Wohnsitzkampagne

Senat wünscht sich von Zuzüglern ein Bekenntnis zu Berlin

Berlins Einwohnerzahl wurde nach dem Zensus deutlich zurückgestuft. Mit der Kampagne „Berlin, ich melde mich“, will der Senat junge Neu-Berliner dazu bringen, den ersten Wohnsitz in Berlin anzumelden.

Foto: Florian Schuh / dpa

Mit der Kampagne „Berlin, ich melde mich“, will der Senat junge Neu-Berliner dazu bringen, sich auch mit dem ersten Wohnsitz in Berlin anzumelden. „Berlin hat aufgrund des Zensus die Einwohnerzahl nach unten korrigieren müssen, aber wir bleiben eine wachsende Stadt“, sagte Senatssprecher Richard Meng am Donnerstag. Der Einwohnerzuwachs von 2012 um 50.000 Menschen zeige das deutlich, und 2013 setze sich dieser positive Trend fort, so Meng.

Deswegen startet Berlin Partner, die Gesellschaft für Standortmarketing des Landes, diese Woche die Aktion mit Großplakaten, Flyern, Radio- und Videospots. „Unsere Botschaft setzt gezielt auf ein Wir-Gefühl. Die Menschen in deinem Umfeld sind Berlinerinnen und Berliner, werde auch du Teil der Stadt“, erklärte Jörg Nolte, Pressesprecher von Berlin Partner. Neu-Berliner sollen sich offiziell zu ihrem Lebensmittelpunkt bekennen. So, wie die Frau in einem TV-Spot: Sie läuft euphorisch auf die Straße hinaus und schreit in die Stadt hinein: „Ich bin jetzt Berlinerin.“

Begrüßungsgeld könnte erhöht werden

Die Großplakate werben mit drei jungen Gesichtern verschiedener Herkunft, um so alle Zielgruppen anzusprechen. Die Kampagne richtet sich nicht nur an Studenten, sondern auch an Menschen, die aus dem Ausland kommen, und an junge Existenzgründer.

Mit dem Spruch „Deine besten Freunde, dein Lieblings-Italiener, deine Nachbarin, dein Fitnesstrainer, dein Späti-Verkäufer, dein Club-DJ – alle sind Berliner. Melde dich an, und sei auch du dabei!“ soll gezielt das Wir-Gefühl erzeugt werden, so Nolte. Gleichzeitig prüft der Senat nach Angaben Mengs, ob das „Begrüßungsgeld“ für Neu-Berliner von 50 Euro auf 100 Euro angehoben werden kann, um die Bewohner zur Anmeldung zu motivieren.

Weniger Geld aus dem Länderfinanzausgleich

Hintergrund der Aktion bilden die Folgen der Volkszählung von 2011. Die Einwohnerzahl Berlins wurde um rund 180.000 Einwohner zurückgestuft. Berlin hatte gegen das Ergebnis Widerspruch eingelegt, denn die Stadt erhält deshalb rund eine halbe Milliarde Euro weniger pro Jahr aus dem Länderfinanzausgleich. Darüber hinaus müssen etwa 940 Millionen Euro zurückgezahlt werden. Noch hat der Senat nicht über die Klage entschieden. „Eine mögliche Klage ist noch offen. Es ist kompliziert, gegen die statistische Erhebung zu klagen“, sagte Meng.

Die Kampagne will nun denjenigen auf die Spur kommen, die sich nicht gemeldet haben. Die Dunkelziffer der nicht Angemeldeten ist nach Angaben Mengs schwer zu erfassen, allerdings seien von den rund 160.000 in Berlin eingeschriebenen Studenten nur etwa 100.000 auch tatsächlich mit Erstwohnsitz gemeldet.

An den Unis werden Flyer verteilt

Die Kampagne wurde mit allen Hochschulen abgesprochen. Schon bei der Immatrikulation erhalten Studenten jetzt Flyer mit praktischen Hinweisen zur Anmeldung im jeweiligen Bezirksamt. Die Werbespots sollen auch bald auf Leinwänden in den Mensen der Universitäten zu sehen sein. Flyer werden dort zu Semesterbeginn verteilt.