Meinrenken ist im Verlag Vorwerk 8 erschienen. Mehr Informationen unter folgenden Links:

Offizielle Website des Internationalen Comicfestival Angoulême

Internationales Literaturfestival Berlin

Comicsalon Erlangen

Der Autor, Axel Halling, ist Mitglied der Deutschen Comicstiftung e.V.