Großrazzia

Zoll und Polizei zerschlagen Bande von Zigarettenhändlern

In den Morgenstunden hat es in Berlin eine Großrazzia gegen Zigarettenhändler gegeben. Polizei und Zoll waren der Gruppe seit Juni 2013 auf der Spur. Die Ermittlungsgruppe heißt „Stubenhocker“.

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Zoll und Berliner Polizei sind am Donnerstagmorgen mit einer Razzia gegen illegale Zigarettenhändler vorgegangen. Im Einsatz waren ab 4.30 Uhr rund 200 Beamte.

Einer größeren Gruppe von Vietnamesen wird von der Berliner Staatsanwaltschaft vorgeworfen, gewerbs- und bandenmäßig mit unverzollten Zigaretten zu handeln. Sie sollen in den vergangenen Monaten sechs Millionen Zigaretten illegal verkauft haben. Die hinterzogenen Steuern betragen nach Zollangaben rund 1,52 Millionen Euro.

Es lagen 16 Durchsuchungsbeschlüsse vor. Überprüft wurden Objekte in Britz, Köpenick, Marzahn und Schöneweide. In Britz wurde in einer Garage ein Lager mit rund 720.000 unverzollten Zigaretten entdeckt. Auch in Marzahn wurden die Fahnder fündig. Dort entdeckten sie in einer Garage an der Bitterfelder Straße noch einmal 880.000 Zigaretten.

Zehn Haftbefehle sind erlassen und vollstreckt worden, der letzte gegen Mittag gegen einen 61 Jahre alten Taxifahrer. Unter den Festgenommen sollen nach Informationen der Berliner Morgenpost auch zwei 23 und 29 Jahre alte Männer sein, die als Kopf der Bande gelten.

Illegaler Zigarettenmarkt in Berlin fest aufgeteilt

Einen Schwerpunkt der Aktion bildete eine Wohnung an der Edisonstraße in Oberschöneweide. Dort nahm die Polizei zwei Männer und eine Frau fest. Auch ein Spürhund kam zum Einsatz, der allerdings vergeblich versuchte, Bargeld zu finden.

Polizei und Zoll waren der Gruppe seit Juni 2013 auf der Spur. Die Fahnder bildeten die Ermittlungsgruppe „Stubenhocker“, weil die illegalen Händler von zu Hause aus per Telefon agiert hätten, so der Zoll. Die Zigaretten stammten nach ersten Angaben überwiegend aus Osteuropa und wurden illegal eingeführt.

Der Zollsprecher sagte, der illegale Zigarettenmarkt in Berlin sei fest aufgeteilt. Blutige Verteilungskämpfe mit Hinrichtungen wie in den 90er-Jahren gebe es nicht mehr. Damals agierten drei bis vier organisierte Banden. Wie viele es heute sind, „wissen wir nicht“, sagte der Sprecher. „Das ist alles äußerst abgeschottet.“

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