Finanzierung

Berliner Politiker haben doch ein Herz für Wildtiere

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Andrea Huber

Foto: Amin Akhtar

Nach langem Tauziehen erhält die Kleintierklinik Düppel jährlich 100.000 Euro für die Versorgung kranker oder verletzter Wildtiere. Seit Jahren war darüber gestritten worden.

Mit starrem Blick mustert der Habicht die Journalisten, die sich in der Kleintierklinik Düppel die Krankenakte des Greifvogels erläutern lassen: Veterinärmedizinerin Kerstin Müller von der Freien Universität, die den Habicht energisch an den dünnen Beinen und am Schwanz festhält, zeigt auf ein Röntgenbild. Darauf ist der Bruch der Elle, die zum Unterarm gehört, deutlich zu erkennen. „Der Habicht ist vor sechs Wochen zu uns gekommen“, so Privatdozentin Müller. Sein Bruch ist dank einer Schiene gut verheilt, im Januar soll der Vogel wieder ausgewildert werden.

Der Habicht ist einer von mehr als 1200 verletzten Wildtieren jährlich, die in der Uniklinik landen. Nach langem Tauziehen ist die Finanzierung dieser medizinischen Versorgung gesichert. 100.000 Euro pro Jahr hat das Abgeordnetenhaus gerade für 2014 und 2015 bewilligt. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), der auch für den Tierschutz zuständig ist, und der CDU-Abgeordnete Alexander Herrmann sprachen am Freitag übereinstimmend von einem „wirklich schönen Weihnachtsgeschenk“.

Tatsächlich hatte es im Vorfeld Gezerre gegeben, wer die Kosten für die Versorgung der verletzten Wildtiere übernehmen soll, die regelmäßig von der Polizei, der Feuerwehr, vom Naturschutzbund Nabu oder von Berliner Bürgern in die Kleintierklinik gebracht werden. Lange hatte die FU-Einrichtung die Behandlungskosten von durchschnittlich 100 Euro pro Fall aus dem Etat für Forschung und Lehre abgezweigt, wie Leo Brunnberg erläuterte. Doch der Druck der FU sei immer mehr gewachsen, diese Querfinanzierung zu beenden, sagt der Professor für Veterinärmedizin. Auch die Summe von 100.000 Euro jährlich wird nicht ausreichen, die tatsächlichen Kosten zu decken. Doch es sei nicht vermittelbar, Tiere abzuweisen, so Brunnberg.

Ein Großteil der Wildtiere, die in Düppel behandelt werden, sind laut Kerstin Müller Vögel. Im Jahr 2012 kümmerten sich die Tierärzte dort beispielsweise um rund 100 Mauersegler, die sich bei Stürzen verletzt hatten. Daneben behandeln die Spezialisten der Klinik aber auch Eichhörnchen, Erdkröten oder Ringelnattern. Oder Schwäne: Bei der Pressekonferenz konnten die Journalisten auch einen jungen Schwan begutachten, der mit einer Oberarmfraktur in die Klinik gekommen war. Die Ärzte vermuten als Ursache eine Kollision mit einem Brückenpfeiler.

Der Schwan hatte Glück im Unglück und konnte dank der schnellen Reaktion besorgter Tierfreunde schnell in der Klinik operiert werden – wäre er später eingeliefert worden, hätte man ihn einschläfern müssen. So hat er gute Chancen, im Januar wieder in die Freiheit entlassen zu werden. Anders als der Habicht-Patient, der nach seiner Entlassung aus der Klinik erst einmal zur weiteren Beobachtung in die Obhut eines Wildtierpflegeprojektes übergeben wird. Aber: „Er fühlt sich fit und hat sehr gute Chancen“, sagt Tierärztin Müller.