Schmiedekunst

Gerichtsvollzieher soll Skulpturen von Fritz Kühn räumen

Auf einem Gelände in Berlin-Bohnsdorf sollte ein Museum für den Kunstschmied Fritz Kühn entstehen. Doch der Eigentümer will seine Baufläche zurück. Nun droht eine Verschrottung der Skulpturen.

Foto: Fritz Kühn Museum

Die Idee eines Berliner Museums für den deutschen Kunstschmied und Metallgestalter Fritz Kühn (1910–1967) droht zu scheitern. Ein Gerichtsvollzieher wird Ende Januar oder Anfang Februar 2014 das Gelände räumen, auf dem die Familie die großen Plastiken des Künstlers aufbewahrt. Es liegt im Bezirk Treptow-Köpenick, im Ortsteil Bohnsdorf, neben der alten Werkstatt, in der Achim Kühn, der Sohn des Kunstschmieds, arbeitet.

Dort sollte das Museum mit einer Ausstellungshalle und einem Skulpturengarten entstehen. Helgard Kühn, Schwiegertochter von Fritz Kühn, engagiert sich seit Jahren dafür. Sie will erreichen, dass der Räumungsbeschluss ausgesetzt wird, und hofft auch auf Hilfe von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).

Der Gerichtsvollzieher ist Ende Dezember 2013 von der Berliner Bau- und Wohnungsgenossenschaft von 1892 e.G. beauftragt worden. Deren Vorstand, Thorsten Schmitt, sagte auf Anfrage der Berliner Morgenpost: „Wir haben der Familie ein notarielles Kaufangebot für das Grundstück unterbreitet.“ Die Frist, das Angebot anzunehmen, sei mehrmals verlängert worden.

Familie kann Skulpturen nirgendwo anders unterbringen

Es habe schließlich im September 2013 einen gerichtlichen Vergleich gegeben. Vereinbart worden sei, dass Familie Kühn das Grundstück bis zum 15. Dezember räumt und an die Genossenschaft zurück gibt. Weil nichts passiert sei, habe man am 23. Dezember den Gerichtsvollzieher beauftragt, so Thorsten Schmitt.

Der Kaufpreis für das fast 6000 Quadratmeter große, unbebaute Grundstück beträgt nach Auskunft von Helgard Kühn 790.000 Euro. Die Fritz-Kühn-Gesellschaft habe sich vergeblich um Lotto-Mittel für das Museum bemüht, sagte sie. Zwei Anträge seien abgelehnt worden, obwohl sie unter Mitwirkung der Senatskulturverwaltung gestellt worden waren.

Skulpturen müssten verschrottet werden

„Das Land ist in der Pflicht, den Nachlass von Fritz Kühn zu bewahren, denn er gehört zum nationalen Kulturerbe.“ Die Familie könne die großen Skulpturen nirgendwo anders unterbringen. „Sie müssten verschrottet werden.“ Die Fritz-Kühn-Gesellschaft, die den Nachlass verwaltet, und die Erben sind bereit, die Hälfte der Kaufsumme für das Grundstück aufzubringen.

Für den Rest werde ein Spender gesucht, sagte Helgard Kühn. Von Fritz Kühn stammen das Kuppelkreuz der Sankt-Hedwigs-Kathedrale und der Brunnen am Strausberger Platz, außerdem das Portal mit 117 verschieden geformten Buchstaben „A“ an der Berliner Stadtbibliothek.

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