Berliner Sport

Landessportbund beklagt zu wenig Geld für Sportvereine

Der Landessportbund erhält einen Großteil seiner Zuwendungen aus Lottomitteln. Da jedoch immer weniger Berliner Lotto spielen, sinkt der Zuschuss seit Jahren. Nun ist der Senat gefragt.

Foto: Tim Brakemeier / picture alliance / dpa

Der Präsident des Landessportbunds (LSB), Klaus Böger, hat eine stabile Förderung des Berliner Sports gefordert. „Um eine zukunftssichere Sportförderung zu gewährleisten, fordern wir einen garantierten Zuschuss auf dem Niveau von 2008“, sagte Böger.

Der Landessportbund erhält einen großen Teil seiner finanziellen Zuwendungen aus den Lottomitteln. Da jedoch immer weniger Berliner Lotto spielen, sinkt der Zuschuss seit Jahren. Erhielt der LSB im Jahr 2002 noch elf Millionen Euro von der Klassenlotterie, sind es in diesem Jahr nur noch 7,3 Millionen. „Wenn das so weitergeht, sind wir fertig“, so Böger.

Ursprünglich war geplant, die schwindenden Lottomittel durch zusätzliches Geld von den privaten Wettanbietern auszugleichen. Fünf Prozent Sportwettsteuer werden beim Ausfüllen eines Wettscheins von Privatanbietern fällig. Das Geld wird zentral vom hessischen Finanzministerium eingesammelt und an die Bundesländer weitergeleitet.

4,8 Millionen aus Wettsteuer

Laut Statistischem Landesamt flossen allein im ersten Quartal dieses Jahres so 4,8 Millionen Euro nach Berlin – doch beim Sportbund kam zum Leidwesen des LSB-Präsidenten davon nichts an. Die Finanzverwaltung weist dagegen die Vorwürfe zurück. Das Steuergeld werde mit anderen Beträgen in einen Topf geworfen und dann auf die Bundesländer verteilt. Die Summe von 4,8 Millionen Euro sei irreführend, sagte eine Sprecherin von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD).

Um weiter leistungsfähig zu bleiben, forderten Interessenvertreter des Landesportbunds daher eine festgeschriebene Summe, die dem Betrag des Jahres 2008 entspricht. Vor fünf Jahren erhielt der Sport 9,4 Millionen Euro aus Lottomitteln. Insgesamt verfügt der LSB über einen jährlichen Haushalt in Höhe von 23,5 Millionen Euro. Angesichts der Förderprogramme für andere Einrichtungen fordere der Landessport keine Riesensummen, so Böger.

„Der Sport ist bescheiden, aber in aller Bescheidenheit wollen wir das, was wir brauchen, garantiert bekommen.“ Als Vorbilder dafür nennt Böger die Bundesländer Niedersachsen und Baden-Württemberg, wo der Sportbereich einen festen Betrag über eine Laufzeit von mehreren Jahren erhält und damit Planungssicherheit hat. Die vom LSB geforderten 9,4 Millionen Euro entsprechen umgerechnet einer Förderung von 15,50 Euro pro Jahr und Mitglied.

Größte gemeinnützige Organisation in Berlin

Immerhin sei der Sportbund die größte gemeinnützige Organisation in der Stadt, argumentieren die Sportfunktionäre. Der LSB besteht aus 79 Einzelverbänden, 2373 Vereinen und zählt insgesamt 602.000 Mitglieder. Dazu kommen zahlreiche Berliner, die die Sportstätten nutzen, ohne dass sie Mitglied in einem Verein sind. Der LSB hält die Sportanlagen funktionsfähig und stellt den Vereinen die meisten Sportanlagen kostenlos zur Verfügung. Insgesamt können die Berliner rund 1900 Sportanlagen, Hallen und Schwimmbäder nutzen.

Der größte Ausgabeposten des Sportbundes besteht aus Zuwendungen an Verbände und Vereine (6,5 Millionen Euro). Fünf Millionen Euro gehen an die Sportjugend, 3,7 Millionen fließen in die Förderung des Leistungssports, 2,4 Millionen betragen die Personalkosten.

Sanierungsstau in mehrstelliger Millionenhöhe

Böger verweist zudem auf die vom Sportbund selbst durchgeführten Anstrengungen. So sei die Mitgliederzahl gestiegen und die Mitgliedsbeiträge angehoben worden. Der Sportbund habe sich zudem von Sportanlagen getrennt und die Personalkosten gesenkt. In Zukunft werde der Sportbund seine Arbeit in Kitas und Schulen ausbauen. Der Trend zur Ganztagsbetreuung in Schule und Kindergarten stelle den Sport vor neue Herausforderungen. Hier muss künftig nach Angaben des LSB mehr Geld für die Bezahlung von qualifizierten Sportleitern ausgegeben werden.

Bei weiter sinkenden Zuschüssen könnte der Sportbund mittelfristig das Angebot an Sportanlagen nicht mehr zur Verfügung stellen, so Böger. „Ohne Infrastruktur ist Sport nicht möglich.“ Schon jetzt beklagen die Vereine, dass bei den Sportstätten ein Sanierungsstau in mehrstelliger Millionenhöhe bestehe, der trotz des Schul- und Sportstättensanierungsprogramms des Senats in Höhe von jährlich 64 Millionen Euro nicht abgebaut werden könne.