Finanzen

Berliner Bäder-Betriebe fahren noch größeres Defizit ein

Das Land muss 43,4 Millionen Euro Defizit der Berliner Bäder-Betriebe für das Jahr 2012 ausgleichen - und es drohen weitere Einnahmeausfälle. Um das Defizit zu senken hat der neue Bäder-Chef eine Reihe von Neuerungen angekündigt.

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Der Verlust der Berliner Bäder-Betriebe fällt möglicherweise größer aus als bislang bekannt. Nach Angaben des Sportsenators Frank Henkel (CDU) betrug das Defizit im vergangenen Jahr 43,4 Millionen Euro, den das Land durch einen entsprechenden Zuschuss ausgleicht. Doch mit dieser Summe werden die Bäder-Betriebe in diesem Jahr nicht auskommen.

Nach bisherigem Berechnungsstand fehlen im laufenden Betrieb bereits jetzt weitere 700.000 Euro – und der Fehlbetrag könnte sogar noch weiter wachsen. Denn es drohen weitere Einnahmeausfälle, etwa durch unerwartete Schließungen von maroden Schwimmstätten. So ist zum Beispiel das neue Bad an der Krummen Straße in Charlottenburg derzeit wegen eines defekten Hauptwasserrohres geschlossen. Wann es wieder öffnet, ist derzeit noch unklar.

„Ich habe eine Stellungnahme darüber angefordert, sofort über Probleme und Schließungen von Bädern informiert zu werden“, sagte Sportstaatssekretär Andreas Statzkowsky (CDU). „Doch das ist bislang nicht geschehen.“ Die Bäder-Betriebe wollten sich am Donnerstag zu diesem Thema nicht äußern.

Die meisten Hallenbäder sind defizitär

Auch anderen Berliner Bädern droht wegen des hohen Sanierungsbedarfs die Schließung. Im Kombibad am Ankogelweg in Tempelhof funktioniert eine Trennwand nicht und auch andere Bereiche des Bades sind stark sanierungsbedürftig. „Hier muss bald eine Entscheidung zur Sanierung her,“, sagte Statzkowsky. Das Ankogelbad verzeichnet ein Defizit in Höhe von 1,5 Millionen Euro jährlich.

Dass die meisten Hallenbäder defizitär sind, ist nach Angaben der Sportverwaltung nicht das Problem. „Der Vorstand ist aber gehalten, das Defizit so gering wie möglich zu halten“, so Statzkowsky weiter. Der Zuschuss könne nicht beliebig erhöht werden. „Aber noch sehe ich das Problem nicht.“

Das Bad mit dem höchsten Defizit ist die Schwimmhalle an der Landsberger Allee in Prenzlauer Berg. Der ursprünglich als Sportstätte für die Olympischen Spiele 2000 gedachten Halle schießt das Land 3,3 Millionen Euro jährlich zu, was nach Angaben des Sportstaatssekretärs keine Überraschung ist: „Es handelt sich dabei um zwei Schwimmbäder, wobei eines für den Leistungssport reserviert ist“, sagte Statzkowsky.

Defizit in Hallenbädern höher als in Freibädern

Das Kombibad an der Seestraße in Wedding verzeichnet ein Defizit in Höhe von 1,8 Millionen Euro, die Sport- und Lehrschwimmhalle Schöneberg benötigt jährlich 1,4 Millionen Euro zusätzlich. Grundsätzlich fällt das Defizit in Hallenbädern nach Angaben der Sportverwaltung höher aus als bei Freibädern, weil in den Hallen ein höherer technischer Aufwand betrieben werden müsse.

Wie beim Defizit gibt es auch Unterschiede bei den Öffnungszeiten der einzelnen Bäder. Während die Schwimmhalle am Ernst-Thälmann-Park in Pankow 104 Stunden je Woche in Betrieb ist, hat die Schwimmhalle im Sportforum Hohenschönhausen nur 82 Stunden geöffnet. Die unterschiedlichen Öffnungszeiten führen auch zu unterschiedlichen Möglichkeiten, Einnahmen zu erzielen.

Bäderchef Ole Bested Hensing hat angekündigt, die Öffnungszeiten generell neu zu ordnen. Die Bäder stehen zu unterschiedlichen Anteilen der Öffentlichkeit, Schulen und Vereinen zur Verfügung. Angaben zur jeweiligen Nutzung gibt es nach Angaben der Sportverwaltung nicht, da die Schwimmbäder teilweise gleichzeitig von verschiedenen Gruppen genutzt werden.

Neue Tarife und Kurse für Badegäste

Bei der Tarifstruktur will sich der ehemalige Chef des Spaßbades Tropical Island bei Cottbus am Beispiel von Fluggesellschaften oder der Deutschen Bahn orientieren: Die Preise sollen künftig der Nachfrage angepasst werden. Vereinfacht gesagt, der Eintritt für Berlins 63 öffentliche Schwimmbäder soll teurer werden, wenn viele Menschen baden wollen.

Das soll der Kern einer Tarifstruktur sein, mit der Hensing das strukturelle Defizit der Anstalt öffentlichen Rechts senken will. 2,2 Millionen Euro zusätzlicher Erlös sind im Wirtschaftsplan für 2014 durch die neue Tarifstruktur vorgesehen, die wochentags die Besucherströme nach einem Basis- und einem Haupttarif besser verteilen soll.

Billiger werden könnte das Schwimmen für die Berliner zwischen 11 und 14 Uhr, wenn viele Bäder eben leer sind. Auch Stammkunden, die sich langfristig an die Bäderbetriebe binden, sollen günstiger wegkommen. Mehr bezahlen müssten hingegen Gelegenheitsbader, die in den Stoßzeiten nach Feierabend, in den späten Nachmittags- und frühen Abendstunden, schwimmen gehen.

Preise um bis zu 20 Prozent höher?

Laut Informationen des Rundfunksenders RBB könnten die Eintrittspreise im kommenden Jahr um bis zu 20 Prozent erhöht werden. Das gehe aus einem Konzept der Bäderbetriebe für das Abgeordnetenhaus hervor, teilte der RBB mit. Demnach sollen die Eintrittspreise von 4,50 Euro auf 5,50 Euro steigen. Die Berliner Bäderbetriebe waren am Donnerstagabend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach den Plänen soll das Schwimmen unter der Woche zwischen 10 und 15 Uhr nur noch 3,50 Euro kosten. Früh- und Spätschwimmer sollen demnach 3,50 Euro zahlen, wenn sie in den Randzeiten nur maximal 45 Minuten in „weniger attraktiven“ Bädern schwimmen gehen. Familien- und Sammelkarten sollen nicht mehr acht Euro, sondern dann 12,50 Euro kosten. Durch die höheren Preise sollen dem RBB zufolge jedes Jahr 2,2 Millionen Euro mehr in die Bäder-Kassen fließen. Der Aufsichtsrat wolle sich an diesem Freitag mit den Preisvorschlägen befassen. 2012 zählten die Bäderbetriebe 6,11 Millionen Gäste. Insgesamt befinden sich 58 Bäder im Besitz der Bäderbetriebe.

70 Millionen Euro Sanierungsbedarf für alle Bäder

Weitere 3,2 Millionen Euro zusätzlich sollen in die Kassen kommen, indem Hallen kürzer wegen Wartungsarbeiten geschlossen werden sowie für Warmbaden und Freizeitbaden Zuschüsse erhoben werden. Außerdem sollen zusätzliche Kurse für Senioren- oder Babyschwimmen, ein Weihnachtsmarkt im Strandbad Wannsee und die Einrichtung von Zeltplätzen in Freibädern die Erlöse steigern.

Dagegen hatte sich Hensing mit seinem Vorschlag, 14 veraltete und sanierungsbedürftige Schwimmbäder zu schließen und stattdessen fünf neue Kombi-Bäder zu bauen, beim Sportsenator unbeliebt gemacht. Unter anderem schlug Hensing vor, den ebenfalls defizitären Tierpark in Lichtenberg mit dem Neubau eines Spaßbades aufzuwerten. Das Berliner Abgeordnetenhaus erteilte den Plänen ohnehin eine Absage.

Der Sanierungsbedarf aller Bäder in der Hauptstadt liegt insgesamt bei rund 70 Millionen Euro. Derzeit werden die Schwimmhalle an der Thomas-Mann-Straße (Prenzlauer Berg), das Kombibad Spandau Süd, die Schwimmhalle an der Finckensteinallee (Lichterfelde) und das Kombibad Gropiusstadt in Neukölln saniert. Sie sind geschlossen.

2012 zählten die Bäderbetriebe 6,11 Millionen Gäste. Insgesamt befinden sich 58 Bäder im Besitz der Bäderbetriebe.