Ausschreibung

So sollen die neuen S-Bahn-Züge für den Ring aussehen

Berlin sucht für die Ringbahnlinien der Berliner S-Bahn einen neuen Betreiber. Der Fahrzeughersteller Bombardier Transportation stellte nun erste Ideen für die dringend benötigten neuen Züge vor.

Foto: Bombardier Transportation GmbH

Rund 380 neue S-Bahn-Wagen werden für den ab 2017 ausgeschriebenen Betrieb der Ringbahn- sowie mehrerer Zubringerlinien benötigt. Die Züge, die vorwiegend als Vier-Wagen-Einheiten gebaut werden sollen, werden dringend erwartet. Laufen doch ab 2017 die Zulassungen für die Altbaureihen 480 und 485 aus. Erste Ideen, wie die neue S-Bahn für Berlin aussehen könnte, hat jetzt Bombardier Transportation vorgestellt.

Der deutsch-kanadische Schienenfahrzeughersteller geht mit einem eigenen Konzept in die S-Bahn-Ausschreibung. Danach will das Unternehmen, das in Berlin und Brandenburg fast 3000 Mitarbeiter beschäftigt, die nächste S-Bahn-Generation nicht nur entwickeln und bauen, sondern auch instand halten. „Alles aus einer Hand. Das senkt die Kosten, fördert die regionale Wirtschaft und verbessert die Zuverlässigkeit“, wirbt Bombardier-Chef Michael Clausecker für sein Konzept, dass er entweder mit der französischen RATP oder der eigenen Berliner Nahverkehrs-Projektgesellschaft (BNP) realisieren will. Die neuen Züge sollen dabei nicht nur zuverlässiger und effizienter als ihre einst vom Bombardier-Vorgänger Adtranz gelieferten Vorläufer unterwegs sein, sondern den Fahrgästen auch spürbar mehr Service und Sicherheit bieten. Gedacht ist etwa an den Einbau einer Klimaanlage und großer Mehrzweckbereich sowie an eine Videoüberwachung aller Wagen.

Neu in Deutschland wäre ein „stiller Alarm“, der es den Fahrgästen erlaubt, bei Gewaltvorfällen schnell und verdeckt Hilfe zu holen. „Technisch ist vieles machbar, es muss vom Besteller aber gewollt sein“, sagte Clausecker. Wer die neue Züge baut, entscheidet sich jedoch erst frühestens Ende 2014, wenn die Ergebnisse einer europaweiter Ausschreibung des Milliardenauftrags vorliegen. Das Verfahren geht jetzt in die nächste Runde. Noch in dieser Woche, so heißt es, will der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB), der im Auftrag der beiden Länder die Ausschreibung führt, die Unterlagen an ausgewählte Bewerber verschicken. In einer sogenannten Pre-Qualifikation hatten Interessenten zuvor nachweisen müssen, dass sie über genügend Geld und Erfahrungen verfügen, um rund ein Drittel des S-Bahn-Verkehrs in der deutschen Hauptstadt für mindestens 15 Jahre übernehmen zu können.

Großes Interesse an der Ausschreibung

Trotz der jüngsten Probleme bei der Berliner S-Bahn ist das Interesse groß. Mehr als zehn deutsche und ausländische Anbieter haben sich nach Informationen der Berliner Morgenpost um den lukrativen Auftrag beworben, darunter auch der aktuelle Betreiber, die zum bundeseigenen Bahnkonzern gehörende S-Bahn Berlin GmbH. Um die Chancen zu erhöhen, den prestigeträchtigen Auftrag nicht zu verlieren, ist die Deutsche Bahn gleich in mehreren Konstellationen, darunter auch mit der Tochter DB Regio, vertreten.

Der Branchenprimus trifft dabei auf eine ganze Reihe renommierter Anbieter aus dem Ausland. So will die Mass Transit Railway (MTR) aus Hongkong ebenso ein Angebot abgeben wie National Express aus Großbritannien oder die RATP, die die Pariser Metro betreibt. Interesse hat jüngst auch die East Japan Railway Company bekundet. Die JR East lässt in ihrem Heimatland nicht nur die berühmten Shinkansen-Schnellzüge fahren, sondern betreibt auch zahlreiche Nahverkehrsverbindungen im Großraum Tokio.