Betriebskosten 2012

Heizkosten – Berliner müssen Hunderte Euro nachzahlen

Mieter, die in diesen Tagen die Betriebskostenabrechnung 2012 erhalten, erwartet eine böse Überraschung: Wegen gestiegener Heizkosten und dem langen Winter fällt diese deutlich höher aus als erwartet.

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Bei morgendlichen Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt schaltet so mancher Mieter die Heizung an. Doch wer in diesen Tagen die Betriebskostenabrechnung für 2012 im Briefkasten findet, wird den Thermostat wohl wieder herunterdrehen. Denn Mieter müssen mit einer deutlichen Erhöhung der Betriebskosten rechnen, vor allem wegen gestiegener Heizkosten.

„Die Heizkosten für 2012 sind für viele Mieter ein Schock“, sagt Reiner Wild, Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, „wir registrieren Nachzahlungen in Höhe von mehreren Hundert Euro.“ Er schätzt, dass Berliner im Schnitt mit 15 Prozent höheren Heizkosten rechnen müssen.

Durchschnittspreis lag bei 90 Cent pro Liter

Ursache für den Anstieg war zum einen der frühe Beginn des Winters 2012. Zum anderen spielten die gestiegenen Energiepreise eine wichtige Rolle. Vor allem jene Mieter, deren Wohnung mit Öl geheizt wird, müssen mit einer deutlichen Erhöhung der Kosten rechnen. 2012 lag der Durchschnittspreis pro Liter Heizöl bei 90 Cent, so hoch wie noch nie. Bei Gas und Fernwärme fiel der Anstieg moderater aus. Nach der Preisdatenbank des Verbandes der Berlin-Brandenburgischen Wohnungsunternehmen (BBU) sind die Preise für Fernwärme um 2,5 Prozent und für Erdgas um sechs Prozent gestiegen. Bei Strom ist hingegen ein Anstieg um 13 Prozent zu verzeichnen.

Die Abrechnung könne auch deshalb schockieren, weil die Mieter im Jahr zuvor deutlich weniger Heizkosten hatten: Nach einem relativ milden Winter in 2011 gab es sogar zahlreiche Rückzahlungen. Zum Teil wurden die Vorauszahlungen dann nach unten angepasst. „Insofern ist die Erhöhung im Jahr 2012 besonders schmerzhaft“, sagt Wild.

Preissteigerung liegt in Berlin bei sieben Prozent

Auch Dieter Blümmel, Sprecher von Haus & Grund Berlin, dem Bund der Berliner Haus- und Grundbesitzervereine, bestätigt: „Dort, wo mit Öl geheizt wird, sind die Heizkosten für 2012 um zehn bis 15 Prozent gestiegen.“ Für Wohnungen, die mit Gas oder Fernwärme geheizt werden, müssten die Mieter nach seiner Einschätzung für 2012 mit einem Anstieg der Heizkosten von 7,5 bis zehn Prozent rechnen. Was die Haushaltsenergie insgesamt betrifft, beziffert das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg die Preissteigerung für Berlin auf sieben Prozent (Brandenburg: 3,4 Prozent). Und der BBU, dessen Mitgliedsunternehmen rund 40 Prozent aller Mietwohnungen in Berlin bewirtschaften, geht nach ersten Annahmen für 2012 bei den gesamten Betriebskosten in Berlin von einer Steigerung um 1,7 Prozent auf 2,36 Euro pro Quadratmeter aus, in Brandenburg um 1,4 Prozent auf 2,14 Euro.

Im Vergleich zu anderen Bundesländern sieht Blümmel Berlin bei den Heizkosten im oberen Mittelfeld. Hier sei der Winter härter als im Südwesten Deutschlands, allerdings würden sich die Energiekosten aufgrund der relativ kompakten Bebauung auch wieder reduzieren. Insbesondere in großen Wohnsiedlungen mit mehrstöckigen Häusern sei der Energieverbrauch geringer als in Gegenden mit zwei- oder dreigeschossiger Bauweise: „Je kleiner die Einheiten sind, desto größer die Außenfläche und desto höher der Energieverbrauch.“ Einsparungen gebe es zwar durch Wärmedämmung im Zuge von Sanierungen oder durch den Einbau neuer Heizungen. Doch Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Bewohner danach oft sorgloser mit dem Energieverbrauch umgehen und sich die Einsparung also wieder aufhebt.

Ähnliche Erfahrungen machen auch die Wohnungsbaugesellschaften. Viele Menschen würden noch immer das Fenster auf Kipp stellen und die Heizung aufdrehen, statt einmal kurz durchzulüften, sagte Melanie Geyer von der Gesobau.