Ehemalige Polizeiwache

Polizei räumt besetztes Haus in Lichtenberg

Eine ehemalige Polizeiwache in der Rathausstraße ist am Sonntagnachmittag besetzt worden - und wurde dann ohne großen Widerstand wieder geräumt. Rund 100 Polizisten waren im Einsatz.

In Lichtenberg ist am Sonnabendnachmittag kurzzeitig ein leer stehendes Haus besetzt worden. Das Gebäude in der Rathausstraße unweit der Frankfurter Allee war einst eine Polizeiwache. 18 Personen hatten sich laut Polizei am Nachmittag Zutritt zu dem Haus verschafft. Dem linksradikalen Internet-Portal Indymedia zufolge waren unter den Besetzern auch obdachlose Familien aus Bulgarien und Rumänien. Man wolle mit der Aktion gegen steigende Mieten, Verdrängung und Obdachlosigkeit demonstrieren, hieß es.

Die Polizei rückte am Nachmittag mit gut 100 Einsatzkräften bei dem Objekt an. Die Stimmung sei ruhig, sagte ein Sprecher der Polizei vor Ort. Rund 80 Unterstützer und Vermittler hatten sich vor dem Gebäude versammelt, unter ihnen auch die Bundestagsabgeordnete des Bezirks, Gesine Lötzsch (Linke), die sich selbst ein Bild von der Lage machen wollte.

Suche auf 6000 Quadratmetern

Nachdem der Polizei ein Strafantrag des Eigentümers vorlag, begannen die Polizeibeamten, die Personalien der Hausbesetzer aufzunehmen und die Personen zum Verlassen des Gebäudes aufzufordern. Das sei friedlich verlaufen, hieß es am späten Nachmittag. Die Maßnahme dauerte jedoch an, weil das 6000 Quadratmeter große Haus von der Polizei systematisch nach möglicherweise versteckten Hausbesetzern abgesucht werden musste. Die Besetzer erwartet nun eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs. Die Aktivisten waren über die Umzäunung geklettert, das Haus selbst war nur unzureichend abgesperrt. Die Polizei will das Gebäude nun „im Auge behalten“, wie es hieß.

Verein distanziert sich von Hausbesetzung

Eigentümer des Hauses ist die landeseigene Gesellschaft für Immobilienmanagement BIM. Die ehemalige Polizeiwache steht seit rund anderthalb Jahren leer. Seit Sommer dieses Jahres bietet der Liegenschaftsfonds das 6000-Quadratmeter-Objekt zum Verkehrswert an. Der soll bei rund 1,4 Millionen Euro liegen. Das Bewerbungsverfahren für das Objekt läuft. Der landeseigene Liegenschaftsfonds, der sich um das Verfahren kümmert, verlangt von den Interessenten ein detailliertes Nutzungskonzept. Geschaffen werden soll in dem Gebäude laut Ausschreibung eine soziale Infrastruktur für den Kiez, gefordert sind außerdem vielfältige Nutzungsformen und ein Energiekonzept.

Ins Gespräch gebracht als Interessenten hatte sich bislang vor allem der Verein „Kultwache Rathausstern“. Die Initiative aus rund 25 überwiegend jungen Leuten will ein Kulturzentrum schaffen und Wohnungen in die alte Polizeiwache bauen. Die Mitglieder des Vereins distanzierten sich am Sonnabend auf Twitter von der Hausbesetzung. cbr