3-D-Druck

In Kreuzberg kommt das Mini-Ich aus dem Drucker

In Berlin gibt es einen der größten Scanner der Welt. Ob Mensch, Tier oder Gegenstand - auf Knopfdruck lässt sich hier alles in 3-D kopieren. Unsere Reporterin hat den Selbstversuch gewagt.

Foto: Massimo Rodari/Reto Klar

Die Kopie von mir soll 17 Zentimeter groß sein, aber exakt genau so aussehen wie ich. Aus einem Plastik-Gips-Gemisch wird sie sein, aber nicht mit Händen geformt oder in eine Form gegossen, sondern gedruckt. Wie? Ja, richtig, mein Miniatur-Ich soll aus einem 3-D-Drucker kommen.

Von einigen skurrilen Erfindungen aus der Welt der dreidimensionalen Technik hat man schon gehört. Vom Bioprinting-Verfahren, das es möglich macht, Fleisch in 3-D zu drucken, und von der vollkommen funktionstüchtigen Metallpistole aus dem 3-D-Drucker, die in Amerika für viel Furore gesorgt hat. Das 3-D-Drucken wurde vor 30 Jahren erfunden und wird als revolutionäre Technik gehandelt.

In Kreuzberg hat am Mittwoch jetzt ein Copyshop eröffnet, der diese Technik anbietet. Hell und einladend ist die Atmosphäre in dem Druckergeschäft von Ingenieur Thomas Strenger und IT-Spezialist Manfred Ostermeier. So ganz anders als in den üblichen Copyshops. Ohne Dutzende von Papierstapeln und graue, laute Maschinenklötze, die eine Seite nach der anderen schwärzen.

Sich selbst aus einer anderen Perspektive sehen

Hier gibt es filigran arbeitende Drucker, schickes Fachpersonal und ausgestellte kleine bunte Figuren. Die Mini-Ichs von anderen. Mit blonden und dunklen Haaren, in Trainingsjacke und Kleid. So unterschiedlich wie die Originale. „Im Februar dieses Jahres haben wir angefangen, uns mit der Programmierung unseres Scanners zu befassen“, sagt Strenger. Er sollte so groß sein, dass auch Menschen reinpassen.

Beide Gründer haben vor der Ladengründung als Journalisten gearbeitet und sich mit 3-D-Animationen beschäftigt. Im Laufe der Zeit habe sich daraus dann ihre Faszination für die dreidimensionale Darstellung entwickelt.

Wer sich selbst schon immer mal aus einer anderen Perspektive als aus der typischen Pose vor dem Spiegel sehen wollte, ist hier richtig.

Auch das eigene Haustier, die selbst entworfene Smartphone-Hülle oder ein besonders schönes Architekturmodell kann man klonen lassen. „Wir haben sogar schon die WM-Trophäe in unserem Drucker gescannt“, sagt Thomas Strenger, einer der beiden Geschäftsführer von „botspot“. Fast 40 Zentimeter sei ihre gedruckte Variante hoch gewesen.

300 Fotos von allen Seiten

Menschliche Miniaturausgaben können entweder als Deko auf dem Hochzeitskuchen landen oder mit einer maximalen Größe von 45 Zentimetern das Regal schmücken. Sie sehen ihren Originalen sowohl von der Form als auch von der Farbe sehr ähnlich. Auch Reparaturen an den Statuen seien kein Problem, da sich das Material problemlos kleben lässt und nicht abbröckelt.

Als Weihnachtsgeschenk für die liebe Mama also perfekt für mich geeignet. Bevor der Drucker seiner Aufgabe nachgehen kann, komme ich erst einmal in den Scanner. Natürlich geht es hier nicht um einen Scanner, wie ihn jeder aus seinem eigenen Büro kennt, sondern um einen ganzen Raum. Zunächst muss der Raum ohne Inhalt, in dem Fall ohne mich, fotografiert werden, damit der Computer bei der Verarbeitung im nächsten Schritt den Hintergrund besser ausblenden kann.

Von 60 Kameras umrundet, werde ich nun zum Posen beauftragt und gescannt. Von allen Seiten werden insgesamt 300 Fotos von mir geschossen und die sind innerhalb von 0,001 Sekunden im Kasten. Wie im Raumschiff eines Science-Fiction-Klassikers komme ich mir vor. „Fast wie röntgen, oder?“, fragt mich Ostermeier. Zu beachten sei bei dem Prozess, dass man keine schwarzen Hosen oder Leggings trägt. Dunkle Farben reflektieren zu wenig Laserstrahlen, um einen einwandfreien Druck machen zu können.

Mindestens 220 Euro kostet die 3-D-Figur

Fünf Minuten später kann ich die Fotos von mir im Computer sehen. Diese werden jetzt in 3-D-Dateien umgewandelt, was bis zu drei Stunden dauern kann. Danach werden die Fotografien dann zum externen 3-D-Artist geschickt, der sich um die Details und die Bearbeitung der Bilder kümmert. Er ist auch für die Stabilität der fertigen Figur zuständig.

Dann kann schon gedruckt werden. Zwei bis vier Stunden, je nach Größe des Objekts, sind dafür nötig. Schicht für Schicht wächst die Figur im Drucker. Die Masse der dreidimensionalen Nachbildungen ist ein Plastik-Gips-Gemisch. Die zu Beginn eher pulverige Konsistenz wird im Laufe des Vorgangs erhitzt und nimmt dadurch eine feste Gestalt an.

Um mich nun wiederzuerkennen, muss meine Figur noch abgestaubt werden. Dabei wird das überschüssige Pulver entfernt, von dem sie nach dem Drucken umhüllt ist. „Als Feinschliff kommt eine Schicht Sekundenkleber auf das Teil“, sagt Ostermeier. Und fertig ist mein Mini-Ich. Leider ist die Technik 2013 noch nicht so weit, dass sie innerhalb eines Tages fertiggestellt werden kann. Also dauert es noch einen Tag, bis ich meine Gipsabbildung in den Händen halten kann. Und leider ist mein Mini-Ich auch nicht billig – mindestens 220 Euro fallen an.