Bundesweiter Vergleich

Ostdeutsche Schüler in Mathe spitze – nur nicht die Berliner

Im bundesweiten Mathevergleich sind Berliner Schüler der 9. Klasse gegenüber ihren Altersgenossen in Sachsen zwei Jahre zurück. Auch bei den Naturwissenschaften haben die Hauptstädter Nachholbedarf.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Berliner Schüler sind beim bundesweiten Leistungstest nur im unteren Drittel gelandet. In Mathematik schnitten sie sogar am zweitschlechtesten ab, wie aus den am Freitag veröffentlichten Vergleichsdaten hervorgeht. Mit ihrem Rechen-Wissen liegen die Berliner im Schnitt zwei Schuljahre hinter den Spitzenreitern, den Schülern aus Sachsen, zurück. Nur die Bremer zeigten noch schlechtere Leistungen.

In allen getesteten Fächern – neben Mathe noch Chemie, Biologie und Physik – liegt Berlin unter dem Bundesdurchschnitt. Am besten waren die Testleistungen mit Platz 12 der 16 Bundesländer noch in Biologie. Damit sind die Schüler in Berlin deutlich leistungsschwächer als in den umliegenden Bundesländern. Denn ostdeutsche Schüler aus Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erzielten durchgehend Leistungen über dem Bundesschnitt.

Bei bisherigen Schulvergleichen lagen bisher meist die süddeutschen Bundesländer vorn. Diesmal ist es der Osten. Im Westen erzielen bei Naturwissenschaften und Mathematik durchgängig nur Bayern und Rheinland-Pfalz Leistungswerte, die statistisch bedeutsam über dem Bundesdurchschnitt liegen – im Einzelfall auch Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Im Osten sind es alle Bundesländer.

Berliner gegenüber Sachsen zwei Schuljahre zurück

An dem Schultest von Kultusministerkonferenz und dem Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen hatten sich mehr als 44.000 Schüler aus den neunten Klassen aller Schulformen beteiligt. In Mathematik ist Sachsen absoluter Spitzenreiter mit 536 Punkten, gefolgt von Thüringen (521) und Brandenburg (518). Berlin erreicht mit 479 nur wenig mehr Punkte als Schlusslicht Bremen mit 471 Punkten. Ein Unterschied von 25 bis 30 Punkten entspricht in etwa dem Lernfortschritt eines Schuljahres.

Berliner Schüler der 9. Klasse sind damit gegenüber ihren Altersgenossen aus Sachsen rund zwei Schuljahre zurück. Ähnlich große Leistungsunterschiede gibt es auch in der Physik. Zwischen Spitzenreiter Sachsen und dem Schlußlicht Nordrhein-Westfalen beträgt der Lernabstand ebenfalls rund zwei Jahre, zu Berlin rund eineinhalb Jahre.

Mitarbeiter des ländereigenen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität hatten dafür im Mai und Juni 2012 mehr als 1300 Schulen im gesamten Bundesgebiet besucht. Neben den Tests wurden auch Interviews mit Schülern, Fachlehrern und Schulleitern zur Lernsituation gemacht.

Hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft

Die Studie belegt erneut die extrem hohe Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft in Deutschland. Bundesweit erreichen laut den Ergebnissen Schüler aus sozial besser gestellten Familien in Mathematik im Durchschnitt 82 Punkte mehr als Jugendliche aus sozial schwächer gestellten Familien. „Dies entspricht einem Leistungsvorsprung von fast drei Schuljahren zugunsten der Schülerinnen und Schüler mit einem hohen Sozialstatus“, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Auswertung.

In Mathematik wurden diesmal sechs Kompetenzformen aus dem gesamten Spektrum mathematischen Arbeitens untersucht, wie „Probleme mathematisch lösen“ aber auch „Raum und Form“ sowie „Daten und Zufall“. In Biologie, Chemie und Physik ging es vor allem um Grundbildung, aber auch um fachübergreifendes Problemlösen.

Basis für die Aufgaben waren die von den Kultusministern für alle Bundesländer verbindlich eingeführten Bildungsstandards. Sie beschreiben, was ein Schüler am Ende einer Jahrgangsstufe können soll und gelten für Lehrer als pädagogische Zielvorgabe. Damit wurden die alten, in den Bundesländern unterschiedlichen Lehrpläne an den Schulen abgelöst.

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