Friedrichshain

Verschmutzte Schule wendet Schließung mit dem Besen ab

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Florentine Anders

Foto: Massimo Rodari

Nach heftiger Kritik an verschmutzten Toiletten und dicken Staubschichten in den Räumen ist in der „Grundschule am Friedrichshain“ kräftig geputzt worden. Sie darf geöffnet bleiben - unter Auflagen.

Die Schule am Friedrichshain kann geöffnet bleiben, allerdings mit weiteren Auflagen. In der vergangenen Woche hatte das Gesundheitsamt wie berichtet die vorübergehende Schließung der Grundschule angedroht, wenn bis Montag keine Grundreinigung, vor allem der Toiletten, erfolgt sein sollte. Am Montag nun hatte ein Team vom Bezirksamt das Gebäude der Förderschule für Lernbehinderte und Autisten inspiziert. „Eine Schließung aus hygienischen Gründen ist abgewendet, allerdings hat das Gesundheitsamt immer noch Mängel festgestellt, die beseitigt werden müssen“, sagt die Schulleiterin Uta Johst-Schrader. Nach ihren Angaben hatte die Firma seit Sommer 2013 die Schule nur unzureichend geputzt, regelmäßig habe die Schule Mängellisten erstellt, ohne dass sich etwas gebessert habe.

Turnhalle ist noch verdreckt

Am vergangenen Wochenende hatte die Firma nach dem Ultimatum durch das Gesundheitsamt und der drohenden Kündigung des Vertrages einen Sondereinsatz gestartet. „Eine Gesundheitsgefahr gibt es nun nicht mehr, der Zustand ist wesentlich besser als vorher, aber es ist auch klar, dass wochenlang versäumte Leistungen so schnell nicht aufzuholen sind“, sagt die Schulleiterin. So sei die Reinigung der Turnhalle, die ebenfalls viel zu lange nicht geputzt worden sei, am Wochenende von der Reinigungsfirma noch gar nicht in Angriff genommen worden. Das Gesundheitsamt habe für die Halle noch einen Aufschub bis Dienstag gewährt. Darüber hinaus müssten in den kommenden Tagen noch weitere Mängel beseitigt werden.

Die Schulleiterin ist dennoch in Sorge. „Die Firma hat schon betont, dass der jetzige Zustand angesichts des Preises, der vertraglich geleistet wird, unmöglich zu halten sei“, sagt Uta Johst-Schrader. Dieses Problem liege im System begründet und müsse nun auf politischer Ebene gelöst werden.

Billigster Anbieter gewinnt bisher

Für die Ausschreibungen der Reinigung der Schulen sind die Schulämter der Bezirke verantwortlich. Einheitliche Ausschreibungskriterien gibt es nicht. Üblich ist jedoch, dass der billigste Anbieter den jeweiligen Auftrag gewinnt. Häufig werden dabei von Firmen offenbar Angebote zu Dumpingpreisen gemacht, die später gar nicht eingehalten werden können. Schulstadtrat Peter Beckers (SPD) will sich nun des Problems annehmen. „Ende Januar oder Anfang Februar wird es ein Gespräch geben mit Vertretern der Vergabestelle, Elternvertretern und der Gebäudereiniger-Innung“, sagt Sprecher Sascha Langenbach. Geklärt werden soll der Bedarf vor Ort – und wie die Ausschreibungskriterien so geändert werden können, dass sie auch gerichtsfest sind.

Damit könnte der Stadtrat einen Prozess ins Rollen bringen, der auch für die anderen Bezirke Änderungen mit sich bringt. Schon beim Schulessen war der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg Anstoß für die Neuausschreibung die kürzlich in allen Bezirken statt gefunden hat. Die Caterer hatten die turnusmäßige Ausschreibungen in Friedrichshain-Kreuzberg für das Schulessen boykottiert. Für den geforderten Preis sei kein Essen in der gewünschten Qualität mehr zu liefern, hieß es von den Caterern. Die Verwaltung war zum Handeln gezwungen.

Innung will neue Vergabepraxis

„Es muss sich etwas ändern“, sagt nun auch Olaf Bande, Obermeister der Innung der Gebäudereiniger. Das Problem sei in der Branche schon länger bekannt und schon mit der Senatsverwaltung diskutiert worden. Der Zustand der Schulen könne so nicht hingenommen werden. Die Vergabe müsse überarbeitet werden. In die Ausschreibungen sollten neben der Wirtschaftlichkeit weitere Bewertungskriterien einfließen. Gut wäre es auch aus Sicht der Innung, wenn die Bezirke die Ausschreibungen vereinheitlichen würden, wo wie es jetzt beim Schulessen geschehen sei. Zudem sei es wichtig, dass es eine Kontrolle gebe, ob die kalkulierten Stunden vor Ort auch tatsächlich eingehalten werden, sagt Bande.

Schulgebäude seien generell lukrativ für mittelständische Reinigungsfirmen, schon allein wegen der Größe. Allerdings seien gerade Schulen auch schwierig zu reinigen, schließlich handelt es sich nicht nur um viele, sondern auch um junge Nutzer. Die Senatsverwaltung verweist grundsätzlich auf die Zuständigkeit der Bezirke für die Sauberkeit an Schulen. Allerdings führe die Schulaufsicht mit dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg in dieser Woche Gespräche.

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