Ablösung

Berliner Siemens-Chef Ischler geht zum Jahresende

Burkhard Ischler, Chef der Siemens AG in Berlin, verlässt zum Jahresende das Unternehmen. Er war seit 1997 für Siemens tätig. Über die genauen Gründe seines Ausscheidens berichtete der Konzern nicht.

Foto: Christian Kielmann

Jetzt ist es offiziell: Burkhard Ischler, Chef der Siemens AG in Berlin, verlässt zum Jahresende das Unternehmen. Über die genauen Gründe berichtete der Konzern nicht. „Ich möchte unterstreichen, dass Herr Ischler für Siemens in hervorragender Weise gearbeitet hat, und wir sein Ausscheiden sehr bedauern“, sagte Stephan Heimbach, Chef der Unternehmenskommunikation und eine Art oberster Lobbyist des Konzerns. Ischler vertrat Siemens in Berlin seit 2008, im Unternehmen war er seit 1997.

Was der 51-Jährige vom kommenden Jahr an macht, ist noch unklar. Es hieß, er bleibe auf jeden Fall in der Hauptstadt. Auch zu einem Nachfolger wollte sich der Konzern nicht äußern. Zunächst nur so viel: Das Berliner Büro, das auch den Kontakt zur großen Politik hält, arbeite mit seinem Personal ja weiter. Beobachter des Konzerns schätzen, dass Stefan Moschko künftig eine größere Rolle spielen wird. Moschko ist derzeit Leiter Personal in Deutschland und pendelt zwischen Berlin und der Zentrale in München.

Lobbytätigkeit wurde Ischler Anfang des Jahres entzogen

Erste Gerüchte über eine Ablösung Ischlers gab es im Dezember 2012. Die Lobbyarbeit hätte besser sein können, hieß es damals. Mancher vermisste auch ein vehementeres Eintreten für den Standort Berlin beim Vorstand in München. Während seiner Amtszeit hat der Konzern allerdings einiges in Berlin und der Region investiert. So bekommt das Werk für Hochspannungsschalter einen Neubau.

Und in Ludwigsfelde legte der Konzern gerade den Grundstein für ein modernes Brennertestzentrum für Gasturbinen – alles Millioneninvestitionen. Die Zuständigkeit für die Lobbytätigkeit in Richtung Bundesregierung, eine von Ischlers Hauptaufgaben, hatte ihm Siemens Anfang des Jahres aber entzogen.

Aus dem Konzern heißt es, Ischler sei eine andere Stelle im Unternehmen angeboten worden. Die war aber offenbar nicht so attraktiv, dass Ischler zugriff. Der Konzern befindet sich gerade wieder einmal im Umbruch. Der neue Chef Joe Kaeser, der im Juli sein Amt antrat, hat dem Konzern mehr Effizienz verordnet.

Kaeser will 5000 Stellen in Deutschland streichen

Zum einen will er 15.000 der 317.000 Stellen weltweit streichen, 5000 davon in Deutschland. Zudem wird intern umstrukturiert. Die Zuschnitte bestimmter Aufgaben, vor allem in den oberen Konzernetagen, ändern sich.

Der Manager habe sich in diesem Umfeld bewusst für eine Zäsur nach 16 Jahren im Konzern entschieden, hieß es aus seinem Umfeld. Er habe etwas Neues in Angriff nehmen wollen. Ein Umzug kam da nicht infrage.

Nach fünf Jahren in der Hauptstadt sei Berlin der Lebensmittelpunkt der Familie, deshalb bleibe Ischler auch nach seiner Entscheidung in der Stadt.

IG Metall vermisste etwas Leidenschaft

Auch andere Funktionen wird Ischler abgeben. Weil Siemens mit rund 12.000 Beschäftigten der größte Industriearbeitgeber der Region ist, übernimmt der jeweilige Standortchef in Berlin auch meist den Präsidentenposten der Unternehmerverbände Berlin-Brandenburg sowie den Vorsitz des Verbands der Metall- und Elektroindustrie in Berlin und Brandenburg. Nachfolger sind offiziell noch nicht benannt.

Die Bilanz der IG Metall übrigens ist zwiespältig: Die Zusammenarbeit mit Ischler sei sachlich gewesen und korrekt, heißt es. Mancher vermisste aber etwas Leidenschaft.

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