Sanierung

Berliner Landwehrkanal bekommt Kiesbänke und Kanupass

Der Ablauf der Sanierungsarbeiten des Landwehrkanals ist auf den Meter genau festgelegt. Bürgerinitiativen, Behörden und Umweltverbände haben sich in einem jahrelangen Diskussionsprozess geeinigt.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Fische bekommen bessere Lebensbedingungen. Für kleine Krebse entstehen Behausungen. Kanuten werden ihr Boot bequemer zu Wasser lassen können. Ausflugsdampfer fahren weiterhin. Und wer einfach nur am Ufer sitzen und sich sonnen will, wird das im Schatten der Bäume tun können. Ohne Angst, dass die Kaimauer abrutscht. Die Sanierung des Berliner Landwehrkanals soll allen Nutzern etwas bringen.

Welche Arbeiten an der mehr als 100 Jahre alten Wasserstraße und ihren maroden Ufermauern zu erledigen sind, wurde metergenau festgelegt worden – sie ist fast elftausend Meter, also elf Kilometer lang. Bürgerinitiativen, Behörden und Umweltverbände haben sich in einem jahrelangen Diskussionsprozess darauf geeinigt, wie jeder Abschnitt saniert werden soll. Einzelheiten stehen im Planwerk Sanierungslösung Landwehrkanal, zu finden auf der Internetseite des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin (www.wsa-b.de). Jetzt wird dieses Planwerk in die Realität umgesetzt.

Stabilisiert wird die Uferwand vor allem auf zwei Arten. Zum einen durch Spundwände aus Stahl, die vorgesetzt werden, und deren Oberkante 40 Zentimeter unter der Wasseroberfläche endet. Zum anderen dadurch, dass man Steine vor der alten, defekten Mauer aufschüttet: Granit, Schlacke, Granulat. Sie haben unterschiedliche Größe. In der Ufermauer gibt es außerdem eine flache Schicht aus Ziegeln.

Deren Risse sollen Injektionen mit wasserunlöslichem Zement kitten. An einigen Stellen werden zur Stabilisierung neue Holzpfähle unter Wasser gesetzt. An der Großbeerenbrücke ist ein Betonfundament unter Wasser vorgesehen, außerdem eine Spundwand, hinter der sich danach eine Flachwasserzone erstreckt.

Fischtreppe soll Tieren ungehinderte Wanderung ermöglichen

Im Bereich der Oberschleuse in Kreuzberg und der Unterschleuse in Charlottenburg soll jeweils eine Fischtreppe angelegt werden, die den Tieren eine ungehinderte Wanderung ermöglicht – jenseits der Schleusenkammern. Dieser Wasserweg für Fische wird gesondert neben dem Kanal geführt und wird auch Platz für Sportboote bieten, die dann getrennt von den großen Schiffen die Schleusen passieren können. Kanupass heißt dieses Vorhaben.

Vorgesehen sind auch so genannte Multifunktionsanleger: An den großen Stegen der Ausflugsdampfer könnten auch kleine Boote anlegen. Auch Haltestellen für Wassertaxis soll es geben. Dort, wo es jetzt schon Ufertreppen am Kanal gibt, soll ein Einstieg für Kanus geschaffen werden. „Oft werden diese Treppen schon dafür genutzt. Jetzt soll es eine legale Möglichkeit geben, und einen Weg, um das Kanu bis zum Ufer zu tragen“, sagt Evelyn Bodenmeier, Sprecherin des WSA Berlin. Festgelegt ist auch, dass die großen Ausflugsschiffe nur noch von Ost nach West durch den Kanal fahren dürfen.

Kanal könnte zwischenzeitlich gesperrt werden

Rund 67 Millionen Euro sind für die Sanierung des Landwehrkanals vorgesehen. Erster Schritt ist die so genannte Ausführungsplanung. Sie legt fest, wie die gemeinsamen Vorschläge der Anwohner, Umweltverbände und Behörden im Einzelnen ausgeführt werden. „Diese Ausführungsplanung beginnt jetzt", sagt Michael Scholz, Leiter des WSA Berlin. Das Wasserstraßenneubauamt (WNA) sei damit beauftragt. „Wir haben eine Termin avisiert. Am 31. März stellen wir das öffentlich vor, was in dieser Planung bis dahin schon feststeht.“

Auch über Zeitschienen der Sanierung werde Ende März geredet. „Wir rechnen damit, dass wir mehr als zehn Jahre daran arbeiten. Stück für Stück. In 100-Meter-Abschnitten.“ Es sei zu klären, wie die Arbeiten während des Schiffsverkehrs ausgeführt werden können, ob der Kanal zwischenzeitlich komplett zu sperren sei. „Das wissen wir noch nicht im Detail.“ Zwei Mal im Jahr werde künftig das WNA über die Fortschritte informieren.

Außerdem könne sich jeder Interessierte über die geplanten Arbeiten am Landwehrkanal im gläsernen Büro informieren: im Foyer des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin am Mehringdamm 129, so Scholz.

Einmischung weiterhin möglich

Interessierte werden sich nicht nur informieren, sondern auch nachfragen und einmischen können. Dazu soll es eine „zentrale Anlaufstelle für Öffentlichkeitsbeteiligung“ geben. Ein Amtsmitarbeiter wird sich ausschließlich darum kümmern. „Es ist ein enormer Erfolg, dass es eine solche Stelle für Bürgerbeteiligung gibt“, sagt Achim Appel, Vorsitzender des Vereins „Bäume am Landwehrkanal“.

Ein weiterer Erfolg seien ökologische Maßnahmen wie etwa Kiesbänke an der Einmündung des Landwehrkanals. Dort könnten sich auch kleine Lebewesen wie zum Beispiel der Flohkrebs ansiedeln. Dann, meint Appel, werde sich auch eine größere Vielfalt an Fischen im Kanal entwickeln. „Jetzt sind es hauptsächlich Plötzen.“ Von den Fischen wiederum würden sich die Reiher ernähren, die immer wieder zum Kanal fliegen.

Spundwände enden unter Wasser

Ein ökologisches Highlight seien die geplanten Flachwasserzonen, mit Schilf und Teichbinsen. „Das sind Rückzugsbereiche für Fische.“ So etwas sei zum Beispiel am einstigen Studentenbad in Kreuzberg geplant, gegenüber der Einmündung des Neuköllner Schifffahrtskanals, und im Urbanhafen. Es gebe außerdem die Idee künstlicher Inseln im Urbanhafen, auf denen sich Wasservögel niederlassen könnten, sagt Achim Appel.

Allein 13,5 Prozent der Gesamtinvestition für die Sanierung des Landwehrkanals seien für ökologische Projekte vorgesehen – darunter die Fischtreppen an den Schleusen. Die meisten Spundwände enden unter Wasser, nur etwa fünf Prozent sollen herausragen. Die Fläche dahinter werde auch „ein strömungsberuhigter Bereich“, sagt Appel. Dort könne Schilf wachsen. Vorteilhafter als Spundwände sind die Steinaufschüttungen: nicht nur für die Umwelt sondern auch für die Anwohner. „Es macht weniger Lärm, Steine aufzuschütten als Stahlspundwände zu setzen“, sagt Appel.