Steuern

Berliner Unternehmen müssen eine Milliarde Euro nachzahlen

Weil sich immer mehr Firmen in Berlin ansiedeln, werden auch mehr Betriebsprüfer eingestellt. Die neue Rekordsumme an Steuernachzahlungen verdankt das Finanzamt aber vor allem einem Einzelfall.

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Berlin hat im vergangenen Jahr ein Rekordergebnis bei den Betriebsprüfungen erzielt. Mehr als eine Milliarde Euro wurden durch die Außendienstmitarbeiter des Finanzamts zusätzlich in die Kassen gespült, insgesamt waren es genau 1.048.907.113 Euro.

Das Ergebnis für 2012 sei weit überdurchschnittlich, sagte ein Sprecher der Finanzverwaltung der Berliner Morgenpost. Die hohe Summe komme im Wesentlichen durch einen Einzelfall zustande. Das übliche Ergebnis der Betriebsprüfungen für Berlin liegt bei knapp der Hälfte. Welches Unternehmen jedoch mehrere Hundert Millionen Euro nachzahlen musste, darüber schweigt sich die Finanzverwaltung unter Hinweis auf das Steuergeheimnis aus.

Aber auch in den Vorjahren konnten die Betriebsprüfer ihr Jahresergebnis steigern. Lag der Erlös 2010 noch bei mehr als 565 Millionen Euro, waren es 2011 bereits mehr als 584 Millionen Euro, die bei den Prüfungen vom Großbetrieb bis zum Kleinstunternehmen zusammengekommen sind. Auch im Vergleich mit dem Bund steht Berlin augenblicklich recht gut da.

Kleinstbetriebe werden alle 144,5 Jahre einmal geprüft

So konnten die Berliner Prüfer vergangenes Jahr etwa bei mittelgroßen Unternehmen pro Prüfung dem Staat durchschnittlich 32.000 Euro zusätzlich einbringen – der Bundesschnitt lag bei rund 24.000 Euro. Die Prüfung eines Großbetriebs brachte nach Daten der Finanzverwaltung im Durchschnitt 588.000 Euro, der Bundesschnitt: 354.000 Euro.

Große Betriebe, von denen die Finanzverwaltung für Berlin rund 7000 zählt, werden in der Hauptstadt im Schnitt alle vier Jahre von der Betriebsprüfung besucht. Auch hier liegt die Hauptstadt über dem Bundesschnitt. Mittlere Betriebe müssen statistisch gesehen alle 10,3 Jahre mit einer Überprüfung rechnen, kleine Unternehmen alle 21,4 Jahre.

Keine Angst vor Betriebsprüfungen müssen den Daten vom vergangenen Jahr zufolge Kleinstunternehmer haben. Die gut 330.000 Kleinstbetriebe der Stadt werden alle 144,5 Jahre einmal geprüft, der Bundesschnitt ist hier immerhin 40 Jahre besser.

500.000 Euro im Jahr pro Betriebsprüfer

Doch das Prüfungsergebnis könnte sich weiter positiv entwickeln. Denn die Zahl der Betriebsprüferstellen ist in den letzten Jahren langsam angestiegen. Und Experten der Gewerkschaften gehen davon aus, dass jeder Betriebsprüfer mindestens 500.000 Euro im Jahr zusammenbringt, bei Personalkosten von rund 75.000 Euro. In Berlin gibt es aktuell 774 Stellen für Betriebsprüfer, vor zwei Jahren waren es laut Finanzverwaltung rund 40 Stellen weniger.

Allerdings wächst auch die Zahl der Betriebe in Berlin. Vor drei Jahren zählte die Senatsverwaltung noch 412.546 prüfungswürdige Unternehmen aller Größen, dieses Jahr waren es 420.159, ein Plus von 1,8 Prozent. Gleichzeitig bekommt die Finanzverwaltung ihr Nachwuchsproblem jedoch nur schwer in den Griff.

Viele unbesetzte Stellen im Außendienst

Viele Stellen sind unbesetzt, auch im Außendienst. Dennoch habe sich Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) noch nicht dazu durchringen können, alle erfolgreichen Absolventen unter den Finanzanwärtern einzustellen, kritisiert der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats, Klaus Wilzer. Zudem rollt auch auf die Finanzämter eine große Pensionierungswelle zu. Bis zum Jahr 2020 scheidet dort fast jeder vierte Mitarbeiter altersbedingt aus.

Jetzt werden je 150 Anwärter jährlich für den mittleren und gehobenen Dienst eingestellt. Um den Bedarf zu decken, müssten es nach Ansicht der Gewerkschaften eigentlich mehr sein. Denn nicht nur die Zahl der Betriebe, auch die Zahl der privaten Steuersünder ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Mit 66,15 Millionen Euro ist die hinterzogene Steuersumme um rund 30 Prozent höher als 2011.

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