Farbbeutelanschlag

Unbekannte werfen Farbbeutel auf Haus von Thilo Sarrazin

Von „rosa Markierung“ sprechen die Verfasser des Bekennerschreibens: Unbekannte haben einen Farbbeutelanschlag auf das Wohnhaus von Thilo Sarrazin verübt. Sie werfen ihm Homophobie und Rassismus vor.

Foto: ABIX

Unbekannte haben in der Nacht zum Sonntag einen Farbbeutelanschlag auf das Wohnhaus des früheren Finanzsenators und ehemaligen Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin verübt. Verletzt wurde niemand. Der umstrittene Buchautor bestätigte den Vorfall auf Anfrage der Berliner Morgenpost. „Wir haben Anzeige erstattet. Jetzt ermittelt der Staatsschutz“, sagte Sarrazin.

Nach Informationen dieser Zeitung hatte eine Streife des Zentralen Objektschutzes gegen zwei Uhr großflächige Farbstellen an der Hausfassade in Westend entdeckt. Den Angaben zufolge gehen die Ermittler zunächst davon aus, dass Farbeier oder Beutel verwendet worden sind. Hinweise zu den Tätern gibt es bislang nicht. Die Fassade ist großflächig mit rosa Farbe verschmiert.

Offenbar steht die Farbattacke im Zusammenhang mit der Teilnahme Sarrazins an einem Kongress des rechtspopulistischen Magazins „Compact“ in Leipzig. Bei dem Kongress wurden auch homophobe Thesen vertreten. Sarrazin wollte einen Zusammenhang mit der Attacke nicht kommentieren. „Das wäre Vermutungswissen“, sagte er.

Bekennerschreiben wirft Sarrazin Homophobie vor

Im Internet tauchte nach der Attacke am Sonntag jedoch ein Bekennerschreiben auf. Darin wird die „rosa Markierung“ von Sarrazins Haus mit seinen Aussagen im Zusammenhang mit dem Leipziger Kongress begründet. Die Verfasser werfen dem SPD-Politiker Homophobie, Rassismus und Sexismus vor.

In dem Magazin „Compact“ hatte Thilo Sarrazin kürzlich notiert, dass man „staatliche Familienpolitik und private Lebensführung“ unterscheiden müsse. „Die Schwulenehe gehört zu Letzterer. Schwul-lesbische Lebenspartnerschaften sind vom Gesetzgeber ausdrücklich als ebenso legitim zugelassen wie die klassische Ehe.“

Es sei allerdings fraglich, ob man dafür auch den Begriff Ehe verwenden sollte, der traditionell der Lebensgemeinschaft zwischen Mann und Frau vorbehalten sei. „Das ist ungefähr so, als würde man ein Faultier als Löwe bezeichnen“, so Sarrazin.

Der Vorsitzende der SPD in Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, hatte Sarazzin wegen seiner Teilnahme an dem Kongress bereits im Vorfeld zum Austritt aus der SPD aufgefordert.

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