Prozess

„Waldjunge Ray“ muss gemeinnützige Arbeit leisten

Der Niederländer Robin alias „Waldjunge Ray“ muss gemeinnützige Arbeit leisten. Er hatte behauptet, nicht zu wissen, wer er sei. Also bekam er Sozialleistungen. Doch der Betrugsprozess wurde eingestellt.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Der Betrugsprozess gegen den einst geheimnisvollen „Waldjungen Ray“ ist eingestellt worden. Der 21-jährige Niederländer muss aber 150 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, wies das Amtsgericht Berlin-Tiergarten am Donnerstag an. Ob er auch Geld zurückzahlen muss, ist unklar, Rückforderungsansprüche des Jugendamtes gegenüber dem Angeklagten seien durch die Verfahrenseinstellung nicht ausgeschlossen, teilte Gerichtssprecher Kaehne mit.

Wie Kaehne weiter mitteilte, muss der in Deutschland lebende Niederländer die gemeinnützige Arbeit leisten und zu Beratungsgesprächen gehen. Kommt er diesen Weisungen nach, wird das Verfahren endgültig eingestellt werden. „Es gibt persönliche Probleme“, sagte Kaehne. Auch die Staatsanwaltschaft befürwortete die Einstellung des Prozesses.

Die Verhandlung dauerte keine Stunde. Die Reporter hatte Richterin Gisela Hampel schon vor Verhandlungsbeginn vor die Tür geschickt, „um eine Stigmatisierung abzuwenden“, wie sie betonte. Hampel bevorzugte einen Prozess hinter verschlossenen Türen, denn sie sah eine „Bedrohung“ für die Entwicklung von Robin. Auch solle der „erzieherische Wert“ des Verfahrens nicht dem „Unterhaltungswert“ geopfert werden, fügte sie streng hinzu.

In dem Jugendstrafverfahren war „Ray“ vorgeworfen worden, Sozialleistungen von knapp 30.000 Euro in Berlin erschlichen zu haben. Der junge Mann saß in Jeans und grauer Kapuzenjacke zusammengesunken vor ihr. Das Gesicht blass, die Haare schwarz gefärbt.

Gerichtssprecher Kaehne sagte, dem Steuerzahler sei nur ein geringer Schaden entstanden. Hätte sich der Unbekannte als Obdachloser gemeldet, hätten ihm auch Leistungen in ähnlicher Höhe zugestanden. Die Öffentlichkeit war gleich zu Beginn des Prozesses am Donnerstag ausgeschlossen worden.

Der junge Mann, der sich angeblich nicht an seine Herkunft erinnerte und sich Ray nannte, war im September 2011 in Berlin wie aus dem Nichts aufgetaucht. Er hatte am Sitz des Regierenden Bürgermeisters von Berlin um Hilfe gebeten und behauptet, er sei minderjährig und obdachlos.

Er wurde als „Waldjunge“ bekannt, weil er angeblich fünf Jahre lang mit seinem Vater in Wäldern gelebt hatte. Der Vater war nach seinen Angaben verstorben. Er wurde in einer Jugendhilfeeinrichtung betreut. Erst Monate später stellte sich heraus, dass Ray in Wirklichkeit Robin aus dem niederländischen Hengelo ist und schon volljährig war.

Gericht bescheinigt positive Entwicklung

Laut Gerichtssprecher räumte der 21-Jährige die Vorwürfe ein. Er sei damals obdachlos gewesen und habe Unterstützung haben wollen, sagte Kaehne zum Motiv des Mannes. Das Gericht habe ihm eine positive Entwicklung bescheinigt, er lebe inzwischen in normalen Verhältnissen. In den Beratungen solle „die ganze Sache aufgearbeitet“ werden, so Sprecher Kaehne.

Bestritten hat Robin nach Angaben des Justizsprechers, dass er gesagt habe, er habe fünf Jahre im Wald gelebt. „Er sagte, er sei mit seinem Vater durch Deutschland gezogen und habe dabei auch im Wald im Zelt geschlafen“, sagte der Sprecher. Die Geschichte vom Waldjungen sei offenbar durch Kolportation entstanden.

Robin wollte sich nicht gegenüber den Medien äußern. Laut dem Sprecher lebt er weiter in Deutschland. Wenn er seine gerichtlichen Auflagen erfüllt, bleibt er ohne Vorstrafe.