Berlin-Mitte

Obdachlose ziehen aus Eisfabrik in katholische Kirche

Zumindest für eine Nacht sind die Obdachlosen aus der Eisfabrik in Berlin-Mitte in einer Kirche untergekommen. Gelöst ist das Problem der Menschen in der Ruine damit jedoch nicht.

Foto: Steffen Pletl / ZGB

Ein Teil der Bewohner der ehemaligen Berliner Eisfabrik an der Köpenicker Straße in Mitte sind am Freitagabend in der nahen katholischen St-Michael-Kirche untergekommen.

Zwar war die Ruine, in der sich etwa 30 obdachlose Menschen aus Osteuropa eingerichtet haben, nicht wie erwartet geräumt worden. Dennoch war am Freitag eine Gruppe aus Unterstützern und Bewohnern zum Rathaus Mitte gezogen. Sie berichteten, nachts hätten Vermummte die Bewohner eingeschüchtert und Molotowcocktails geworfen.

Bis zum Abend waren zwölf der Menschen aus der Ruine an der Köpenicker Straße in der Kirche untergebracht. Insgesamt waren 18 Personen angekündigt, so Stefan Förner, Sprecher des Erzbistums Berlin. Er betonte, die Unterbringung sei nur für eine Nacht geplant und nicht als Kirchenasyl zu verstehen, wie es etwa Menschen gewährt werde, die von Abschiebung bedroht sind.

Bewohner lehnen Hilfe des Sozialamts ab

Die angebotene Hilfe des Sozialamts Mitte hatten die Bewohner zuvor abgelehnt. Mittes Sozialstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) hatte die Unterbringung in einer Notunterkunft oder die befristete Übernahme der Kosten für ein Hostel angeboten. Die Obdachlosen und ihre Unterstützer hätten aber eine reguläre Wohnung verlangt. Das sei sozialrechtlich nicht möglich, sagt von Dassel. Die Obdachlosen wollten die angebotenen Kostenübernahmescheine jedoch nicht in Anspruch nehmen. Vor allem, weil diese nur bis zum 6. Januar gegolten hätten. Außerdem sollten nur jene Obdachlosen einen Kostenübernahmeschein erhalten, die sich beim Sozialamt registrieren lassen. Einige weigerten sich aber, ihre Personalien anzugeben. Somit sei für die Behörde nicht geklärt, ob sie EU-Bürger mit Anspruch auf Hilfe seien.

Nachdem das Berliner Verwaltungsgericht dem Eigentümer Telamon GmbH per Urteil vom Montag auferlegt hatte, die denkmalgeschützte Immobilie gegen unbefugte Nutzer zu sichern, hatte der Eigentümer Schilder auf Deutsch und Bulgarisch anbringen lassen. Darauf wurden die Bewohner aufgefordert, das Gebäude bis zum 27. Dezember zu verlassen. Die Polizei teilte jedoch mit, die Fabrik werde nicht geräumt, da der Eigentümer bisher keinen entsprechenden Titel erwirkt habe.

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