Dienstkleidung

Wenn BVG-Mitarbeiter bald wie Kapitäne aussehen

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Katrin Lange

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Die BVG hat ihre neue Dienstkleidung in Marineblau präsentiert. 1,33 Millionen Euro kostet das die Verkehrsbetriebe. Auch eine Modedesignerin hat die Kleidung unter die Lupe genommen.

Für einen Tag sind sie richtige Models. Die Frisur sitzt, das Lächeln auch. Sie zupfen an ihren Kragen, lassen den Hosenstoff flattern und machen auf kleine Details wie einen signalgelben Besatz auf dem Poloshirt aufmerksam. Bereitwillig geben sie Auskunft über den Tragekomfort, den Sommer- und den Winterlook, sie präsentieren Muster auf Tüchern und Krawatten und neue Basecaps.

In ihrem wahren Leben fährt Ina Prox Straßenbahn, Christian Kluth sitzt als Hauptsachbearbeiter im Büro und Alexandra Mareck ist bei der Betriebsaufsicht. Ihr gemeinsamer Arbeitgeber sind die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), für die sie am Mittwoch die neue Dienstkleidung präsentiert haben.

Ein eisiger Wind fegt an diesem Morgen über den Bahnsteig auf dem U-Bahnhof Bundestag. Nach einer ersten Begutachtung und unzähligen Posen für die Fotografen postiert sich Lothar Zweiniger vom Vorstand Personal und Verwaltung mit einem Mikrofon vor den Models. Als Erstes müsse er klarstellen, dass es sich nicht um Uniformen handle, sagt Zweiniger. Was hier präsentiert werde, sei die „neue modernisierte Dienstkleidung“. Die werden künftig 5100 Beschäftigte der BVG tragen. Die gesamte Kollektion umfasst 15.300 neue „Dienstkleidungsstücke“, für die die Verkehrsbetriebe zusätzlich 1,33 Millionen Euro einkalkulieren mussten.

Modische Ansprüche an Kleidung

Die Idee, dass die BVG eine Dienstkleidung brauche, die auch modischen Ansprüchen genügen müsse, sei vor mehreren Jahren aufgekommen, sagte Lothar Zweiniger. „Klar sieht eine Hose wie eine Hose aus, aber ein Fahrer muss darin mehrere Stunden sitzen können“, so der Vorstand. Etwa zehn neue Kleidungsstücke und Accessoires hängen nun in den Dienst-Spinden der Mitarbeiter. Dazu gehören unter anderen Mütze, Schal und Jacke aus Fleece, ein Trolley, der sich zum Rucksack umwandeln lässt sowie das Basecap.

Was dem BVG-Kunden aber mit Sicherheit als Erstes auffällt, ist die neue Farbe. Königsblau war sie vorher – ein Ton, der irgendwo zwischen Hell- und Dunkelblau liegt –, Marineblau ist sie heute, in dem die Herren zumindest wie ein Kapitän auf der Kommandobrücke aussehen.

Gestaltet wurde das neue Outfit von dem Unternehmen „Modeinstitut Berlin GmbH“ in Pankow. „Wir haben die Schnitte modernisiert und zum Beispiel Hosen und Parker eine schmalere Form gegeben“, sagt Nadine Thomas, Geschäftsführende Gesellschafterin. Wichtig sei aber auch die Modernisierung des Materials gewesen. Hosen, Sakko, Blazer und Westen würden jetzt aus einem Gemisch aus Schurwolle, Polyester und Elasthan bestehen. Vor allem das Elasthan sei ein wichtiger Bestandteil, weil es den Stoff dehnbar mache und dadurch für ein bequemes Tragegefühl sorge.

Angebot für den Winter aufgestockt

Das Modeinstitut hat zunächst einen Design-Vorschlag gemacht und 120 Prototypen nähen lassen. Diese wurden dann ein Jahr zur Probe getragen. Alexandra Mareck gehörte zur Testgruppe. „Wir hatten erst so eine weite Marlene-Hose, das hat nichts gebracht“, sagt die BVG-Mitarbeiterin. Der Schnitt sei aber nicht nur enger geworden, sondern der Bund auch flacher und flexibler. Das habe zur Folge, dass der Knopf nun nicht mehr beim Sitzen in den Bauchnabel drücke.

Es gab aber noch mehr Veränderungen nach der Probephase. Viermal mussten die Testpersonen Fragebogen ausfüllen und Kritik und Wünsche äußern. Auf Anregung der Mitarbeiter sei zum Beispiel der Parker eingeführt worden, sagt Lothar Zweiniger, BVG-Vorstand Personal. Denn die Fahrer hielten sich eben nicht nur in der Fahrerkabine oder im Tunnel auf, sondern müssten auch einmal nach draußen gehen. Um mit der Mode zu gehen, sei auch das Basecap ins Sortiment gekommen. „Es ist heutzutage Standard, dass man so etwas trägt“, sagt Zweiniger.

Generell hätte das Angebot für den Winter aufgestockt werden müssen, erläutert Nadine Thomas vom Modeinstitut. Denn die erste Kollektion sei zu wenig kälteresistent gewesen. Der Parker habe daraufhin eine Fleecejacke bekommen, die sich herausnehmen lässt. Strickschal und Strickmütze seien auch ausgemustert worden, weil sie kratzten. Sie bestehen jetzt auch aus Fleece.

Bei der Form- und Farbgebung könne man mehr machen

Bei der Präsentation stehen die Models am Rande der Gleise in Grüppchen. Sie tragen die verschiedenen Outfits: Blazer, Sakko, Weste und den neuen Parka. „Die Hose ist viel bequemer und vor allem glänzt sie nicht mehr so“, sagt der BVG-Hauptsachbearbeiter Christian Kluth. Ein Vorteil sei auch, dass es keinen Umschlag mehr gäbe. „Dort hat sich immer der Dreck gesammelt“, sagt der junge Mann. Und auch für den Stoff findet er nur lobende Worte. Ina Prox findet die Poloshirts richtig gut. „Und die Farbe Dunkelblau sieht doch viel angezogener aus“, sagt die Straßenbahnfahrerin.

Haute-Couture-Modedesignerin Nanna Kuckuck hat sich die neue Kleidung angesehen. Ihr erstes Urteil: „Sie sehen alle sehr fröhlich aus und darauf kommt es an.“ Wenn das Personal entspannt sei, dann mache das BVG-Fahren doppelt soviel Spaß. Allerdings schränkt sie ein: „Bei der nächsten Überarbeitung der Uniformen und Accessoires würde ich gern meine Hilfe anbieten.“ Bei der Form- und Farbgebung könne man mehr machen, auch wenn es funktional sein müsse.