Tempo-Kontrollen

Berlin schleicht durch den Blitzermarathon

Mit 1000 Beamten an 250 Stationen geht die Berliner Polizei an diesem Donnerstag gegen Temposünder vor. Die Autofahrer stellten sich darauf ein: Die meisten waren wesentlich langsamer unterwegs.

Die angekündigten Geschwindigkeitskontrollen im Rahmen des bundesweiten Blitzermarathons haben am Donnerstag in Berlin zunächst ohne Zwischenfälle begonnen. So war es am Morgen am Kontrollpunkt Hüttenweg in Dahlem sehr ruhig, lediglich zwei Autofahrer wurden bis 7.30 Uhr erwischt.

Die Aktion hatte am Hüttenweg allerdings auch mit leichter Verspätung begonnen. Um 6.57 Uhr ging der Polizei der erste Temposünder in die Blitzfalle: Ausgerechnet einen Profifahrer stoppten die Polizisten mit acht Stundenkilometern zu viel. Wolfgang Zimmermann konnte sich das nicht erklären. „Ich hatte mich extra auf mögliche Kontrollen konzentriert“, sagte der Berufskraftfahrer.

Beim Start der Kontrollen in der Bismarckallee 14 in Grunewald kurz nach 8 Uhr stoppte die Polizei gleich zwei Autofahrer. Und wieder erwischte es dabei einen Profi: Ein Taxifahrer fuhr in der Tempo-30-Zone mit 43 Stundenkilometern, er muss nun 25 Euro Bußgeld zahlen. Auch wenn er sich darüber riesig ärgerte, zumindest ein Punkt in Flensburg bleibt ihm erspart. Diese vergibt die Polizei erst bei Geschwindigkeitsüberschreitungen von 21 bis 25 Stundenkilometern.

Auch der zweite erwischte Autofahrer ärgerte sich über seine acht Stundenkilometer Plus - besonders, weil er sonst eigentlich mit dem Fahrrad unterwegs ist. Vom Blitzmarathon hatte er im Vorfeld nichts gewusst. Da ging es ihm offensichtlich anders als den meisten Autofahrern in Berlin an diesem Morgen. Auf den Straßen schlich der Verkehr auffällig ruhig, die Polizisten an den Kontrollpunkten hatten durchaus Temposünder-Pausen.

Drohender Abbruch wegen Regen

Auch der Regen schien viele Autofahrer vom Rasen abzuhalten. So wurden auch in der 30er-Zone zwischen Altanoer Straße und der Lessingbrücke wurden am Vormittag innerhalb der ersten halben Kontrollstunde lediglich lediglich zwei Autofahrer angehalten. Einer der beiden hat gerade seinen Führerschein seit einem Monat. Seine Tochter habe ihn noch kurz vor dem Zwangsstop auf Tempo 30 hingewiesen, sagt ein Beamter.

Das feuchte Wetter machte auch den Messgeräten zu schaffen. Am Standort Lessingbrücke drohte sogar der vorzeitige Abbruch der Kontrollen. Die Geräte könnten möglicherweise nicht so viel Feuchtigkeit aushalten, sagte ein Polizist.

Polizeipräsident Kandt zieht erste Zwischenbilanz

Polizeipräsident Klaus Kandt vermeldete am frühen Nachmittag einen ersten Zwischenstand zum Blitzermarathon in Berlin. „Meine Kolleginnen und Kollegen haben mir bereits nach den ersten Stunden (…) mitteilen können, dass das Geschwindigkeitsniveau auf den Straßen Berlins spürbar niedriger ist, als an einem normalen Donnerstag. Es hat sich also gelohnt, den Berlinerinnen und Berlinern alle Blitzer vorher über die Medien zu verraten.“ Eine Bilanz werde natürlich erst nach Abschluss der Aktion möglich sein.

In den ersten sechs Stunden des „Blitzermarathons“ wurden in Berlin 537 Verkehrsteilnehmer ermittelt, die zu schnell unterwegs waren. Die Beamten hätte auch einige Raser stoppen müssen. Spitzenreiter war ein Autofahrer, der in Schulzendorf statt der erlaubten 60 Stundenkilometer 102 km/h fuhr. In zwei Tempo-30-Zonen, in Friedrichshain und Charlottenburg, fuhren zwei Autofahrer jeweils 60 Kilometer pro Stunde.

1000 Polizisten an 250 Kontrollstellen und noch mehr

Die Geschwindigkeitsüberwachung läuft 24 Stunden lang an Unfallschwerpunkten und besonders gefährdeten Orten wie Kindergärten, Schulen und Altenheimen. Die Berliner Polizei geht mit etwa 1000 Beamten an 250 Laserkontrollstellen gegen Temposünder vor.

Zeitgleich wird im gesamten Stadtgebiet eine Flotte gut getarnter Videofahrzeuge der Polizei Raser aufspüren und zur Kassen bitten, 21 Wagen mit Video-Ausrüstung sind dabei im Einsatz. Die Aktion der Berliner ist Teil des ersten bundesweiten Blitzermarathons, an dem sich alle Bundesländer beteiligen.

„Mit dem Blitzermarathon wollen wir über die Gefahren zu schnellen Fahrens aufklären. 90 Prozent der Verkehrsteilnehmer halten sich an die Vorschriften. Und die übrigen zehn Prozent sind die Verkehrsteilnehmer, die einen Unfall fabrizieren und dies oftmals durch überhöhte Geschwindigkeit“, sagte Christian Burkhardt. Der 44 Jahre alte Polizeirat leitet in Berlin den 24-Stunden-Blitzer-Marathon.

3000 Autofahrer fuhren zu schnell

Bereits im April dieses Jahres hatte es eine solche Aktion in Berlin gegeben. Damals waren trotz Vorankündigung 3000 Autofahrer mit überhöhter Geschwindigkeit erfasst worden.

Über 50 Autofahrern drohte damals ein Fahrverbot oder ein Bußgeld von mindestens 160 Euro und mindestens drei Punkten in der Verkehrssünderkartei in Flensburg. So lautete bei der Aktion im April die Bilanz der mehr als 69.000 Geschwindigkeitsmessungen.

An normalen Tagen steht die Polizei in Berlin an etwa 50 Orten und registriert dabei durchschnittlich 2300 Verkehrsdelikte. Dabei kommen die unterschiedlichsten Kontrollmöglichkeiten zur Anwendung.

Die Polizei hat die Straßen, an denen an diesem Donnerstag kontrolliert wird, vorab veröffentlicht. Mit diesem transparenten Konzept wolle man den Autofahrern klarmachen, dass es bei den Verkehrskontrollen nicht um Abzocke, sondern ausschließlich um die Sicherheit gehe, erklärten die Behörden. BM

Alle Blitzer auf einer Berlin-Karte