Gemeinschaftssinn

Wie Berliner Schüler helfen, ihre Toiletten sauber zu halten

In der Diskussion um verdreckte Schulen zeigt eine Reinickendorfer Grundschule, wie es auch gehen kann: Die Kinder reinigen selbst – und sind stolz auf die Sauberkeit an ihrer Einrichtung.

Foto: Massimo Rodari

Die Grundschule in den Rollbergen bietet ein ungewohntes Bild. In den Klassenräumen und auf den Fluren liegt Teppichboden, an den weißen Wänden hängen gerahmte Schülerarbeiten und auf den Toiletten strahlen die weißen Waschbecken. Dabei ist die Schule schon in den 70er-Jahren gemeinsam mit dem Neubaugebiet in Reinickendorf entstanden.

Die meisten Schüler kommen aus sozial schwachen Familien. Doch während es Schüler an vielen Berliner Schulen angesichts der unzumutbaren hygienischen Zustände vermeiden, überhaupt auf die Toilette zu gehen, sind die Kinder an der Reinickendorfer Schule sogar stolz auf die Sanitärräume.

Wie sauber es an einer Schule ist, hängt von vielen Beteiligten ab. Der Bezirk muss anfallende Sanierungsarbeiten zügig abarbeiten, die Reinigungsfirma darf nicht überfordert sein, der Hausmeister muss Mängel schnell melden, die Lehrer müssen die Kinder zur Verantwortung erziehen, und der Schulleiter darf sich nicht scheuen, für kleine Verbesserungen lange Anträge zu schreiben und Behördengänge in Kauf zu nehmen.

Gelder für Maßnahmen nicht abgerufen

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) verweist angesichts der Berichte über die drohende Schließung einer verdreckten Schule bis hin zu herausfallenden, maroden Fenstern auf die Zuständigkeit der Bezirke und der Schulleiter. Für kleine Verschönerungsmaßnahmen gab es im vergangenen Jahr erstmals 7000 Euro für jede Schule aus dem Schul- und Sportstätten-Sanierungsprogramm.

Jede Schule sollte selbst entscheiden, ob das Geld für einen neuen Anstrich im Foyer, für neue Waschbecken oder neue Vorhänge eingesetzt werden sollte. Viele Schulen machten davon Gebrauch, jedoch nicht alle. Von den 4,4 Millionen Euro, die im vergangenen Schuljahr zur Verfügung standen, wurden nur vier Millionen Euro abgerufen. Fast eine halbe Million ließen die Schulen liegen. Bezirksämter und Schulleiter stöhnten über den bürokratischen Aufwand für die Kleinstmaßnahmen. Um Zeit und Mühen zu sparen, schränkten viele Bezirke die Verwendungsmöglichkeiten erheblich ein.

Dennoch soll es das Budget für die Schulen auch in diesem Jahr geben. "In Absprache mit allen Beteiligten sollen Schulen wieder die Möglichkeit haben, eigenverantwortlich über die Verwendung von bis zu 7000 Euro entscheiden zu dürfen", sagt Scheeres. Bis 31. März müssen die Schulen dafür die Anträge beim bezirklichen Schulträger stellen.

Harald Liegel, Schulleiter der Grundschule in den Rollbergen, wird die 7000 Euro auch in diesem Jahr wieder beantragen. "Die Schulen brauchen mehr Eigenständigkeit, um schneller reagieren zu können", sagt er. Seine Schule habe Glück, in jedem Jahr werden Stück für Stück nötige Sanierungsarbeiten durch den Bezirk bewilligt.

Motto verinnerlicht: Schüler wollen helfen

Er wisse aber auch, dass es vielen Schulen anders geht. Doch das sei nicht der einzige Grund, warum es an dieser Grundschule so sauber ist. Die Wohlfühlatmosphäre gehöre zum Programm. Die Schule beteiligt sich am Projekt "gute gesunde Schule". "Dazu gehört für mich auch, dass sich Lehrer und Schüler wohlfühlen an ihrem Arbeitsplatz. Schließlich müssen sie hier eine Menge Zeit verbringen", sagt der Schulleiter.

Die Schüler scheinen das Motto verinnerlicht zu haben, und das sogar mit Freude. Wenn es nach dem Unterricht darum geht, die Tische abzuwischen, dann fliegen die Hände in der sechsten Klasse in die Höhe. Jeder hat Lust, mit der Sprühflasche die Seifenlösung auf die Pulte zu sprühen und diese dann mit einem Papiertuch blank zu putzen.

Auch der Tafeldienst macht seine Arbeit akribisch, mit dem Ehrgeiz, keine Kreidespuren zu hinterlassen. Der Müll wird fein säuberlich in drei Tonnen getrennt. Jede Woche übernimmt ein anderer Schüler das Müllamt und bringt die Tüten am Ende des Tages raus.

"Nicht alle lernen es zu Hause, solche Aufgaben für die Gemeinschaft zu übernehmen, deshalb ist es wichtig, dass sie es hier lernen", sagt Schulleiter Liegel. Für die Toiletten fühlten sich alle verantwortlich. "Anders geht das nicht. Einen Verantwortlichen zu bestimmen, wäre nicht ausreichend und auch zu viel verlangt", sagt der Schulleiter.

Schüler übernehmen Arbeit

Die zwölfjährige Jenny spült ihre Pinsel über dem Waschbecken der Mädchentoilette aus. Farbreste wischt sie sorgfältig vom Waschbecken ab, auch Wasserspritzer auf dem Spiegel putzt sie weg. "Ich mache das gern. Selbst wenn ich die Flecken gar nicht selbst gemacht habe", sagt Jenny.

Vor vier Jahren wurden die Toiletten der Schule saniert. Die Wände sind blau-weiß gefliest, über den Waschbecken hängen breite Spiegel. Es gibt Seifenspender und Papierhandtücher. Die Schüler wünschen sich, dass es lange so bleibt.

Vandalismus gebe es ja meist dann, wenn die Umgebung ohnehin nicht so schön ist, sagt der Schulleiter. Dazu dürfe man es eben gar nicht erst kommen lassen. Unersetzlich sei der Hausmeister, der mit Argusaugen jeden Schandfleck aufspüre und sofort reagiere. Auch der engagierte Hausmeister sei ein Glück, das nicht jede Schule habe, weiß der Schulleiter. An der Grundschule in den Rollbergen komme eben alles zusammen, was eine saubere Schule brauche.

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