Sonderausstellung

Topographie des Terrors erinnert an Novemberpogrome

Vor 75 Jahren brannten in Berlin Synagogen, Wohnungen und Tausende Geschäfte. Die Stiftung Topographie des Terrors zeigt in einer Ausstellungserweiterung nun wenig bekanntes Bildmaterial.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Vor 75 Jahren gingen in Deutschland unzählige Synagogen und jüdische Betsäle in Flammen auf, angesteckt von nationalsozialistischen Brandstiftern. Zusammen mit der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und der Neuen Synagoge Berlin zeigt die Stiftung Topographie des Terrors aus diesem Anlass die Sonderausstellung: „Es brennt! 75 Jahre nach den Novemberpogromen 1938“.

In den Räumen des Dokumentationszentrum an der Niederkirchnerstraße 8 wird auch wenig bekanntes Bildmaterial gezeigt, das die gleichnamige Schau aus dem Jahr 2008 ergänzt. Neben neun großformatigen Stelen, die den Terror und die Reaktion der Betroffenen beleuchten, gibt es jetzt eine vierzehn Meter lange Bilderwand. Sie zeigt die Gotteshäuser vor und nach der Beschädigung oder Zerstörung und macht auch den Umgang mit ihnen während der Nachkriegszeit deutlich.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, der die Ausstellung zusammen mit dem Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, Andreas Nachama, und dem früheren Bundesminister Theo Waigel eröffnete, würdigte die Ausstellung. „Die Novemberpogromme von 1938 sind brutaler Ausdruck des menschenfeindlichen Antisemitismus der Nationalsozialisten, und es ist wichtig, diese Geschehnisse insbesondere jungen Menschen vor Augen zu führen“, erklärte er.

Synagogen, Wohnungen und Tausende Geschäfte brannten in Berlin

Auch die Zeitzeugin Nechama Drober, die die Reichspogromnacht als Kind in Königsberg erlebte und bei der Eröffnung das Schlusswort sprach, sagte: „Es ist wichtig, dass die jungen Leute mal sehen, dass ein leichtes Leben wie heute nicht selbstverständlich ist.“

Im Mittelpunkt der Ausstellungserweiterung stehen die Novemberereignisse in Berlin, die wie viele Aspekte der nationalsozialistischen Herrschaft erst in jüngster Zeit vertieft erforscht worden sind.

Am Abend des 9. November 1938 löste Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in Abstimmung mit Adolf Hitler von München aus die Terrorwelle aus. Goebbels erteilte dem Berliner Gaupropagandaleiter Werner Wächter den Befehl, insbesondere das jüdische Gotteshaus an der Fasanenstraße „zerschlagen zu lassen“. In den folgenden zwei Tagen zerstörten SA, SS und Hitlerjugend in Berlin ein Dutzend Synagogen, zahlreiche Wohnungen und mehrere tausend Geschäfte.

Informationen zu Ausstellung und Veranstaltungsprogramm

Die Sonderausstellung ist bis 2. März 2014 täglich von 10 bis 20 Uhr zu sehen. Sie wird begleitet von einem vierteiligen Veranstaltungsprogramm.

19. November, 19 Uhr: Pogrom und Gedächtnis – Vortrag von Harald Schmidt, Niederkirchnerstraße 8.

28. November, 19.30 Uhr: „Auch wir Kinder wurden in der Straßenbahn bespuckt...“ – Zeitzeugengespräch mit Marianne Jost, Oranienburger Straße 28-30.

12. Dezember, 18 Uhr: „Eine unglaubliche Reise. Von Ostpreußen nach New York“ – Zeitzeugengespräch mit Jerry Lindenstraus, Oranienburger Straße 28-30.

18. Februar 2014, 19 Uhr: Der Novemberpogrom 1938 und die Berliner – Vortrag von Wolf Gruner, Niederkirchnerstraße 8.