James-Simon-Galerie

Grundsteinlegung für das Sorgenkind der Museumsinsel

Auf der Berliner Museumsinsel ist der Grundstein für das neue Empfangsgebäude gelegt worden, die James-Simon-Galerie. Die Bauverzögerung und die Mehrkosten machen auch den Verantwortlichen Sorgen.

Foto: Toni Yli-Suvato / picture-alliance/ dpa

Den Grundstein für ein Bauwerk zu legen, das bereits vor dem offiziellen Baubeginn komplett aus dem Kosten- und Zeitrahmen gefallen ist, ist sicher keine leichte Aufgabe. Zumal der Baugrund für das neue Empfangsgebäude auf der Berliner Museumsinsel immer noch in einem Wasserbecken liegt und sich die Besucher des Festaktes am Freitag selbst davon ein Bild machen konnten, wie weit die Bauarbeiten hinter den Plänen zurückgeblieben sind.

Dass der Festakt dennoch mit Schnittchen und Sekt in einem würdigen Rahmen gefeiert wurde, war denn wohl auch vor allem der Tatsache geschuldet, dass zahlreiche Nachfahren von Henri James Simon dafür eigens aus aller Welt nach Berlin gekommen waren.

Denn das geplante Empfangsgebäude wird nicht nur dringend benötigte Service-Einrichtungen der Museumsinsel beherbergen, sondern soll mit seinem Namen James-Simon-Galerie an den größten Mäzen der Berliner Museumsgeschichte erinnern. Der Berliner Unternehmer und Kunstsammler (1851-1932) ist bis heute der bedeutendste Mäzen, den die Staatlichen Museen zu Berlin (SMB) jemals hatten. Sieben Sammlungen mit mehr als 10.000 Objekten vermachte der jüdische Weltbürger, der auch Ausgrabungen komplett selbst finanzierte, den Königlichen Museen. „Ihm verdanken wir die weltberühmte Büste der Nofretete, das Ischtar-Tor und Mantegnas „Maria mit dem schlafenden Kind“, nannte SMB-Generaldirektor Michael Eissenhauer einige der bedeutendsten Werke aus der Schenkung Simons.

Schenkungsurkunde in Zeitkapsel eingemauert

In der Zeitkapsel, die Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in seiner Funktion als Bauherr traditionsgemäß in den Grundstein einmauerte, kamen neben den üblichen Zeitdokumenten, darunter eine Tageszeitung sowie ein vollständiger Satz Euro-Münzen, denn auch ein Foto von James Simon sowie eine Kopie der handschriftlichen Schenkungsurkunde aus dem Jahre 1904.

„Es ist ein aufregender und bewegender Moment“, sagte Tim Simon, Ur-Enkel von James Simon, der mit seiner Familie aus dem kalifornischen San Francisco zum Festakt angereist war. „Ich bin heute sehr stolz, dass mein Ur-Großonkel hier gewürdigt wird“, fügte der 64-Jährige hinzu. Denn es gehört zu dem finsteren Kapitel der deutschen Geschichte, dass der Name James Simons nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Januar 1933 aus der Öffentlichkeit verschwand. Ab 1938 wurden alle Objektschilder an den Werken, die an deren jüdischen Spender erinnerten, auf Anweisung des damaligen Generaldirektors entfernt.

Auch nach 1945 blieb der Name Simon weitgehend vergessen. „Dieses Versäumnis können wir nicht ungeschehen machen“, sagte Eissenhauer in seiner Ansprache. Berlin sei aber verpflichtet, James Simon wieder das Andenken zu verschaffen, das ihm gebühre: „Sein Name ist uns Vorbild und Mahnung“, versprach der Museumsdirektor.

Schwierigkeiten drängten in den Vordergrund

Dennoch drängten sich beim Festakt am Freitag auch die Schwierigkeiten auf der Baustelle immer wieder in den Vordergrund. Seit Mittwoch ist bekannt, dass das Gebäude um fast 30 Millionen Euro teurer wird als geplant und nun rund 100 Millionen Euro kosten soll. Zudem ist bereits jetzt eine dreijährige Bauverzögerung eingetreten. „Ich möchte nicht verschweigen, dass uns das Sorgen gemacht hat und weiter Sorgen macht“, sagte Parzinger. Verantwortlich für die Kostensteigerung seien die Fehler der anfangs beauftragten Baufirma und der schwierige Baugrund. Anders als bei vielen anderen öffentlichen Großprojekten, die für negative Schlagzeilen sorgten, seien keine Planungsfehler die Ursache, betonte Parzinger.

Kritikern, die nun forderten, das Bauvorhaben komplett abzusagen, hält Parziger die Notwendigkeit des Gebäudes entgegen. In der Halle sollen Kassenbereiche, Garderoben, Museumsshop und Gastronomie für die jährlich rund drei Millionen Besucher der Museumsinsel untergebracht werden. Außerdem sind auf den rund 4600 Quadratmetern Nutzfläche unter anderen ein Auditorium und ein Raum für Sonderausstellungen geplant. „Die Museumsinsel ist für solche Besuchermassen derzeit nicht gerüstet“, so Parzinger.

Wichtiger Meilenstein bei den Bauarbeiten

Mit der Grundsteinlegung ist nun ein wichtiger Meilenstein im Bauablauf geschafft, der seit seinem Beginn mit großen Problemen behaftet ist: Seit 2009 wurden Tiefbauarbeiten zur Herstellung der Baugrube durchgeführt. Jedoch war die zunächst mit den Arbeiten beauftragte Firma mit der Aufgabe angesichts des schwierigen Baugrunds überfordert und musste schließlich Insolvenz anmelden. Ein neues Unternehmen wurde beauftragt, das nun die Tiefbauarbeiten bis zum Jahreswechsel 2013/2014 fertig stellen soll. Die neue Firma musste dabei nicht nur sämtliche Arbeiten der Vorgängerfirma wieder zurückbauen, weil diese im sumpfigen Untergrund völlig unzureichend ausgeführt worden waren. Sie musste zudem 1500 bis zu 40 Meter lange Gründungspfähle in den Boden einbringen, auf denen der Neubau nun sicheren Grund finden soll. Die James-Simon-Galerie soll nun 2017 eröffnen – wenn alles läuft, wie geplant.

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