Winter

Blitzeis - Berliner sollen zu Hause bleiben

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Überfrierender Regen macht den Berlinern zu schaffen. Die Stadt rät: „Zu Hause bleiben.“ Die Feuerwehr zählt vier bis fünf Einsätze pro Minute. Zahlreiche Menschen sind mit Verletzungen in Kliniken.

Die Lage ab Montagmittag finden Sie hier im Liveticker

Der Liveticker für Mobilnutzer

Die Feuerwehr hat am Montagmorgen in Berlin den Ausnahmezustand ausgerufen. Wegen Blitzeises kommt es nach Angaben eines Sprechers zurzeit zu zahlreichen Unfällen. Autofahrer verlieren die Kontrolle über ihre Fahrzeuge. Fußgänger rutschen aus und stürzen.

Die Stadt Berlin gab mit deutlicher Verspätung über den offiziellen Katastrophen-Warndienst „Katwarn“ eine Mitteilung raus: „Stadt Berlin meldet: Warnung. Extremwetterlage, gültig ab sofort. Zu Hause bleiben.“ Der Deutsche Wetterdienst hat eine Wetterwarnung der Stufe 3 für Berlin herausgegeben und rät: „Vermeiden Sie Autofahrten! Bleiben Sie im Haus!“

Bei der Berliner Polizei wurden allein zwischen 7 und 8 Uhr 29 Unfälle verzeichnet, zwischen 8 und 9 Uhr waren es 133, zwischen 9 und 10 Uhr 157 und zwischen 10 und 11 Uhr sogar 295 Unfälle. Es gebe überwiegend Blechschäden, sagte ein Sprecher.

Die Feuerwehr spricht von einem Einsatzaufkommen „wie in der Silvesternacht“. Sie hat Stand 12 Uhr mehr als 1000 Einsätze gefahren. Dabei handelte es sich nach Angaben einer Sprecherin allerdings meistens um Unfälle, in die keine Autos involviert waren, also um gestürzte Fußgänger oder Fahrradfahrer.

Zusätzliche Kräfte von Freiwilligen Feuerwehren seien alarmiert worden, derzeit würden Kollegen auch mit Löschfahrzeugen zur Notversorgung Verletzter eilen. Auch die Polizei brachte Verletzte mit ihren Einsatzwagen an die Krankenhäuser, weil die Feuerwehr keine Fahrzeuge mehr zur Verfügung hatte.

„Die Menschen müssen länger warten als sonst, das will ich nicht schön reden, aber die Feuerwehr gibt ihr Bestes“, sagte die Sprecherin. Auch Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz wollen nun zusätzliche Rettungswagen in den Einsatz schicken, um die Feuerwehr während des Ausnahmezustands zu unterstützen. An einem durchschnittlichen Tag fährt die Feuerwehr 1100 Einsätze.

Viele Patienten mit Kopfverletzungen in Krankenhäusern

Die Rettungsstelle der Charité registrierte eine starke Häufung der Zahl von eingelieferten Personen. Die meisten hatten laut einer Sprecherin Knochenbrüche, es seien aber auch einige Personen mit Schädel-Hirn-Traumata eingeliefert worden. Zahlen sollen gegen Mittag bekannt gegeben werden.

Das Unfallkrankenhaus Berlin verzeichnete um 11.30 Uhr 41 wetterbedingte Einlieferungen. „Das Haus ist voll“, sagte eine Sprecherin. „Die Verletzten haben sich die Hände gebrochen oder die Becken, es kommen Leute mit Kopf-Platz-Wunden und Prellungen hierher. Auch schwer verletzte Personen sind dabei.“

BVG-Verspätungen in mehreren Ortsteilen

Laut der Verkehrsinformationszentrale gab es auch zwei Unfälle auf der Stadtautobahn, so auf der A113 nahe der Anschlussstelle Adlershof. Ein Fahrstreifen stadtauswärts war zunächst gesperrt, es kam zum Stau.

In den Stadtteilen Falkenberg, Marzahn, Kaulsdorf und Biesdorf meldete die BVG auf den Buslinien in den frühen Morgenstunden rund 15 Minuten Verspätung. „Da uns das Wohl unserer Fahrgäste am Herzen liegt, stehen an allen Anzeigetafeln Hinweise, dass die Fahrgäste vorsichtig sein sollen“, sagte BVG-Sprecher Markus Falkner. Zusätzlich gibt es in den U-Bahnhöfen Durchsagen.

Gegen 10 Uhr verschärfte sich die Lage im Buslinienverkehr noch einmal im gesamten Stadtgebiet: Teilweise mussten die Fahrgäste bei den Bussen mit Verspätungen zwischen 20 und 40 Minuten rechnen, da Berufsverkehr und Glatteis für Chaos auf den Straßen sorgten.

Die Straßenbahnlinie 62 war zwischen Mahlsdorf Süd und S-Bahnhof Mahlsdorf unterbrochen, da sich ein Bus aufgrund des Glatteises festgefahren hatte, wie die BVG mitteilte.

Die U-Bahn-Verbindung zwischen Warschauer Straße und Kottbuser Tor ist unterbrochen. Der Strom ist ausgefallen, ob es einen Zusammenhang mit der Witterung gibt, ist laut BVG noch nicht klar. Wegen der glatten Straßen wird kein Schienenersatzverkehr eingerichtet, stattdessen verweist die BVG auf die Buslinie 140 und die S-Bahn zur Umfahrung.

Außerdem bittet die BVG über Lautsprecher alle Fahrgäste der U1, wegen des Blitzeises auf Außenanlagen und Treppen, äußerst vorsichtig zu sein. Die S-Bahn warnte ebenfalls vor glatten Bahnsteigen, der Winterdienst sei unterwegs.

Auch auf der A11 gab es einen Unfall auf dem Reinickendorf-Zubringer Richtung Süden. Auch dort kam es zum Stau. Auf der Hermannstraße staute es sich im Umfeld der S-Bahn-Brücke Silbersteinstraße.

Auf der Buschkrugallee in Britz kam es zu einem schweren Unfall. Ersten Angaben der Feuerwehr zufolge rutschte dort ein Tanklaster mit Heizöl in zwei Autos. Ein Mensch wurde dabei schwer verletzt. Heizöl trat offenbar nicht aus.

Schuld ist Regen, der auf den kalten Straßen gefriert. Autofahrer sollten besonders vorsichtig fahren. Auch Fahrradfahrer und Fußgänger müssen besondere Vorsicht walten lassen.

Die BSR machte bereits während der gesamten Nacht zu Montag mit einem Bereitschaftsdienst Kontrollfahrten, seit fünf Uhr früh seien 480 Wagen und 2100 Mitarbeiter wegen gefrierender Nässe "massiv im Winterdiensteinsatz", teilte ein Sprecher mit. Zunächst war Blitzeis nur mit einer "kleinen Wahrscheinlichkeit in exponierten Lagen" angekündigt worden.

Das aktuelle Wetter für Berlin finden Sie hier. - Wetterwarnungen für die Region

Wetterdienst sieht keine Versäumnisse

Angesichts der Warnung der Katastrophenschutzbehörde stellt sich die Frage, ob nicht schon vorher dringlicher auf die bevorstehende Wetterlage hätte hingewiesen werden müssen. Der Deutsche Wetterdienst sieht jedoch keine Versäumnisse in den eigenen Reihen.

"Niemand kann ernsthaft überrascht worden sein, dass der Winter kommt", sagte Thomas Endrulat, Leiter der Regionalzentrale in Potsdam. Bereits seit einer Woche werde auf die bevorstehende Kälte- und Wetterlage hingewiesen. "Neben den normalen Wetterberichten verfassen wir Warnlageberichte für die nächsten 24 Stunden. Aktuelle Warnungen werden in der Regel erst zwei Stunden vorher herausgegeben, weil zuvor unter anderem nicht absehbar ist, welche Gebiete genau betroffen sind." Zurzeit – Stand: 11 Uhr – sei besonders der Norden von Berlin sowie der Nordosten Brandenburgs von Glätte betroffen.

( ur/bk )