Altglas

Senat schafft Altglas-Behälter in Wohnanlagen ab

Ab 2014 sollen Bewohner der Bezirke Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf ihr Altglas in öffentliche Container bringen. Grund dafür ist die schlechte Qualität des Berliner Altglases.

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Berlin schafft die Altglascontainer in den Wohnanlagen und Hinterhöfen von Wohnhäusern ab. In den Bezirken Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf werden sie bereits abgebaut. Ab dem kommenden Jahr sollen die Bewohner der drei Bezirke ihr Altglas in die öffentlichen Depotcontainer bringen.

Grund für die Abschaffung des sogenannten Berliner Modells bei der Altglassammlung ist laut dualem System die schlechte Qualität des Berliner Altglases. Während in fast allen Gemeinden Deutschlands nach Weiß-, Grün- und Braunglas unterschieden wird, gebe es in Berlin nur die Unterscheidung zwischen Weiß- und Buntglas.

Viel Müll landet in den Containern

Außerdem lande auch Müll, der nicht in die Glascontainer gehöre, in den Tonnen. Schon im kommenden Jahr wird die Sammlung auch in den Bezirken des Westens (Charlottenburg-Wilmersdorf, Steglitz-Zehlendorf und Spandau) ausgeschrieben, sodass auch da das Ende der Altglassammlung in den Höfen droht.

In den Bezirken und bei den Wohnungsbaugesellschaften wächst allerdings der Widerstand gegen den geplanten Abbau der Glascontainer. Täglich gehen bei den Wohnungsbaugesellschaften wie Degewo oder Stadt und Land Beschwerden ein. „Besonders ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen sind davon betroffen, wenn sie künftig mehrere Hundert Meter zum Sammelcontainer bewältigen müssen“, sagte Degewo-Sprecher Lutz Ackermann.

In den Wohnanlagen der Degewo landet nun das Altglas vermehrt im Restmüll oder am Straßenrand. „Das ärgert uns“, sagte Ackermann. Das „Berliner Modell“, bei dem das Altglas zusammen mit dem Hausmüll eingesammelt wird, besteht seit 1992 und hat sich nach Angaben der Wohnungsbaugesellschaften und Wohnungsunternehmen bewährt.

Verband der Wohnungsunternehmen kritisiert Umstellung

„Ich halte das Qualitätsargument für vorgeschoben, hier geht es eigentlich um eine Kostensenkung“, kritisiert der SPD-Umweltexperte, Daniel Buchholz. „Es ist ein Unding, die bewährte Berliner Glassammlung Knall auf Fall zu beenden.“ Er erwarte, dass das Duale System zusammen mit dem Senat entsprechende Änderungen für kommende Ausschreibungen vornehme.

Auch der Verband der Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen (BBU) kritisiert die Umstellung der Altglassammlung auf Großcontainer. „Das ist absolut erschreckend“, sagte BBU-Technikchef Siegfried Rehberg. „Das wurde über den Kopf der Vermieter hinweg entschieden, ausbaden müssen es die Mieter.“ Auch der BBU vermutet dahinter Einsparungen. Da der Glaspreis gefallen sei, versuche das Duale System, die sinkenden Einnahmen beim Altglas mit sinkenden Kosten beim Einsammeln aufzufangen. In diesen Wochen werden 7700 Glasbehälter von insgesamt 14.000 in den drei Bezirken Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf abgezogen.

Der Verband befürchtet, dass nach dem Vorbild der Südost-Bezirke im kommenden Jahr auch der Westen der Stadt und im Jahr darauf der Norden auf die Sammlung mit Großcontainern umgestellt werden sollen und damit laut Rehberg „die bisher gut funktionierende Restmüll- und Wertstofftrennung in Berlin massiv bedroht wird“. Im April 2014 startet die Ausschreibung der Altglassammlung für die drei Bezirke Steglitz-Zehlendorf, Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau.

Senat rudert nach heftiger Kritik zurück

Der Senat war offenbar auf die heftige Kritik nicht vorbereitet und rudert zurück. „Wir lassen das als Modellversuch bis 2015 laufen, dann wird es ein Gutachten geben“, sagte eine Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD). Außerdem werde über Möglichkeiten nachgedacht, die Großcontainer mit einem besseren Schallschutz zu versehen, damit Anwohner nicht durch das dauernde Glassammeln gestört würden.

Geplant ist, dass künftig kein Mieter weiter als 300 Meter zu einem entsprechenden Glascontainer laufen muss. Der Einfluss des Senats auf die Ausschreibung sei gering, so die Verwaltungssprecherin weiter. „Letztlich müssen wir das absegnen.“ Der BBU kritisiert zudem, dass der Senat nicht auf die Umstellung der Altglas-Sammlung hingewiesen habe und dass es keine Übergangsfrist gebe.

In Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf werden die Altglas-Container in den Wohnanlagen und Höfen von Wohnhäusern bereits abgebaut. Ab dem kommenden Jahr sollen die Bewohner der drei Bezirke ihr Altglas in die öffentlichen Depotcontainer bringen.