Modernisierte Züge

Berlins S-Bahn fährt jetzt mit einer roten Nase

Die im Winter oft störanfälligen Züge der Berliner S-Bahn bekommen schrittweise neue Bremssysteme. Die modernisierten Züge sind an einer auffälligen Markierung an der Frontscheibe zu erkennen.

Foto: Massimo Rodari

Immer mehr S-Bahn-Züge fahren in Berlin mit einem roter Punkt an der Frontscheibe durch die Stadt. Die auffällige Markierung ist jedoch weder ein Beitrag der Bahntochter zur „Red-Noise-Kampagne“ der Kinderschutzorganisationen, noch ein neues Designmerkmal.

Beim jüngsten Sprechtag des Fahrgastverbandes Igeb lüftete S-Bahn-Chef Peter Buchner das Geheimnis. Der rote Punkt an der Frontscheibe signalisiere lediglich, welche Züge mit einer modernisierten Bremsanlage ausgerüstet sind und welche nicht. „Das ist deshalb wichtig, weil diese Züge nicht zusammengekuppelt werden dürfen“, so Buchner.

Der technische Hintergrund: In den vergangenen Jahren hatte die S-Bahn teils erhebliche Winterprobleme. Als einer der größten Schwachpunkte erwiesen sich die Gleitschutzsysteme an den Bremsen. Dieses Anti-Blockier-System für Eisenbahnfahrzeuge soll verhindern, dass Züge bei nassen und glitschigen Schienen ins Rutschen und so nicht mehr rechtzeitig vor Signalen und an Bahnsteigen zum Stehen kommen.

Im Winter muss die S-Bahn oft langsamer fahren

Weil die Sandstreueinrichtungen an den Rädern jedoch bei Eis und Schnee häufig einfroren und damit ihren Dienst versagten, durften die S-Bahnen in einem solchem Fall höchstens mit Tempo 60 statt mit den üblichen 80 Kilometern pro Stunde statt fahren. Der Fahrplan konnte dadurch auf vielen Linien nicht mehr eingehalten werden. Im Winter 2010/2011 musste die S-Bahn sogar über Wochen hinweg einen Notfahrplan in Kraft setzten, weil ein Großteil der Züge aus Sicherheitsgründen nur noch im Schleichtempo fahren durften. Betroffen von dem technisch en Handicap waren die 570 Doppelwagen der insgesamt aus 650 Viertelzügen bestehenden S-Bahn-Flotte.

Abhilfe sollte der Einbau einer neuen, beheizten Sandstreueinrichtung schaffen. Die vom Berliner Hersteller Knorr-Bremse entwickelten Anlagen haben sich im vergangenen Winter bereits bewährt. Allerdings sorgten sie im Betriebsalltag für neue Schwierigkeiten. So verfügt das neue Systeme über Sensoren, die dem Lokführer automatisch Funktionsstörungen meldet. Weil jedoch zunächst unklar bleib, ob die Anlage als Ganzes nicht mehr ordnungsgemäß arbeitet oder lediglich Sand im Vorratsbehälter nachgefüllt werden muss, mussten die betroffenen Züge in jedem Fall zur Kontrolle in die Werkstatt und fehlten so für den Fahrgasteinsatz.

Die S-Bahn will endlich pünktlicher werden

Zwischenzeitlich, so S-Bahn-Chef Buchner, sei eine technische Lösung für dieses Problem gefunden. Mit der schrittweise erfolgenden Umrüstung der Züge, so seine Hoffnung, könnte sowohl der Fahrzeugeinsatz stabilisiert und die Pünktlichkeit der Züge verbessert werden.

Aktuell kann die S-Bahn täglich etwa 530 Zwei-Wagen-Einheiten zum Einsatz bringen. Vertraglich vereinbart ist mit dem Ländern Berlin und Brandenburg der Einsatz von mindestens 562 Doppelwagen. Wegen zu kurzer Züge und mangelhafter hat der Berliner Senat bereits Strafabzüge in Höhe von 7,7 Millionen Euro verhängt.