Deutschlands erstes jüdisches Studentenhaus öffnet in Berlin

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Regina Köhler

Foto: Massimo Rodari

An der Schlegelstraße in Berlin-Mitte können sich jüdische Studenten und junge Erwachsene treffen. Willkommen sind aber auch Jugendliche anderer Glaubensrichtungen.

Sie wollen nicht nur beten und lernen, sie wollen auch feiern und fröhlich sein. Soweit das erklärte Ziel des ersten jüdische Studentenhauses Deutschlands, das das Jüdische Bildungszentrum Chabad Lubawitsch am Sonntag in Berlin eröffnet hat. An der Schlegelstraße 9 in Mitte können sich nun jüdische Studenten und junge Erwachsene treffen. Willkommen sind aber auch Jugendliche anderer Glaubensrichtungen.

Der studentische Leiter des Zentrums ist Mike Delberg. Er studiert Jura an der Berliner Humboldt-Universität. „Wir wollen ein offenes Haus sein“, sagt er. Jeder, der sich dem Judentum zugehörig fühle, könne kommen, aber auch jeder, der etwas über das Judentum wissen möchte und Menschen jüdischen Glaubens treffen will. 10.000 Menschen würden in Berlin zur jüdischen Gemeinde gehören, weitere 5000 bis 6000 Juden in der Stadt leben, darüber hinaus etwa 15.000 Israelis. Für die jungen Erwachsenen unter ihnen sei das Studentenhaus von nun an ein Anlaufpunkt. „So ein Angebot für junge erwachsene Juden hat bisher gefehlt“, sagt Delberg.

Das neue Zentrum wird von zwei Organisationen getragen, die von nun an auch in Berlin vertreten sein werden: „Chabad on Campus“ wird sich um die religiösen Angebote kümmern, „KSpace“ wird für „für den Spaßfaktor sorgen“, wie Mike Delberg betont.

Traditionelle Gemeinschaft mit ultraorthodoxen Riten

Die Chabad-Lubawitsch-Bewegung gibt es seit 17 Jahren auch in Berlin. Sie entstand vor 250 Jahren in Weißrussland und hat sich mittlerweile in etwa 70 Ländern etabliert. Die Organisatoren sind hierzulande nicht unumstritten. Die treibende Kraft dieser ausgesprochen traditionellen Gemeinschaft mit ultraorthodoxen Riten ist in Berlin das Ehepaar Teichtal.

Yehuda und Leah Teichtal haben in den vergangenen Jahren in Berlin eine Menge bewegt. Sie haben unter anderem die ersten Rabbiner-Ausbildungsseminare in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, die Synagoge in der Augsburger Straße eröffnet sowie einen jüdischen Kindergarten und eine jüdische Grundschule. Für ihre Vorhaben haben sie immer wieder namhafte Unterstützer, darunter auch Bundesminister, gewinnen können. Trotz Vorbehalten liberaler Juden ist Chabad Lubawitsch Teil der jüdischen Einheitsgemeinde geworden und bestimmt deren Kurs mit.

Das neue studentische Zentrum befindet sich in einer sanierten Remise im zweiten Hof des Gebäudes Schlegelstraße 9. Es verfügt über sieben Räume und eine großzügige Terrasse. Geleitet wird das Zentrum von Rabbiner Tzvi Greenberg und seiner Frau Chaya. Beide sind erst vor einigen Monaten aus New York nach Berlin gekommen. „Wir wollen hier künftig lernen und feiern“, sagt der Rabbi, der erst 25 Jahre alt ist. Seine Frau ergänzt: „Jeder, der uns hier besuchen kommen wird, wird ein Teil meiner großen Familie sein.“

Ein Programm gibt es noch nicht. Jeden Freitag wollen sie im Studentenhaus den Schabbat feiern. Geplant ist auch eine Veranstaltungsreihe, die junge Juden mit Berliner Politikern und Unternehmern zusammenbringen will.

Zur Eröffnung ist auch Jacqueline gekommen. Die junge Frau studiert in Potsdam. „So ein Zentrum hat bislang gefehlt“, sagt sie. Es gebe zwar viele kleine studentische Gruppen in Berlin, die individuell organisiert seien, nicht aber einen Anlaufpunkt für alle. Sie werde jedenfalls öfter hierher kommen, sagt die angehende Geowissenschaftlerin.