3-D-Druck

Franziska und ihr Mini-Ich aus dem Kreuzberger 3-D-Drucker

Unsere Reporterin hat sich selbst ausdrucken lassen - mit einem 3-D-Drucker in einem Kreuzberger Spezialgeschäft. Nun hält sie ihren eigenen Klon als Gipsfigur in der Hand. Ein seltsames Gefühl.

Foto: Reto Klar

Ich bin verblüfft – vor mir stehe ich, geschrumpft auf 17 Zentimeter. Zum ersten Mal kann ich mich sehen wie die anderen mich sehen: von allen Seiten. Und sogar von oben und unten. Wenn ich wollte, könnte ich mir auf den Kopf spucken. Mein zweites Ich ist eine kleine Gipsfigur.

Der Selbstversuch startete vor 25 Stunden. Bei „botspot“, dem neuen 3-D-Copyshop in Kreuzberg, habe ich ein 17 Zentimeter großes, dreidimensionales Abbild von mir in Auftrag gegeben. „Make it 3D“ ist das Motto dieses besondere Druckergeschäfts.

Bis zur Fertigstellung eines solchen Mini-Ichs sind viele Schritte nötig. Zuerst ist mein Körper in einem der größten 3-D-Scanner der Welt erfasst worden. Dann hat ein 3-D-Artist die Bilder bearbeitet. Danach ist die Figur für vier Stunden in den Druck gekommen.

Einen Tag nach dem Startschuss bin ich wieder bei „botspot“ in der Prinzenstraße. Dort sehe ich zum ersten Mal meinen Mini-Klon. Er kommt frisch aus dem Drucker. Mein kleines Ich liegt vor mir wie mein geschrumpftes Spiegelbild – ein Zehntel meiner Körpergröße hoch und ebenso breit. Unter einer Abzugshaube bepinselt Manfred Ostermeier, einer der beiden „botspot“ Gründer, meinen Klon mit flüssigem Sekundenkleber. Sofort sieht man wie die leuchtenden Farben meines gelben Blazers, den ich beim Fotoshooting trug, hervorstechen. „Ich muss die Figur jetzt alle 20 Sekunden wenden, damit keine Bläschen entstehen“, sagt Ostermeier.

Der Kleber trocknet in Sekunden und ich darf mein Miniaturebenbild endlich in der Hand halten. Sogar die Struktur meiner Haare und der Rüschenrand meines Oberteils sind nahezu exakt zu erkennen. Leider ist durch die detailgenaue Bearbeitung auch mein Bäuchlein nicht verschwunden, doch daran ist nicht der Drucker schuld. Behutsam packt der andere Chef des Copyshops, Thomas Strenger, die Figur nun in mehrere Schichten dickes Papier. Dann drückt er sie mir zum Mitnehmen in die Hand.

Wohin mit der Gipsfigur?

„Wie siehst du denn jetzt aus?“, fragen mich die Kollegen in der Lokalredaktion. Und jeder bestaunt die Ähnlichkeit meines Mini-Ichs mit mir. „Das erinnert mich an diese Voodoo-Puppen“, sagt eine Redakteurin. Hoffentlich hat das nichts zu bedeuten, denke ich etwas bange. Die wichtigste Frage lautet aber: Wer kriegt jetzt den Franziska-Klon? Freut sich meine Mutter wirklich über ein zweites Ich ihrer Tochter oder weiß mein Papa das vielleicht mehr zu schätzen? Ich könnte die kleine Statue auch einfach auf meinen eigenen Bettkasten stellen.

Eine andere Idee wäre, die Figur meinem Opa für die Modelleisenbahn zu geben oder es der Oma anzuvertrauen, als ein weiteres Objekt für ihre Glasvitrine. Meine beste Freundin käme natürlich auch als potenzielle Empfängerin in Frage, wenn sie schon nicht die Chance hat, mich jeden Tag persönlich zu sehen, könnte sie mich wenigstens im Mini-Format immer vor sich stehen haben. Immerhin ist sie wertvoll: Sie kostet mehr als 200 Euro.

Eins steht bereits fest: Heiligabend wird mein Mini-Ich unter dem Weihnachtsbaum stehen. Einer meiner Nächsten wird der Glückliche sein, dem ich es dann persönlich überreiche. Bis dahin bleibt mein Zwilling erst einmal auf dem Schreibtisch bei der Berliner Morgenpost stehen. Dort darf er mir bei der Arbeit zusehen.

Foto: - / Massimo Rodari/Reto Klar

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